Elwin Treublatt
Lang ersehnt, hier ist der neue Thread zur neuen Saison.
Es hat ganz gut geklappt, mit einem einzigen Thread durch eine ganze Saison zu kommen, nun ja, jetzt steht die WM an, aber auch das müsste machbar sein.
Wenn Ihr ein neues Thema beginnt, gebt ihm bitte eine aussagekräftige Überschrift, dann findet man alles leicht weiter.
Gruß
Chris
Elwin Treublatt
Weiter geht's, ich muss ja durchkommen, bevor die Saison anfängt.
Das Mittelfeld
Fangen wir hinten an:
VfL Bochum
Bochum hatte in der vergangenen Saison richtig viel investiert, hat Freier und Hashemian zurückgeholt, Azaouagh, einen neuen Torwart sowie mit Christian Fuchs einen jungen österreichischen Außenverteidiger.
Die Bilanz der ersten Hälfte war jedoch erschreckend. 11 Punkte, nur ein einziger Sieg, große Abstiegsgefahr. Im Winter überwarf sich Kapitän Zdebel auch noch mit Trainer Koller und verließ frustriert die Mannschaft. Als Verstärkung kam Diego Klimowicz aus Dortmund.
Auch in der Rückrunde gab es einige Probleme, so etwa zeigten die Fans immer stärker ihren Unmut, den vor allem der neue Kapitän Maltritz abbekam.
Dennoch gelang es den Bochumern, eine ziemlich gute Rückrunde zu spielen und mit komfortablen 21 Punkten frühzeitig den Abstiegskampf hinter sich zu lassen. "Unabsteigbar" hat man Bochum früher genannt, diese Saison war wieder einmal typisch für den VfL. Er hat sich wieder einmal selbst aus dem Dreck gezogen.
Aber die Probleme bleiben. Allen voran im Sturm, wo Rückkehrer Hashemian auf ein einziges beschämendes Tor kam. Auch Sinan mit drei Toren blieb hinter den Erwartungen zurück. Verlassen konnte sich Bochum dagegen auf Stanislav Sestak, auch wenn der nur die Hälfte seiner neun Treffer in der Rückrunde erzielte (und zwei davon bei der wertlosen 2:3 Niederlage gegen Bremen). Immerhin stellte sich Diego Klimowicz mit vier Toren in 11 Spielen als der erhoffte Zugewinn heraus.
Bochums großes Problem war das Zusammenspiel der einzelnen Mannschaftsteile. Die Abwehr war sehr löchrig, es fehlte an Stabilisierung. Torwart Fernandes konnte ihr auch keine Struktur eingeben, im Mittelfeld sah es so aus, als kochte jeder sein eigenes Süppchen und im Sturm fehlte es an Durchschlagskraft. Aber als es dann drauf ankam, da gelangen Bochum mit fast demselben Personal einige Siege, die den Klassenerhalt bedeuteten. Es geht also prinzipiell.
Die Mannschaft bleibt kommende Saison nahezu unverändert zusammen, bislang jedenfalls. Lediglich Schröder und Miciel haben von der Stammbesatzung den Verein verlassen, dafür kommt mit einigen Vorschusslorbeeren der Schwede Andreas Johansson für günstige 400.000 Euro aus Halmstad. Er soll die Rolle ausfüllen, die Zdebel bis zu seinem Abgang innehatte, den defensiv orientierten Koordinator im zentralen Mittelfeld.
Ob das für Bochum reicht, wird man sehen. Die Abwehr muss sich zusammenreißen, ein weiterer Innenverteidiger wäre nicht übel. Aber mit Christian Fuchs hat man einen sehr vielversprechenden Spieler auf links (und es würde mich nicht wundern, wenn er der nächste Bochumer wird, der von anderen Vereinen abgeworben wird). Im Sturm sind sicherlich Sestak und Klimowicz gesetzt, aber damit es für den VfL in der Liga reicht, muss mindestens einer von ihnen 10-15 Tore machen.
Hamburger SV
Der HSV ist ein sehr merkwürdiger Club. Mit ein bisschen mehr Glück hätte ich ihn zu den Gewinnern einstufen können und es fehlte letztlich auch nicht viel, da hätte ich ihn zu den Verlierern stecken müssen.
Und je nach Sichtweise schmeckte auch den Hamburger Offiziellen die Saison mal besser, mal schlechter. Immerhin scheint es jetzt doch so langsam wieder bergauf zu gehen.
Aber schön der Reihe nach!
Die Verpflichtung von Martin Jol als Trainer erwies sich bereits im Herbst als Glücksgriff. Der HSV konnte den unvermeidlichen Abgang von Rafael van der Vaart kompensieren, weil das Geld in Petric und Jansen investiert wurde, die die Mannschaft sofort weiterbrachten. Glück hatte der HSV ferner mit der Verpflichtung des Allrounders Aogo aus Freiburg, bei den beiden Brasilianern Alex Silva und Thiago Neves (zusammen: 13,7 Mio.) gab es dagegen einige Probleme. Der Abgang des ehemaligen Super-Talents Kompany, das sich in seiner Hamburger Zeit leider kein Stück weiter entwickelt hatte (und den ich bei seinem Wechsel zum HSV für einen potentiellen Weltklasse-Verteidiger/def. Mittelfeldspieler hielt), wurde durch satte 8 Millionen von den Scheichs von Man City immerhin noch ganz gut versilbert.
In der Hinrunde gab es keinen Grund zur Klage, sogar Alex Silva berappelte sich und fand nach einer längeren Eingewöhnungsphase ins Team. Nur Thiago Neves machte Sorgen. Aber das war nicht weiter schlimm, denn der HSV stand nach 17 Spieltagen auf Platz 4 der Tabelle, mit nur 2 Punkten Rückstand auf Hoffenheim. Zugegeben, es waren einige knappe Siege dabei, aber Hamburg erzielte auch im DFB- und im UEFA-Pokal gute Erfolge.
Im Winter folgte dann der erste Rückschlag: der quirlige Stürmer Ivica Olic entschied sich für ein Vertragsangebot von Bayern München und es gelang dem HSV nicht, ein Tauschgeschäft mit dem unzufriedenen Lukas Podolski einzufädeln.
Der zweite Rückschlag war der Verkauf von Mittelfeldmotor Nigel de Jong ebenfalls an die Scheichs von Man City, der zwar rund 20 Millionen Euro in die Kassen spülte, die aber nicht wieder investiert wurden. Gut, in Tavares, der für 1,8 Millionen aus Prag kam, sowie mehrere Leihspieler (Gravgaard, Rincon, Ndjeng, Streit und der vereinslose Torwart Sinouh), aber alles keine Hochkaräter.
Mit der Rückrunde fingen die Probleme des HSV an. Gleich im ersten Spiel, als einige Verteidiger verletzt waren (u.a. Bastian Reinhardt, der schmerzlich vermisst wurde), leistete sich der neue Gravgaard, der zuvor meiner Erinnerung nach keine einzige Trainingseinheit mit der Mannschaft absolvieren konnte, mehrere dicke Schnitzer, die eine Niederlage gegen das Kellerkind Karlsruhe bedeuteten.
In der Folge hielt der HSV sein Niveau, bis es zum folgenschweren Vierfach-Duell mit Werder Bremen kam. Das erste Duell im DFB-Pokal verlor der HSV im Elfmeterschießen, eine Demütigung durch den Torwart Tim Wiese, der drei der vier Elfmeter parierte - und das, wo er in der Woche zuvor dicke Worte durch die Presse geschickt hat und den Hamburgern noch sehr gut durch den Kungfu-Tritt gegen Ivica Olic aus der letzten Saison in Erinnerung war.
Die Revanche sollte im UEFA-Cup fallen, das Hinspiel in Bremen entschied der HSV für sich, aber im Rückspiel folgte das tragische Ausscheiden durch eine von einem HSV-Fan aufs Feld geworfene Papierkugel, die den rollenden Ball verspringen ließ, woraus aus dem folgenden Eckball das vorentscheidende Tor erzielt wurde. Und zu allem Überfluss verlor man auch das letzte Duell in der Bundesliga.
Schwere Zeiten für den HSV, bis zum Saisonende erholte er sich nicht mehr davon. Statt des Tanzes auf drei Hochzeiten musste man zuletzt sogar noch um den Einzug in die Europa-League bangen. Dass die Qualifikation dennoch gelang, war einem Last-Minute-Tor des eingewechselten Trochowskis sowie der Dortmunder Unfähigkeit, gegen Gladbach zu gewinnen, zu verdanken.
Aber das war nicht der letzte Paukenschlag. Martin Jol verließ nach der Saison kurzerhand den Verein, weil er die Investitionspolitik der sportlichen Leitung nicht guthieß - er kritisierte den Sparkurs und hatte eine Re-Investition der rund 20 Millionen Einnahme durch den de-Jong-Transfer gefordert.
Nun stand der HSV ohne den beliebten Trainer da, der sich binnen eines Jahres zu einer Kultfigur gemausert hatte. Und zu allem Überfluss wurde jetzt auch der tief liegende Konflikt zwischen dem sportlichen Direktor Beiersdorfer und dem Vorstandsvorsitzenden Hoffmann deutlich, ein Kompetenzgerangel sondergleichen, das letztendlich mit Beiersdorfers Demission endete.
Die Leistung des HSV im Frühjahr war gekennzeichnet durch Unkonzentriertheiten, Akteure wie Jansen oder Trochowski wirkten müde, hatten offenbar zu viele Spiele in den Beinen, auch bei Petric war dies mehr als deutlich sichtbar. Dazu kam das Problem in der Innenverteidigung, niemand konnte die Lücke schließen, die Kompanys Abgang und Reinhardts Verletzung geschlagen hatten.
Ich denke, Jol hatte ganz Recht mit seiner Kritik, denn die Mannschaft wirkte, als hätte sie nicht mehr genügend Substanz, um in den drei Wettbewerben mitzuhalten. Tavares zeigte immerhin ein paar gute Ansätze, aber von Gravgaard, Rincon, Streit oder Ndjeng kam zu wenig.
Für die neue Saison muss der HSV deutlich an Leistungsfähigkeit in der Breite zulegen.
Ein erster Hoffnungsschimmer ist die Verpflichtung von Zé Roberto fürs Mittelfeld. Er hat bei Bayern bewiesen, dass er auch in seinem fortgeschrittenen Alter einen hervorragenden defensiven Mittelfeldspieler geben kann. Läuferische Defizite macht er durch exzellente Technik wett und sein Blick für den Mitspieler und die Passgenauigkeit sind weiterhin Extraklasse.
Mehr ist aber noch nicht passiert, auch weil Hoffmann und Beiersdorfer sich in ihrem Hahnenkampf gegenseitig lähmten. Der HSV braucht dringend eine Lösung für den Angriff, denn Olics Abschied muss kompensiert werden, zumal auch Guerrero und Petric mit einem Wechsel liebäugelten. In der Innenverteidigung bahnt sich möglicherweise eine überraschende Lösung an: Jerôme Boateng stellte bei der U-21 EM sein Potential in der Innenverteidigung unter Beweis, möglich also, dass der HSV zu einer internen Lösung greift.
Dennoch muss der HSV sicherlich noch 2-3 Spieler verpflichten, um in der kommenden Saison konkurrenzfähig zu bleiben.
Ausgespart habe ich bislang die Frage, ob der neue Trainer Labbadia eine gute Wahl war. Das ist auch wirklich nicht leicht zu beantworten. In Darmstadt und bei Greuther Fürth machte er einen guten Eindruck, aber sein erstes Jahr in Leverkusen hatte Licht und Schatten. Wenn man so hört, wie die Leverkusener Chefriege, allen voran Rudi Völler, von Labbadia spricht, dann scheint das eine lustige Zeit zu werden beim HSV mit Bernd Hoffmann, dessen Kontrollwünsche den Sportdirektor Beiersdorfer zur Weißglut und letztendlich in die Wüste getrieben haben.
1899 Hoffenheim
Im Winter hätte Hoffenheim noch ganz klar zu den Gewinnern gezählt, aber die Rückrunde hat die Überraschungs-Mannschaft, den Aufsteiger, auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.
Das Projekt Hoffenheim unterschied sich von der Mehrzahl der Zweitliga-Mannschaften. Mit einem großen Sack voll Geld hat man in den letzten Jahren den Verein aus der fünften in die erste Liga geführt. Aber anstatt nur abgehalfterte Ex-Bundesliga-Spieler zu kaufen (ein paar waren es trotzdem, Ibertsberger, Seitz, Copado...), setzte man in Hoffenheim auch auf die Ausbildung junger Spieler und kaufte gezielt Talente von anderen Vereinen.
So kam Hoffenheim in die bequeme Situation, die Youngsters Beck und Weis vom VfB Stuttgart loszueisen, dazu Salihovic und Compper. Und auch die Auslandsscouts waren eifrig: Vorsah, Luiz Gustavo, Carlos Eduardo wie auch Demba Ba und Chinedo Obasi, die irgendwo in den Untiefen europäischer Randligen spielten.
Mit dieser Mannschaft trat Hoffenheim nun an, die Bundesliga zu erobern. In den ersten vier Spieltagen war noch alles in Ordnung. Siege gegen Cottbus und Gladbach waren keine Überraschung, das deutliche 2:5 gegen Leverkusen erschien standesgemäß, aber spätestens beim 4:1 über Dortmund wendeten sich die Bundesliga-Kommentatoren dem Aufsteiger zu. Es folgte das vielbeachtete 4:5 gegen Werder Bremen, ein offener Schlagabtausch wie im Schwergewichtsboxen, und danach eine beeindruckende Siegesserie.
So stand zur Halbzeit Hoffenheim als Herbstmeister locker auf Platz 1. Das Spiel gegen Bayern München war zwar knapp verloren worden (Toni erzielte in der Nachspielzeit das Siegtor), aber die Bayern rieben sich schon die Augen, was vor allem an den sehr heftigen verbalen Spitzen eines Uli Hoeneß sichtbar wurde. Wenn Hoeneß derart ausholt (und in Rangnick einen dankbaren Ping-Pong-Partner findet), dann weiß man, dann sieht er Bayern in Gefahr.
Besonders beeindruckend war Hoffenheims Überlegenheit im heimischen Stadion, d.h. im Mannheimer Carl-Benz-Stadion. Alle vier Niederlagen erfolgten auf fremden Plätzen und vor allem auch gegen die Oberklasse der Bundesliga: Leverkusen, Bremen, Hertha, Bayern.
Die Winterpause war für Hoffenheim fatal. In einem Testspiel gegen den HSV handelte sich Carlos Eduardo eine rote Karte mit langer Folgesperre ein und Vedad Ibisevic, bis dato Torschützenkönig mit 18 Treffern in 17 Spielen, zog sich einen Kreuzbandriss zu.
Im Winter wechselte Hoffenheim außerdem ins fertig gestellte eigenen Stadion und plötzlich war es dahin mit der Heimstärke. Nur zwei Partien konnte Hoffenheim gewinnen. Die Heimbilanz beträge in der Hinrunde also 23 Punkte, in der Rückrunde 9. Auswärts blieb die Leistung konstant, von 12 auf 11 Punkte abzusacken, ist nicht dramatisch.
Aber der Hoffenheimer Lauf war dahin. Die gute Leistung von Luiz Gustavo, von Salihovic, Weis, Obasi ... alles dahin. Der Torwartwechsel von Özcan/Haas zu Timo Hildebrand zeitigte auch erst zum Saisonende Wirkung, da Hildebrand sich prompt in seinem ersten Einsatz für Hoffenheim verletzte. In den letzten Spieltagen blitzte noch einmal die Leistungsfähigkeit der Hoffenheimer auf, aber da war es schon zu spät.
Was muss man also festhalten?
Hoffenheim hat sicherlich davon profitiert, dass niemand daran geglaubt hat, wie stark die Mannschaft sein könnte. Sie hat sich aus dem Stand in den Kreis der UEFA-Cup bzw. Europa-League-Teilnehmer gebracht, für nächste Saison wird wohl niemand Hoffenheim unterschätzen. Schon in der Rückrunde sah man, dass die Vereine ihre Lektion aus der Hinrunde gelernt hatten.
Aber auch Hoffenheim hat seine Lektion gelernt: Jugend forscht reicht nicht für den europäischen Wettbewerb geschweige denn die Meisterschaft. Also besorgte man sich mit Christian Eichner einen erfahrenen Außenverteidiger und mit Josip Simunic den besten Innenverteidiger der abgelaufenen Saison. Er ist mit 31 Jahren zwar der älteste Spieler der künftigen Mannschaft, soll aber für die nötige Stabilität sorgen, so dass an seiner Seite Eichner, Beck und Compper bzw. Jaissle oder Nilsson wachsen.
Die weiteren Investitionen lassen sich auch sehen: aus Südamerika kommen der junge Mittelfeldspieler Zuculini und der brasilianische Stürmer Maicosuel. Man muss jetzt nur noch sehen, ob Demba Ba seine Drohung wahr macht und tatsächlich wechselt. Der VfB Stuttgart lockt mit viel Geld, aber Manager Schindelmeister hat schon angedeutet, dass Hoffenheim selbst im Fall eines Abgangs von Ba vorbereitet sei.
Soweit fürs erste, Bayern ist ein eigenes Thema wert!
Gruß
Chris
Elwin Treublatt
Bayern München
So, die Bayern!
Nach der überraschenden Stuttgarter Meisterschaft 2007 und dem Verpassen der Champions League ("Pokal der Verlierer" ... hr hr ... damals hat der Beckenbauer aber was angestellt mit seiner Äußerung) hat Bayern seine Mannschaft ordentlich aufgestockt. Luca Toni, Miroslav Klose und Franck Ribéry kamen in einer groß angelegten Investitionsaktion. Im ersten Jahr lief alles prima, aber in der vergangenen Saison war wieder der Wurm drin.
Der Reihe nach:
Zu Saisonbeginn kam Bayern nur schleppend aus den Startlöchern. Am siebten Spieltag stand man nur auf Platz 11 mit einer Bilanz von 2 Siegen, 3 Unentschieden und 2 Niederlagen. Bezeichnenderweise machte Ribéry erst am 6. Spieltag sein Saisondebüt in der zweiten Halbzeit. Mit einer Trefferserie vom 9. bis zum 14. Spieltag trug er maßgeblich dazu bei, dass sich Bayern zur Winterpause auf Platz 2 vorarbeitete und in den restlichen zehn Spieltagen sieben Siege und nur drei Unentschieden einfuhr. Besonders der Sieg gegen den Tabellenführer Hoffenheim machte den Bayern Hoffnung.
Der Saisonbeginn war ein großer Umbruch: mit viel Getöse wurde Jürgen Klinsmann als Trainer verpflichtet - jener Klinsmann, der sich als Bundestrainer mit Hoeneß mehr als einmal angelegt hatte, der als großer Fürsprecher einer Lukas Podolski galt, der Bayern dazu brachte, einen komplett neuen Trainerstab einzustellen, der das Trainingszentrum umgestalten ließ und so weiter und so fort. Ein Leckerbissen für die Presse, zumal zu Saisonbeginn die Leistungen ausblieben.
Kennzeichend für die Bayern war die Abhängigkeit von Ribéry. In den oben genannten sechs Spielen bedeutete seine Leistung in der Regel den Unterschied:
Der Anschlusstreffer zum 1:2 beim 4:2 über den VfL Wolfsburg (selbst wenn dieser irregulär war)
1 Tor beim 2:1 über Eintracht Frankfurt
1 Tor und 1 Vorlage beim 3:1 über Arminia Bielefeld
1 Tor beim 2:1 über Schalke 04
1 Tor und 1 Vorlage beim 2:2 gegen Borussia Mönchengladbach (und 1 verschossener Elfmeter)
Und die erleichtende Antwort zum 1:1 beim 4:1 Triumph über Energie Cottbus.
In der Hinrunde erzielte Ribéry also 6 Tore und 4 Assists. In der Rückrunde tauchte er wieder ab. Zwar gewann man gegen Dortmund dank der Vorlagen des Franzosen 3:1, gegen Karlsruhe und Bielefeld mit jeweils 1:0 und Ribéry brachte auch das 4:0 gegen Frankfurt durch ein Tor und eine Vorlage auf den Weg, aber da sind wir auch schon am 29. Spieltag beim entscheidenden 0:1 gegen Schalke.
In der Rückrunde waren zu diesem Zeitpunkt 11 Spiele gespielt, vier davon hat Ribery mitgeholfen zu entscheiden, bei fünf anderen spielte er zum Teil erbärmlich. So gingen die Spiele gegen Hamburg, Hertha, Köln und vor allem Wolfsburg verloren (letzteres auf besonders demütigende Weise mit 1:5) und den angeschlagenen Erzrivalen Bremen konnte man auch nicht bezwingen. Ohne Ribéry am 23. und 24. Spieltag gelangen 5:1 und 3:0 Siege gegen Hannover bzw. Bochum.
Die Niederlage gegen Schalke bedeutete dann auch das vorzeitige Ende für Jürgen Klinsmanns gegenwärtige Trainerkarriere, doch dazu haben sicherlich auch die Niederlage im DFB-Pokal gegen Leverkusen (2:4) und das demütigende Aus nach einem 0:4 gegen Barcelona in der Champions League beigetragen.
Zum Saisonende war Ribéry jedoch wieder zur Stelle, die beiden letzten Saisonspiele gegen Hoffenheim und Stuttgart entschied er nahezu im Alleingang und sicherte somit dem FC Bayern noch die Champions League.
Aber Ribérys Formschwankungen waren nicht das einzige Problem. Aber doch ein sehr charakteristisches.
Andere Probleme der Bayern waren:
- die Torhütersituation. Michael Rensing wurde zuerst hoch gelobt und dann von den Offiziellen fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel. Man gab ihm keine Eingewöhnungsphase und nahm ihm die vielen Gegentore übel. Dabei verkannten Rummenigge, Hoeneß und Klinsmann, dass es vor allem Oliver Kahns überragende Führungspersönlichkeit war, die die Bayern-Abwehr in den letzten Jahren zusammengehalten hatte. Dass Lucio seinen Zenit überschritten hat, sage ich schon seit zwei Jahren, aber bislang sprachen die Resultate für die Bayern. Man ließ sich auch sicherlich von der beängstigend überragenden Saison 07/08 blenden. Dabei muss man sagen, dass Rensing nur einzelne wirklich schlechte Spiele hatte (beim 2:5 gegen Bremen etwa oder beim 0:1 gegen den HSV), ansonsten recht solide gehalten hat und in der Champions League sogar ganz entscheidend zur Qualifikation für die späteren Phasen beigetragen hat (beim 3:2 gegen Lyon oder beim hart umkämpften 1:1 in Florenz).
- die Innenverteidigung: Lucio ist im Grunde seit der Pannensaison 06/07 nicht mehr der gleiche. Bayern hat ihm zwar den Offensivdrang ausgetrieben, aber dadurch wird offensichtlich, dass er in der Abwehr immer für einen Stellungsfehler gut ist und nur oberer Bundesliga-Durchschnitt ist. Und Abwehrchef Demichelis hatte man aufgrund seiner überragenden Saison 07/08 auf ein hohes Podest gehoben, das ihm viel zu hoch war. Denn zuvor war er bei Bayern nicht durch seine große Qualität aufgefallen, vielmehr waren es viele seiner Leichtsinnsfehler, die die Saison 06/07 für Bayern versauten. Auch zuvor war er eher nur Aushilfskraft oder Mitläufer. Auch Daniel Van Buyten bot keine ausreichende Leistung, aber bei ihm sind es offenbar Motivationsprobleme, weil man die fatale Saison 06/07 an ihm festgemacht hatte und ihn seitdem nur vorübergehend spielen lässt, wenn Demichelis oder Lucio nicht können. Und Breno - ihm traut man die Bundesliga noch nicht zu (was er beim 1:5 gegen Wolfsburg auch deutlich illustrierte), wobei ich mich frage, weswegen man 12 Millionen für einen Spieler ausgibt, bei dem man nich tsicher sein kann, ob er überhaupt das Niveau wird erreichen können.
- Die rechte Abwehrseite. Mit Sagnols Dauerverletzung und dem daraus bedingten Karriereende hat Bayern ein schweres Problem bekommen. Christian Lell waren die Schuhe viel zu groß und auch der noch fix von Milan geholte Massimo Oddo zeigte große Anpassungsprobleme, die er nur sehr selten durch gelungene Flanken vergessen machen konnte.
- das zentrale Mittelfeld. Nach dem Abgang von Owen Hargreaves fehlt es im zentralen Mittelfeld an einem modernen Spieler. Mark van Bommel ist zwar ein Leitwolf, ein "Aggressive Leader", aber spielerisch limitiert. Hamit Altintop passt besser auf rechts, Tim Borowski ist in Bayern nie angekommen und Zé Roberto technisch gut, aber mit Zweikampf-Defiziten. Bayern bräuchte jemanden, der van Bommels Führungsstil und Zweikampfverhalten und Zé Robertos Spielübersicht vereinen würde - deswegen hat Manchester United auch knapp 30 Millionen für Hargreaves gezahlt.
- Sturmprobleme: Vor der Saison habe ich gewarnt, dass ich es für dämlich halte, mit nur drei Stürmern in die Saison zu gehen. Ich sollte Recht behalten. Klose fehlte verletzungsbedingt 8 Spieltage in Folge und war auch in den letzten drei Spielen noch nicht richtig wieder fit. Aber man muss auch sagen, dass das Bayern-Spiel ihm nicht richtig entgegen kommt. 10 Saisontore in den 23 Saisoneinsätzen vor der Verletzung, dazu 7 Vorlagen, das ist nicht der Klose, den man kennt. Gut, in der Vorsaison hat er fast identische Werte erzielt, aber man sieht, dass das Bayern-Spiel mehr auf Toni zugeschnitten ist, denn selbst in seiner schwächsten Werder-Saison (06/07) erzielte er 13 Ligatore und 15 Vorlagen. Luca Toni wieder tat im Grunde, wofür er verpflichtet wurde: 14 Tore in 25 Ligaspielen ist akzeptabel. Das reicht zwar nicht an die letzte Saison heran, aber es ist angesichts seiner Zwangspausen (einmal drei Spiele, einmal fünf) vertretbar. Und Lukas Podolski kam auch unter Klinsmann nicht zurecht. Unter Heynckes blühte er dagegen auf mit 2 Toren und 5 Vorlagen in den letzten vier Saisonspielen.
In der neuen Saison soll bei Bayern alles besser werden. Mit Louis van Gaal wurde ein erfahrener, harter Trainer geholt, im Grunde eine Art niederländischer Felix Magath. Auch van Gaal hat gerne alle Kompetenzen in seiner Hand und ist nicht gerade umgänglich. Mal sehen, ob er in München zurecht kommt.
Und weil das nun mal so üblich ist, bringt van Gaal gleich zwei Leute mit, die er aus den Niederlanden kennt. Edson Braafheid für die Abwehr (Linksverteidiger, aber offenbar auch in der Innenverteidigung einsetzbar, was van Gaal auch plant) und Danijel Prancic fürs linke Mittelfeld. Vor van Gaals Unterschrift wurden schon die ablösefreien Spieler Olic und Baumjohann (the next Tobias Rau/Jan Schlaudraff?) und Anatolyi Tymoshchuk fürs defensive Mittelfeld geholt. Und als Krönung Mario Gomez, denn die anderen waren in der Summe noch nicht wirklich teuer, also konnte man sich Gomez locker leisten. 50 Millionen sind es auch diese Saison wieder. Und das scheint noch nciht das Ende der Fahnenstange zu sein, denn Bayern ist offenbar immer noch auf der Suche nach einem Torhüter. Manuel Neuer soll es werden, aber bei Schalke stellt sich Felix Magath quer. Ich bin gespannt, wie das ausgeht, denn Clemens Tönnies hatte signalisiert, dass er bei einem Angebot, das hoch genug liegt, Neuer gehen ließe. Aber das würde großen Ärger mit Magath bedeuten, sehr großen Ärger sogar.
Auch immer noch im Gespräch ist ein Rechtsverteidiger (zuletzt: José Bosingwa von Chelsea) und ein Mittelfeldspieler (Alexandr Hleb?). Und der Verbleib von Toni und Ribéry ist auch noch nicht geklärt. Lucio will auch weg, Van Buyten ist unzufrieden und einen Abnehmer für Borowski, Sosa, Lell und Rensing hat Bayern auch noch nicht gefunden.
Da ist also noch einiges in Bewegung. Ich bin mir noch nicht sicher, ob Bayern die Probleme mit den Neuverpflichtungen behoben hat.
Gruß
Chris
Elwin Treublatt
Ich habe mich entschlossen, Borussia Dortmund doch nur zum Mittelfeld zu zählen. Die Gründe dafür folgen:
Borussia Dortmund
Also, wo hat Dortmund begonnen? Bei einer extrem unbefriedigenden Vorsaison. Daher hat man einen Schnitt vollzogen. Mit Jürgen Klopp wurde einer der beliebten (außer bei Dajin), modernen Trainer verpflichtet und der durfte auch ordentlich Geld ausgeben. Für Neven Subotic etwa, satte 4,5 Millionen für den jungen Innenverteidiger aus der zweiten Liga. Außerdem Felipe Santana für 2,1 Mio., den lange verletzten Owomoyela für stolze 2,5 Mio. und Tamas Hajnal für 1,2 Mio. Dortmunds Glück war, dass man Petric gegen Zidan eintauschen konnte und auf diese Weise 4,5 Mio zusätzlich einnehmen konnte - Geld, das postwendend in die Verpflichtung des Leihspielers Mats Hummels gesteckt wurde. Zu einer ausgeglichenen Bilanz kam es dann im Winter, als verschiedene Spieler von ihrer Reserverolle frustriert neue Vereine suchten, Kruska, Kovac, Klimowicz, Buckley, dazu einige Ausleihen.
Das ist insofern wichtig, als dass Dortmund immer noch aufs Geld gucken muss - Nachwehen der Niebaum-Meier-Ära. Man hat viel Geld ausgegeben, aber auch viel eingenommen. Und man hat perspektivisch eingekauft, ich glaube nicht jeder Bundesligist hätte so viel Geld für zwei 19- bzw. 20-jährige Verteidiger ausgegeben.
Und im Prinzip zahlte sich das auch auch. Dortmund spielte in der Hinrunde oben mit und kam auf Platz 6 mit 7 Siegen, 8 Unentschieden und nur zwei Niederlagen. Doch trotz einer Leistungssteigerung in der Rückrunde mit 30 Punkten und Platz 4 reichte es knapp nicht zum internationalen Wettbewerb. Die Borussia musste Wolfsburg und Stuttgart vorbeiziehen lassen und konnte selbst nur Hoffenheim und Leverkusen überholen. Das magere 1:1 gegen Mönchengladbach am letzten Spieltag hat Dortmund die Europa League gekostet, zumal man sogar fast noch den Dusel hatte, dass Hamburg sich selbst ein Bein stellt, aber darauf konnte man sich dann doch nicht verlassen.
Mittelfeld ist Dortmund deswegen nur, weil kein Bundesliga-Team diese Saison seltener verloren hat als die Borussia. Fünf Mal nur! Meister Wolfsburg und Bayern verloren sieben Spiele und sind damit die zweitbesten Teams. Und man begann auch vielversprechend: Leverkusen wurde 3:2 bezwungen, gegen den Favoriten Bayern hätte man mit mehr Cleverness gewinnen müssen, Stuttgart wurde weggehämmert und gegen Schalke und Bremen gelangen jeweils sensationelle Comebacks.
Aber es hat dennoch nicht gereicht. Schuld waren die vielen Unentschieden, vor allem ihre Konzentration zu Beginn der Rückrunde. Man merkte, dass Dortmund vor allem zwei Probleme hat:
- die Torgefährlichkeit der Stürmer. Dortmund hat mit drei Stürmern kalkuliert, Valdez, Frei und Zidan. Von diesen dreien hatte Nelson Valdez die höchste Einsatzzeit. Sein Ertrag waren magere 7 Tore und vor allem viel zu lange Pausen zwischen den einzelnen Treffern. Zwischen den ersten drei Treffern lagen 5 bzw. 11 Spieltage und auch zum Saisonende wird seine Statistik nur durch ein Tor beim längst entschiedenen 6:0 gegen Bielefeld aufgepolstert, sonst hätte er in den letzten fünf Spieltagen gar nicht getroffen. Als Vorbereiter eignet er sich auch nur bedingt, 6 Assists verzeichnet die Statistik, da schaffen andere Stürmer weit mehr bei 2000 Minuten Einsatzzeit. Auf Platz 2 der Einsatzzeit liegt Alexander Frei, trotz seiner Verletzung im Sommer bei der EM. Er schaffte 12 Tore und 9 Assists in 1900 Minuten Spielzeit. Einer besseren Leistung stand allerdings das Verhältnis zu Trainer Klopp im Weg, denn Frei will nicht recht in Klopps bevorzugtes System passen. Dennoch musste Klopp lernen, dass kein Weg an Frei vorbei führt. Mohamed Zidan gilt als einer von Klopps Lieblingsspielern, aber musste sich in der Rückrunde mit dem Posten des Einwechselspielers abfinden. So konnte er 7 Tore und 1 Vorlage bei 1200 Minuten Spielzeit erzielen. Heruntergerechnet bedeutet das zwar, dass er alle 171 Minuten ein Tor erzielt, d.h. alle zwei Spiele, aber seine Leistungen waren zu wechselhaft, so dass Klopp ihm keine tragende Rolle zutraute. Beim Confed-Cup zeigte er allerdings, dass er in der Lage ist, große Spiele zu machen. Sein Aus bedeutete auch das Schicksal für Ägypten.
- Zweiter Grund: die Verletzungssorgen und daraus resultiertend die geringe Kaderdichte. Dédés langer Ausfall konnte zwar kurzfristig durch die Verpflichtung des Südkoreaners Lee kompensiert werden, aber Hummels' Verletzung hat Dortmund anfangs aus der Bahn geworfen. Bis sich Felipe Santana eingespielt hatte, vergingen sieben wertvolle Spiele zu Beginn der Rückrunde. Das war auch just die Zeit, in der Blaszczykowski fehlte, der bis dahin ein Dauerbrenner auf der rechten Außenbahn war.
Für die neue Saison bleiben also mehrere Baustellen übrig:
- Wie kann man Dédé absichern, der sehr verletzungsanfällig ist? Derzeit plant man in Dortmund wohl mit Eigengewächs Marcel Schmelzer sowie möglicherweise mit Florian Kringe, der defensiv fast alles spielen kann (aber nicht für seine Flanken bekannt ist... eher berüchtigt bei den eigenen Mitspielern). Und wie kann man die anderen verletzungsanfälligen Spieler wie Frei, Kehl und Owomoyela absichern?
- Reicht es im Sturm? Mit Dimitar Rangelov kommt jemand, der sicherlich die Fähigkeit hat, auf Bundesliganiveau mitzuspielen, aber wird er mehr Tore erzielen können als beispielsweise Valdez? Man kann immerhin hoffen, dass Dortmund besser die Bälle in die Spitze bringt als Cottbus.
- Was soll mit Sorgenkind Frei passieren? Er und Klopp werden wohl keine Freunde mehr, auch ist er oft verletzt. Dortmund würde wohl durchaus das Geld nehmen, wenn ihn jemand kaufen wollte, aber es ist immer ein Risiko, jemanden zu finden, der genauso viele Tore erzielt wie Frei, der fraglos zu den zuverlässigten Torschützen der Bundesliga gehört.
- Ich nehme auch an, dass Tinga auf dem Abstellgleis steht. Durch die Verpflichtung von Feulner und Bender sowie dem vielversprechenden Comeback des fast abgeschriebenen Sahin wird es eng im Mittelfeld.
Alles in allem reicht es also nicht ganz für die Einordnung unter die Gewinner.
Gruß
Chris
Elwin Treublatt
Weil schon bald das kicker-Sonderheft der neuen Saison erscheint, muss ich mich langsam beeilen, mit dem Rückblick auf die einzelnen Teams fertig zu werden.
Aber keine Sorge, in Kürze werde ich dann auch das Managerspiel für die kommende Saison aufsetzen, so dass wir uns wieder messen können!
Hertha BSC Berlin
Hertha ist für mich die Überraschung des Jahres. Ich muss zugeben, ich habe es Lucien Favre nicht zugetraut, die Mannschaft in so kurzer Zeit zu einem Gewinner-Team zu formieren. Aber Hertha hatte einiges Glück dabei, wie man in der Rückschau sagen muss.
In Favres erster Saison profitierte Hertha von den Transfererlösen, die einige Abgänge brachten. Man muss innerlich gejubelt haben, für Fathi und Kevin-Prince Boateng völlig überbewertete 12 Mio. sowie die alternden Gilberto und Gimenez insgesamt stolze 5 Millionen bekommen zu haben. Das Geld konnte dann in den Umbau der Mannschaft fließen: Von Bergen, Lucio, Lustenberger und insbesondere Kacar und Raffael. In der vergangenen Saison wurde diese Strategie weiter verfolgt. Etliche Spieler konnten wegen ablaufender Verträge oder für Ablöse von der Gehaltsliste gestrichen werden, kein einziger Stammspieler verließ den Verein. Dafür wurde mit Stein, Nicu, Chermiti, Rodnei, Kaká und Domovchiyski der Kader in der Breite verstärkt.
Den Durchbruch erzielte Hertha allerdings mit der Verpflichtung der Leihspieler Cicéro und Andrey Voronin.
Und mit Ausnahme des Fehleinkaufs André Lima, der für 2,2 Millionen vor zwei Jahren kam und seitdem immer wieder ausgeliehen wurde, haben alle Neuverpflichtungen ordentlich eingeschlagen und sind verantwortlich für das gute Abschneiden.
Torwart Drobny sorgte für zehn Spiele ohne Gegentore (und nur eins davon konnte Hertha nicht gewinnen). In der Abwehr wuchs Josip Simunic über sich hinaus und konnte erfolgreich sein Treter-Image ablegen. Auch Arne Friedrich, der in der Innenverteidigung spielte, hatte bis zu seiner Verletzung eine hervorragende Saison (verkrachte sich gegen Ende aber mit Trainer Favre, weil dieser ihn für die letzten Saisonspiele nicht mehr nominierte). Im Mittelfeld war der Kader derart breit aufgestellt, dass die Teams Hertha schwer ausrechnen konnten. Ob Cicero (33 Spiele, 7 Tore, 4 Assists), Ebert (21 Spiele, 3 Tore, 8 Assists), Nicu (28 Spiele, 2 Tore, 6 Assists) oder Kacar (25 Spiele, 6 Tore), aus dem Mittelfeld kamen stets gefährliche Vorstöße in die Spitze. Mit Pal Dardai feierte ein echter Oldie zum gefühlt zwanzigsten Mal sein Comeback, nachdem er regelmäßig zu Saisonbeginn nicht berücksichtigt wird.
Und im Sturm schlug Voronin ganz hervorragend ein. Nach dem 3. Spieltag verpflichtet traf er bis zum 24. Spieltag stolze elf Mal (dazu später mehr). Auch Marko Pantelic, der als launige Diva verschrieene Serbe, der von Favre wenig geschätzt wird, zeigte in seinen 26 Saisoneinsätzen die akzeptable Leistung von 7 Toren und 8 Vorlagen. Er spielte also deutlich mannschaftsdienlicher, als man ihm immer unterstellt. Dazu Raffael, der oft als hängende Spitze agierte, mit 5 Toren und 5 Vorlagen.
Warum also hat es für Hertha nicht gereicht?
Zur Halbzeit stand Berlin auf einem vielversprechenden dritten Platz mit nur zwei Punkten Rückstand auf Hoffenheim. in der Rückrunde konnte Hertha sogar zeitweise die Tabellenführung erobern (22. bis 25. Spieltag).
Dann aber folgte der Bruch. Streng genommen schon am 25. Spieltag. Der offensichtlichste Anzeichen ist die kleine Serie von drei Niederlagen in Folge, aber es gibt noch mehr Merkmale:
- Andrey Voronin erzielte nach dem 24. Spieltag (den Siegtreffer gegen Leverkusen) kein Tor mehr und entlud seinen Frust in einer roten Karte, die ihm drei Spiele Sperre einbrachte. Außer Form wurde er im Saisonfinale nur noch eingewechselt.
- Arne Friedrich musste beim Stand von 0:0 am 25. Spieltag verletzt ausgewechselt werden. Stuttgart gewann mit 2:0. Das nächste Spiel bestritt er zwar noch, erlitt aber einen Riss des Innenmeniskus und kam bis auf einen Kurzeinsatz am 32. Spieltag nicht mehr zum Zug.
Ohne die Form von Voronin und ohne Friedrich gelang es Hertha nicht, Hamburg und Schalke zu bezwingen, gerade wo Hertha diese Saison schon so oft knappe Spiele noch für sich entscheiden konnte. Diese kurze Schwächephase reichte, um in den UEFA-Cup abzustürzen, da man die wichtigen Spiele gegen Stuttgart und Wolfsburg verlor.
Nichtsdestotrotz ist Hertha einer der Gewinner der vergangenen Saison, eben weil mit Cicero, Raffael, Nicu, Kacar und Drobny ganz hervorragende Transfers gelangen. Der vierte Platz ist die logische Konsequenz.
Der Ruhm ist jedoch kurz, denn für die kommende Saison wird es für Hertha schwer werden. Denn die DFL hat Hertha auferlegt, durch Transfers 5 Millionen Euro Gewinn zu erzielen. Voronin war nur geliehen und Pantelic geht ablösefrei, die beiden bringen kein Geld in die Kasse. Daher hat man schweren Herzens Josip Simunic gehen lassen, der für 7 Millionen nach Hoffenheim wechselte. Im Gespräch war auch Gojko Kacar, aber den wollte Favre wohl unter keinen Umständen hergeben. Nach der Verpflichtung Artur Wichniareks sind noch 1,3 Millionen übrig, von denen Hertha noch einen Innenverteidiger und vermutlich noch einen Stürmer kaufen muss. Jetzt wird es auf diejenigen Spieler ankommen, die in ihrer Zeit bei Hertha noch nicht zeigen konnten, was sie drauf haben, Kaká, Rodnei, Lustenberger, Van Bergen oder Chermiti.
VfB Stuttgart
Auch der VfB Stuttgart ist durch eine Erneuerungsphase gegangen. Zwei Mal in den letzten Jahren. Zuerst durch Armin Veh eingeleitet, der die Schwaben 2007 zur Meisterschaft führte. Und jetzt durch Markus Babbel, der Veh mitten in der Saison beerbte und Stuttgart wieder fast ganz nach oben führte.
Aber langsam und der Reihe nach. Die Mannschaft der vergangenen Saison unterschied sich in einigen Teilen von der, die 2007 die Meisterschaft gewonnen hatte. Am wichtigsten sicherlich: Timo Hildebrand und Pavel Pardo sind nicht mehr dabei. Dafür stellt Torwart Jens Lehmann einen wichtigen Posten dar, Kapitän ist jetzt Thomas Hitzlsperger.
Es ging auch zunächst gar nicht so schlecht los für Stuttgart. Nach neun Spieltagen stand man auf Platz 4 in der Tabelle, die Wochen zuvor waren allerdings schon ein bisschen holperig (Sieg, Niederlage, Sieg, Unentschieden, Sieg, Niederlage, Sieg, Niederlage und wieder ein Sieg). Dann folgte aber eine Seuchenzeit mit drei Niederlagen und zwei Unentschieden und Armin Veh war seinen Job los. Unter Markus Babbel ging es sofort wieder aufwärts, man kann das sehr schön im Chart sehen. Nach dem 14. Spieltag geht die Kurve mit zwei kleinen Ausrutschtern kontinuierlich nach oben bis zum Saisonende.
Was hat Babbel geändert?
Eigentlich gar nichts. Das ist das Verblüffende. Lediglich Boka und Osorio können wohl mit ihren Einsatzzeiten unzufrieden sein, Pardo wurde verkauft. Und Bastürk wurde von Babbel auch nicht mehr eingesetzt, er war auch zu oft verletzt.
Unter Babbel kam der Winter-Neueinkauf Timo Gebhart zum Zug, ebenso wie Träsch und Khedira, ansonsten setzte er alle die Spieler ein, die unter Veh nicht richtig wollten.
So steht für den VfB am Saisonende eine hervorragende Heimbilanz zu Buche - wie schon beim VfL Wolfsburg und bei Hoffenheim in der Hinrunde zu beobachten, ist die Heimstärke sehr wichtig für eine gute Platzierung. Stuttgart profitierte auch sehr von Mario Gomez' Torgefahr, die ihn bis zuletzt um die Torjägerkrone mitspielen ließ.
Gomez wird jetzt fehlen, und das ist auch Stuttgarts großes Problem. Cacau ist zwar für rund 10 Tore pro Saison gut, dieses Mal waren es nur 7 und 6 Vorlagen (mit deutlicher Steigerung in der Rückrunde, übrigens), aber der 8-Millionen-Mann Marica entwickelt sich zum echten Flop. 4 Tore und 2 Assists ist echt wenig. Mit Riedle, Schieber und Fischer stehen zwar drei junge Stürmer Schlange, aber mindestens ein Kracher muss noch kommen - Geld genug hat Stuttgart ja.
Im Mittelfeld dagegen ging es Stuttgart wie Hertha: die Mannschaft war schwer auszurechnen. Beweise hierfür: Hitzlsperger mit 5 Toren und 6 Assists, Hilbert mit 3 Toren und 6 Assists, Khedira mit 7 Toren und 4 Assists, Lanig mit 4 Toren und 6 Assists und selbst die eher enttäuschenden Elson und Simak kamen auf je 2 Tore und 2 Assists.
In der Abwehr war die letzte Saison gekennzeichnet durch viele Wechsel, bedingt durch Verletzungen von Magnin, Delpierre, Tasci, Niedermeier. Es konnte sich kaum eine feste Mannschaft einspielen.
Als Fazit muss man sagen, dass sich vor allem die Verpflichtung von Martin Lanig und Jens Lehmann gelohnt haben, während die 5 Millionen für Khalid Boulahrouz eher zu viel waren. Auch die 3,2 Millionen für Gebhart haben sich noch nicht gezeigt, aber von ihm erwartet man recht viel für die kommende Saison. Ein positives Zeichen war jedenfalls, dass man auch nach dem Verkauf von Fernando Meira ein leistungsfähiges Team zusammen hat. Und wenn es gelingt, Georg Niedermeier (derzeit von Bayern bis 2010 ausgeliehen, im Grunde eine Wiederholung des Falles Mats Hummels) zu halten, setzt sich bei Stuttgart wohl die interne Lösung durch - schon Tasci, Träsch und Khedira haben bewiesen, dass man nicht immer teure Ausländer kaufen muss. Niedermeier aus der Bayern-Jugend ist da sicherlich keine schlechte Option.
VfL Wolfsburg
Den Meister zuletzt!
Wie auch Hertha hat man in Wolfsburg einen Trainer verpflichtet, der innerhalb von zwei Jahren den Kader weiträumig erneuerte und den Verein zur Spitze führte. Wolfsburg gelang der Coup, Felix Magath an Land zu ziehen, der den durch viele Trainerwechsel und Abstiegskämpfe aufgeblähten Kader grundweg erneuerte. Dabei stellte man ihm seitens VW einiges an Geld zur Verfügung bzw. sorgte für kurzfristige Liquidität, damit man die Spielerverkäufe nicht übers Knie brechen muss.
Bemerkenswert an Wolfsburg ist der große Unterschied zwischen Hin- und Rückrunde. Zumindest der "gefühlte Unterschied". Die Hinrunden-Tabelle weist Wolfsburg als Neunten aus, mit 26 Punkten. Die Rückrundentabelle führt Wolfsburg mit 43 Punkten an (knapp gefolgt übrigens von Stuttgart aber mit 11 Punkten Vorsprung auf Bayern als Dritten).
Aber hat Wolfsburg wirklich eine miese Hinrunde gespielt? Laut den Zahlen ja. 7 Siege, 5 Unentschieden, 5 Niederlagen. Aber schauen wir uns die Niederlagen mal näher an:
1:2 in Karlsruhe am 6. Spieltag - tolles Spiel
2:4 in München am 9. Spieltag (nach 2:0-Führung) - tolles Spiel
0:2 in Leverkusen am 11. Spieltag - nur von Leverkusen tolles Spiel
2:3 in Hoffenheim am 13. Spieltag - fantastisches Spiel
1:2 in Bremen am 17. Spieltag (nach 1:0-Führung) - starke Bremer
Wolfsburg hat bei den Niederlagen also kaum eine schlechte Leistung gezeigt, sondern z.B. in München und Hoffenheim gegen die damaligen Top-Teams der Liga gespielt, auswärts, und nach großem Kampf unglücklich verloren. Auch Leverkusen war bis zum 11. Spieltag noch ganz oben mit dabei.
Und was noch mit hineinspielt: Zuhause war Wolfsburg schon in der Hinrunde hervorragend (zweiter Platz der Heimtabelle mit 7 Siegen und 1 Unentschieden. Hoffenheim war nur deswegen besser, weil die Mannschaft ein Spiel mehr hatte). Vier der fünf Unentschieden (Bochum, Frankfurt, Hertha an den Spieltagen 2-4, Schalke, Dortmund) erzielte man auch auswärts. Viermal 2:2, einmal nur 0:0.
Ich denke, Wolfsburg war schon zur Winterpause besser als es der Tabellenstand anzeigte. Die Rückrunde kam den Wölfen jedoch mehr als gelegen: die meisten direkten Konkurrenten kamen nach Wolfsburg gefahren, die einfachereren Spiele fanden auswärts statt.
So liest sich auch die Wolfsburger Statistik: Zuhause 9 Siege. Punkt. Und auswärts 5 Siege, 1 Unentschieden und 2 Niederlagen, was für Platz 2 der Rückrunden-Auswärts-Tabelle (nach Stuttgart) reicht.
Wolfsburg hat also über die gesamte Saison zuhause 16 von 17 Spielen gewonnen und nur gegen Eintracht Frankfurt am 3. Spieltag 2:2 gespielt.
Nach einer solchen Heim-Dominanz musste ich lange suchen. Bayern in der Saison 07/08 ließ zwar keine Niederlage, aber 5 Unentschieden zu, Bayer Leverkusen war 99/00 mit 13-4-0 geringfügig besser, Bayern 98/99 mit 14-3-0 noch etwas besser und vielleicht kann man auch 96/97 gelten lassen, wo Leverkusen 15-1-1 erreichte. Gladbach '84, Bremen '83 und Hertha '75 kommen mit 15-2-0 noch näher heran, aber ich musste tatsächlich bis 1973 zurückgehen, um bei Bayern eine Bilanz von 16-1-0 zu finden (1972 hat es Schalke auch geschafft). Der Fairness halber sei gesagt, dass Bayern damals mit Maier, Beckenbauer, Rohr, Breitner, Zobel, Schwarzenbeck, Hoeneß und Müller in einer anderen Liga spielte und 11 Punkte Vorsprung (nach heutiger Zählung 20) auf Platz 2 hatte.
man kann also mit Fug und Recht behaupten, die vergangene Rückrunde der Wolfsburger gehört zum Besten, was der deutsche Fußball je gesehen hat.
Ganz offensichtlich ist dieser Erfolg dem "Trio Infernale" geschuldet, der Offensiv-Combo Grafite (25 Spiele, 28 Tore, 11 Assists), Dzeko (32 Spiele, 26 Tore, 10 Assists) und Misimovic (33 Spiele, 7 Tore, 20 Assists). Aber natürlich muss man auch weitere Spieler berücksichtigen. Allen voran der unermüdliche Kapitän Josué, der das Wolfsburger Mittelfeld zusammenhält oder Christian Gentner, der mit 4 Toren und 10 Assists immer mal wieder in die Lücken stoßen konnte, wenn sich die Gegner zu sehr auf das Trio Infernale konzentrierten. Das gilt auch für Marcel Schäfer, der es auf 8 Torvorlagen brachte. Und nicht vergessen darf man Andrea Barzagli, der einen hervorragend abgeklärten Abwehrchef gab und Torhüter Diego Benaglio.
Aber Wolfsburg hat natürlich das Problem, dass das Team recht leicht auszurechnen ist. Außer Grafite und Dzeko bietet sich kein Stürmer an. Caiuby hat den Durchbruch nicht geschafft, genausowenig Saglik (der aber immerhin in den derzeitigen Testspielen groß auftrumpft - er ist wohl eher ein Zweitliga-Spieler). Auch für Okubo war die Bundeliga eine Nummer zu groß. In Wolfsburg setzt man jetzt auf Nachwuchstalent Esswein und sucht noch eine Verstärkung.
Auch das Mittelfeld musste vergrößert werden, damit Last von Misimovic genommen wird. Mit Kahlenberg und Ziani sind gleich zwei weitere Kreativkräfte gekommen.
Ich denke, es wird schwer für Wolfsburg, denn niemand wird sich mehr vom Trio Infernale überraschen lassen (wobei Misimovic schon bei seinen früheren Station bewies, was in ihm steckt und Grafite und Dzeko hatten ihre Torgefahr schon in der Vorsaison angedeutet. Misimovic war das fehlende Puzzleteil). Aber völlig überraschend und dabei völlig dominant in der Rückrunde die Meisterschaft zu holen, das hatte schon Stil.
Damit will ich meinen Saisonrückblick beschließen und die Eindrücke ein bisschen sacken lassen.
Denn am 7. August geht die Bundesliga wieder los. Nicht mehr ganz vier Wochen sind es noch. Und eine Woche vorher kann man sich die Bundesligisten in der ersten Runde des DFB-Pokals schon mal "anschauen" (wird ja kaum ein Spiel übertragen, aber man kann schon mal gucken, welche Spieler eingesetzt und welche Aufstellungen gespielt werden). Die Transferphase dauert noch bis zum 31. August, das heißt erst am 5. Spieltag werden wir genau wissen, wie sich die Mannschaften verstärkt haben.
Dennoch will ich wohl zwischen dem Pokal-Spieltag und dem Start der Bundesliga eine Vorschau auf die Saison bieten. Ich lade übrigens alle Leser ein, sich selbst auch eine solche Vorschau vorzunehmen, denn ich will auch nicht nur schreiben, sondern auch lesen!
Gruß
Chris
Elwin Treublatt
Hallo zusammen. Es ist noch eine Woche bis zur ersten Runde im DFB-Pokal und zwei Wochen bis zum Saisonauftakt. Daher muss ich so langsam mit meiner Vorschau-Besprechung beginnen. Ich orientiere mich an einer alphabetischen Liste, und die beginnt mit:
Hertha BSC Berlin
Hertha ist binnen zweier Jahre eine grundlegende Neuausrichtung der Mannschaft gelungen. Mit einigem personellen wie finanziellen Aufwand wurde die "Alte Dame", die in den letzten Jahren stets den Ruf einer launischen Diva hatte, in die Schönheitsklinik geschickt. Viele Spieler wurden ausgetauscht, viele neue Spieler verpflichtet und so konnte Hertha bereits im zweiten Jahr der Erneuerung den Einzug in die Europa League (Anm: mir ist die Namensgebung des Wettbewerbs, der den UEFA-Cup ersetzen wird, zuwider. Selbst international wird er so geschrieben, ein Mischmasch deutscher und englischer Sprache. Nur die Franzosen nennen ihn Ligue Europa, aber auch das ist nicht konsequent) feiern.
Jetzt ist natürlich die Frage: Wie wird es weitergehen. Kann Hertha die Platzierung halten und sich vielleicht in der Spitze der Bundesliga etablieren, so wie es der unlängst zurückgetretene Manager Dieter Hoeneß schon vor vielen Jahren vorhatte?
Die Saisonvorbereitung
Hertha hat einige Spieler verabschiedet bzw. verabschieden müssen. Chahed, Cufré, Winter-Einkauf Babic und der als Diva verschrieene (aber zuverlässige) Torjäger Pantelic erhielten keinen neuen Vertrag. Ersatztorwart Fiedler beendete seine Karriere. Leihgabe Andrey Voronin war nicht zu finanzieren und musste nach Liverpool zurückkehren und Josip Simunic machte von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch und wechselte für 7 Millionen nach Hoffenheim.
Dieser Verlust wird derzeit noch nicht aufgefangen. Für ca. 700.000 wurde Bielefelds Stürmer Artur Wichniarek verpflichtet, ablösefrei kam Christoph Janker von Hoffenheim für die Abwehr. Doch die finanziell schwierige Lage lässt keine Investition der eingenommenen 7 Millionen zu, Hertha muss nämlich (fragt mich jetzt nicht, wo ich es vor Monaten mal gelesen habe) 5 Millionen Transferüberschuss erwirtschaften und möchte gerne den Brasilianer Cicero aus seinem Leihvertrag heraus kaufen.
Die Vorbereitungsspiele verliefen durchwachsen. Ein Unentschieden gegen Ulm und eine Niederlage gegen die Wiener Neustadt sind keine Ruhmesblätter. Immerhin: Ferencvaros Budapest wurde 2:0 geschlagen, ein Test für die Europa League, auch gegen Bursaspor gewann man 2:1. Ein Testspiel gegen St. Pauli steht noch an.
Die Neuzugänge kamen auf einige Spielzeit, aber Wichniarek konnte in fünf Spielen gegen unterklassige Mannschaften nur drei Treffer erzielen. Janker hingegen, der sehr flexibel in der Verteidigung eingesetzt werden kann, spielte von allen eingesetzten Spielern am zweitlängsten. Dauerbrenner der Vorbereitung ist Youngster Lennart Hartmann, der in allen sechs Testspielen auf dem Platz stand und viermal zu Spielbeginn auflief. Aber inwieweit er Spielzeit bekommen wird, da Kacar und Ebert nach der U21-EM einen verlängerten Urlaub hatten, muss man erst abwarten. Auch hier mag das Spiel gegen St. Pauli wie auch das Pokalspiel bei Preußen Münster einen Hinweis geben.
Die Torhüter
Jaroslav Drobny hat in seinen bisherigen Saisons für Bochum und Hertha sich einen Ruf als hervorragender Torhüter erarbeitet. Auch wenn er im Nationalteam am großen Petr Cech nicht vorbeikommt, waren seine Leistungen nationalmannschaftsreif. Drobny ist unaufgeregt und zuverlässig – sowohl hinter einer wackligen Abwehr wie in Bochum wie auch hinter einer der besten Abwehrreihen der letzten Saison. Ihm ist zuzutrauen, dass er Spiele entscheiden kann, wenn die Abwehr mal einen Aussetzer hat.
In den Vorbereitungsspielen kamen alle drei Torhüter zum Einsatz. Aber an Jaroslav Drobnys Status als Platzhirsch kann keiner der beiden Herausforderer, Christopher Gäng und Sascha Burchert, rütteln. Die Reviere sind klar abgesteckt, und schon letzte Saison konnte man sehen, dass Drobny besser nichts zustoßen sollte, denn sein Ersatz Gäng erlitt beim 1:5 gegen Werder Bremen einen rabenschwarzen Tag. Auch in der Vorbereitung konnten weder Gäng noch Burchert entscheidend punkten.
Daher muss man ein zweigeteiltes Urteil fällen: Bleibt Drobny gesund, muss man die Kategorie "Tor" als "Champions-League-tauglich" bezeichnen, fällt er für mehr als 3 Saisonspiele aus, würde ich die Gesamtnote auf "oberes Mittelfeld" abwerten. Denn dann kommt es auf die Abwehr an, die verhindern muss, dass der Torwart – wie Gäng letzte Saison gegen Bremen – allzu viele gefährliche Bälle auf den Kasten bekommt.
Abwehr
Nach Simunics Abgang muss sich Lucien Favre etwas einfallen lassen. Denn der Kroate gab mit Arne Friedrich eine souveräne Innenverteidigung, während auf den Außenpositionen öfter mal rochiert wurde, weil sich keiner der eingesetzten Spieler so richtig durchsetzen konnte.
Für die kommende Saison steht vermutlich ein Sommer bevor, in dem drei der vier Positionen vakant sind – ich denke, nur Arne Friedrich wird seinen Platz sicher haben.
Der zweite Innenverteidiger könnte Steve von Bergen heißen – Favres Lieblingsschüler. Aber von Bergen hat eine schwache letzte Saison gespielt und konnte bislang auch in den Vorbereitungsspielen nicht überzeugen. Gleiches gilt für den zweiten Kandidaten, den Brasilianer Kaka, der die in ihn gesetzten Erwartungen bislang nicht erfüllen konnte. Zu allem Überfluss erlitt Fabian Lustenberger, den Favre ebenfalls in der Innenverteidigung ausprobiert hatte, einen Ermüdungsbruch und wird wohl frühestens im Oktober wieder einsatzbereit sein. Bleibt noch Christoph Janker, der Neuzugang aus Hoffenheim. Er kann theoretisch alle Abwehrpositionen spielen, aber auch außen wird er gebraucht.
Denn auf der rechten Abwehrseite klafft nach Chaheds Abschied auch ein Loch (er hat immerhin wettbewerbsübergreifend 22 Saisonspiele bestritten). Arne Friedrich spielt Innenverteidigung, letzte Saison kam Steve von Bergen auch hier zum Einsatz, aber der wird vermutlich auch in der Innenverteidigung gebraucht. Gleiches gilt für Christoph Janker. Und Marc Stein muss vielleicht links spielen. Daher hat Favre sich etwas interessantes überlegt: Er will den offensiven Mittelfeldspieler Lukas Piszczek als rechten Verteidiger aufbieten. Piszczek spielte diese Rolle häufiger in den Vorbereitungsspielen, so dass ich annehme, dass dies Favres erste Wahl ist.
Bleibt noch die Position links in der Viererkette. Hier konkurriert der Brasilianer Rodnei mit den vielseitigen Stein und Janker. Aber weder Rodnei noch Stein konnten letzte Saison überzeugen. In der Vorbereitung kamen beide recht oft zum Einsatz, Favre wollte hier wohl noch viel ausprobieren (so wie bei Janker).
Daher ist es kein Wunder, dass sich Hertha noch um einen Innenverteidiger bemüht. Der serbische U21-Spieler Pejcinovic machte beim Test gegen Bursaspor einen hervorragenden Eindruck, aber Hertha kann sich derzeit wohl die Ablösesumme nicht leisten.
Diese vierte Abwehrposition wird sich meiner Meinung nach als der entscheidende Faktor herausstellen, ob man der Hertha-Abwehr das Prädikat "Europa-League-tauglich" oder nur "oberes Mittelfeld" geben kann. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt muss ich die schlechtere Wertung annehmen.
Edit (24.07.): Und schon muss ich mich korrigieren. Hertha hat heute Pejcinovic unter Vertrag genommen. Zunächst mit einem Leihvertrag bis 2010, aber mit Kaufoption. Auf diese Weise werden die Kosten des Serben auf später verschoben. Die Leihgebühr kann sich Hertha nämlich leisten. Ob er die Lücke schließen kann, muss man abwarten.
Edit (25.07.): Rodnei wurde nach Kaiserslautern ausgeliehen. Keine Kaufoption, keine Leihgebühr. Das hilft Hertha nur wenig weiter.
Mittelfeld
Das Berliner Mittelfeld ist erfreulich vielseitig. Es gibt einige defensive Arbeitsbienen (Dardai, der verletzte Lustenberger oder die drei in den Vorbereitungsspielen häufiger eingesetzten Hartmann, Perdejaj und Arguez), es gibt Mittelfeldspieler mit Offensivpotential (Nicu, Kacar) und es gibt rechts wie links einige Alternativen (Cicero, Ebert, Lucio, Bigalke, auch Nicu und Piszczek).
Hertha kann hier alle Positionen doppelt vergeben und so auf Verletzungen reagieren – und Hertha kann recht flexibel eine offensivere oder defensivere Ausrichtung einnehmen.
Defensiv dürfte nach Lustenbergers Verletzung Dardai die Nase vor haben, aber Hartmann sitzt ihm im Nacken. Favre wird sich also zwischen Routine oder Jugend entscheiden müssen. Möglich ist auch eine "Doppel-Sechs", wie es im Fachjargon heißt, den zweiten Platz kann dann auch Kacar einnehmen. Er oder Nicu könnten auch weiter vorne eingesetzt werden.
Cicero ist die erste Wahl für die linke Außenbahn, und rechts könnte nach Piszczeks Versetzung in die Abwehr vermutlich Ebert auflaufen. Nicu wäre für beide Seiten eine Alternative, Lucio für links.
Aufgrund der Torgefahr, die vom Herthaner Mittelfeld ausgeht (v.a. Cicero und Kacar und für Flanken Ebert), würde ich das Mittelfeld als "Europa-League-tauglich" bezeichnen.
Angriff
Im Angriff muss sich Hertha wohl am stärksten umstellen. Voronin und Pantelic sind weg, die beiden Knipser der letzten Saison. Jetzt muss vor allem Raffael etwas stärker in den Vordergrund treten. Er dürfte gesetzt sein und für den zweiten Platz im Sturm wurde Wichniarek aus Bielefeld geholt. Das könnte passen, denn Raffael spielt gerne als etwas hängende Spitze. Wichniarek muss zeigen, dass er bei seinem zweiten Hertha-Engagement sich durchzusetzen vermag. Seine Vorbereitungsspiele waren noch etwas gemischt. Aber auch Raffael glänzte nicht sehr. Gedeckt werden beide durch die mutmaßlichen Einwechselspieler Chermiti und Domovchiyski. Der Bulgare Domovchiyski hatte sich in den letzten Jahren als "Super-Joker" einen Namen gemacht, der zumeist eingewechselt wurde und einige Tore erzielte. Meiner Meinung nach ist das jedoch nicht ausreichend für ein Erstligazeugnis. Domovchiyski muss den nächsten Schritt machen und in die Startformation drängen. Er muss vor allem Tore, Tore und nochmals Tore machen. Ich denke, das Potential dazu hat er. Bei Chermiti bin ich mir da nicht so ganz sicher. Der Tunesier hatte ein grauenhaftes letztes Jahr, war lange verletzt und fand dann den Anschluss nicht. In seinem ersten Testspiel-Einsatz gelang ihm als Einwechselspieler ein Tor gegen Union Berlin, aber gegen Bursaspor und Ulm, wo er in der Startelf stand, kam er nicht zum Erfolg.
Letzte Saison spielte Hertha vor allem mit einem Zweier-Sturm Voronin/Raffael oder Pantelic/Raffael. Es wird sich zeigen, ob Wichniarek in diese Fußstapfen treten kann oder ob es andere Alternativen gibt (evtl. eine Umstellung auf 4-3-3). Das dürfte Herthas größtes Problem sein.
Meine Einschätzung daher: derzeit glaube ich, der Sturm erreicht nur "oberes Mittelmaß" – schon letzte Saison wurden etliche Treffer aus dem Mittelfeld erzielt, darauf wird sich Hertha wieder verlassen müssen.
Mutmaßliche Startformation (Stand: 24.07.)
Drobny – Janker, von Bergen/Pejcinovic, Friedrich, Piszczek – Cicero, Dardai, Kacar, Nicu – Wichniarek, Raffael
Elwin Treublatt
VfL Bochum
Bochum bezeichnet sich selbst ja gerne als "unabsteigbar", hat aber für diesen Titel schon ein paar Abstiege zu viel durchgemacht. Aber seit 2006 hat es den VfL noch nicht wieder erwischt. Allerdings muss man durchaus konstatieren, dass es kontinuierlich abwärts geht. Die erste Saison als Aufsteiger führte zu einem sensationellen achten Tabellenplatz (natürlich mit Drobny und Gekas), danach erzielte Bochum einen 12. und zuletzt einen 14. Tabellenplatz. Vergangene Saison gelang mit einer sehr guten Rückrunde die Abwendung des bereits befürchteten Abstiegs nach einer desaströsen Hinrunde.
Aber ist Bochum im Vergleich zur letzten Saison weitergekommen? Oder wird es wieder ein schwerer Abstiegskampf?
Saisonvorbereitung
Der Kader in Bochum blieb größtenteils derselbe – wie schon in der Saison zuvor. Das ist nicht unbedingt eine gute Nachricht, denn viele Bundesligisten rüsten ganz gewaltig auf. Bochum nicht, beim VfL stehen lediglich 1,2 Mio. Ausgaben zu Buche, für die beiden Neuzugänge Dedic und Johansson. Abgegeben wurden nur Spieler mit auslaufenden Verträgen. Also hofft man wohl auf eine Leistungssteigerung des aktuellen Personals.
In den Vorbereitungsspielen behielt Bochum bislang eine weiße Weste. Die Schweiz-Tournee mit drei Spielen gegen Zürich, St. Gallen und Wil brachte drei Siege. Bemerkenswert ist auch sicherlich das trotzige 3:3 gegen den regelmäßigen Champions-League-Teilnehmer Olympiakos Piräus, das für ein Team von Bochums Kragenweite kein schlechtes Resultat war.
Als positives Fazit kann Trainer Marcel Koller die Treffsicherheit seiner Stürmer verbuchen. Sestak erzielte 5 Treffer, Klimowicz drei, Epallé, der zumeist hinter den Spitzen agierte, zwei und Hashemian (na gut, ein Elfmeter) und Neuzugang Dedic in seinem Premierenspiel wenigstens einen. Und natürlich der Umstand, dass sich die Mannschaft keinen Blackout leistete und pflichtgemäß alle Spiele gewann – bis auf eben das Match gegen Olympiakos, bei dem ein Unentschieden aber auch als Erfolg zu werten ist.
Dem gegenüber steht eine Unsicherheit bezüglich der Torhüter. Es kamen nicht weniger als vier Keeper zum Einsatz und mit 9 Gegentoren in 5 Spielen scheint sich ein Abwehrproblem anzubahnen. Das letzte Testspiel findet gegen den türkischen Club Trabzonspor statt, auch durchaus ein Härtetest.
Torhüter
Ich habe es schon angesprochen. In den Vorbereitungsspielen kamen vier Torhüter zum Einsatz. Die Unschlüssigkeit hinsichtlich der Torhüterposition prägte schon die letzte Bochumer Saison. Der neu verpflichtete Portugiese Daniel Fernandes lieferte einige fragwürdige Leistungen ab und war nicht unumstritten, so dass zum Saisonende Philipp Heerwagen zwischen den Pfosten stand. Jetzt in der neuen Saison scheinen die Karten wieder neu gemischt zu sein. Heerwagen spielte 135 Minuten (2 Gegentore), Fernandes 180 (3 Gegentore), aber der dritte Torwart Renno kam auch zu einem kurzen Einsatz (45 Minuten, 3 Gegentore), ebenso wie der aus der U21-Mannschaft nachgerückte Luthe (90 Minuten, 1 Gegentor). Der Umstand, dass Koller gegen Olympiakos Fernandes vertraute, deutet darauf hin, dass er wieder im Tor stehen wird, aber für mehr Gewissheit werden wir das kommende letzte Testspiel abwarten müssen, denn das wird vermutlich der entscheidende Test der Mannschaft für das kommende DFB-Pokalspiel.
Da es keinen herausragenden Torwart gibt und zumindest die ersten beiden Alternativen auf einem eher überschaubaren Niveau agieren, will ich das Prädikat "Abstiegskampf" vergeben – es besteht also die kleine Chance, dass Bochum aufgrund der Torwartleistung die Klasse halten könnte.
Abwehr
Bochum hat für die Abwehr mehrere Optionen. Auf der rechten Seite der Viererkette muss sich Koller zwischen dem routinierten Concha und dem spielerisch etwas besseren Pfertzel entscheiden. Beide bekamen bislang viel Einsatzzeit (Pfertzel allerdings ein Spiel lang auch im Abwehrzentrum), Concha tendenziell mehr, so dass es vermutlich auf den Schweden hinausläuft. Links ein ähnliches Bild: Der Alt-Bochumer Bönig hat den Konkurrenzkampf gegen den vermeintlichen Platzhirsch Christian Fuchs aufgenommen. Ich glaube dennoch, dass Fuchs die Nase noch etwas vorne hat, gerade weil er offensiv sehr stark ist.
Das Problem des VfL ist jedoch die Innenverteidigung. Schon im letzten Jahr agierte sie zu naiv und ließ viele Tore zu. Marcel Maltritz, der nach Zdebels Weggang Kapitän wurde, wird von einigen Fans offen angefeindet. Dennoch scheint kein Weg an ihm vorbei zu gehen, er absolvierte von allen Bochumer Spielern die meiste Zeit in den Vorbereitungsspielen. Mit Pfertzel an seiner Seite besiegte man Zürich 2:1, mit Mavraj, dem Aufsteiger der letzten Saison, kam man gegen St. Gallen zu einem 4:3, bei dem Maltritz ein Eigentor fabrizierte. Gegen Wil kam Yahia neben Maltritz zum Einsatz und in der zweiten Halbzeit Mavraj (3:1 das Ergebnis), gegen Olympiakos durfte Mavraj durchspielen, Maltritz ging nach der Halbzeit vom Feld und wurde durch Yahia ersetzt (3:3) und gegen Ahlen wurde munter durchgewechselt. Maltritz und Yahia begannen, Pfertzel und Fabian beendeten das Spiel. Hier erzielte Yahia einen Treffer, das Spiel endete 2:1. Insgesamt also liest sich die Bilanz für Maltritz gar nicht so gut, aber auch Mavraj war an vielen Gegentoren beteiligt. Daher sieht es so aus, als wäre Antar Yahia der Gewinner der Vorbereitung, vermutlich neben Maltritz, weil dieser eben ein Führungsspieler ist.
Aufgrund der dicken Abwehrlöcher in den Innenverteidigung will ich hier "nicht bundesligatauglich" bewerten, aber ich will das letzte Testspiel und das DFB-Pokalspiel mal genau anschauen, wenn sich dort nämlich eine Verbesserung abzeichnet (oder Bochum noch einen Innenverteidiger verpflichtet), könnte es auch "Abstiegskampf" lauten. Denn an den Außenverteidigern ist nicht so viel auszusetzen, es ist vor allem die Innenverteidigung, die massive Probleme bereitet.
Mittelfeld
Wie schon in der Abwehr hat der VfL auch im Mittelfeld die Positionen doppelt vergeben und besitzt nun die Qual der Wahl. Leider ist es eine Wahl aus mehreren mittelmäßigen Spielern.
Von der Taktik her spielt Bochum mit einem offensiven Ballverteiler hinter den Spitzen, der selbst auch mit nach vorne geht. Anstatt einer Raute werden die anderen drei Spieler jedoch etwas flacher angeordnet, ich würde von einem 4-3-1-2-System sprechen. Für dieses System hat Bochum auch die richtigen Spieler: nämlich sehr viele zweikampforientierte Fleißbienen. Imhof und Dabrowski sind die Routiniers, Neuzugang Johansson soll etwas mehr Spielkultur hineinbringen, Youngster Vogt hat sich ebenfalls schon mal ein paar Spielminuten abholen können. Außerdem kann Bochum ein paar offensivere Varianten wählen, mit Azaouagh, Freier oder Grote sowie Ono.
Insgesamt sind diese offensiveren Varianten aber etwas rechtslastig, da auch Stürmer Sestak eher im rechten Halbfeld zu finden ist, während der frühere Mann für den linken Flügel, Tommy Bechmann, seine Schuhe längst für Nürnberg schnürt. Dieses Ungleichgewicht macht Bochum daher leicht berechenbar. Zu lösen wäre das Problem, würde man Ono nach links verschieben, aber vermutlich ist Bochums Abwehr nicht sattelfest genug, dass ein zweikampfstarker Mittelfeldspieler alleine ausreicht, um die gegnerischen Angriffe abzufangen.
Aufgrund der verschiedenen Optionen ist das Bochumer Mittelfeld immerhin "unteres Mittelfeld" für mich. Zwar knapp – sollten sich z.B. Epallé oder Dabrowski langfristig verletzen, müsste ich vermutlich abwerten – aber ich sehe die Bochumer Probleme woanders.
Angriff
Ein großes Kernproblem Bochums war seit dem Weggang von Theofanis Gekas der Angriff. Der VfL hatte schlicht niemanden, der 15 Saisontore oder mehr zu erzielen imstande ist. Stanislav Sestak ist zwar ein treffsicherer Stürmer, aber kein eiskalter Torjäger. Mit einem zweiten Stürmer von Sestaks Format sähe das Leben sicherlich leichter aus, aber Bochum hat derzeit leider nur den völlig außer Form geratenen Hashemian, den alternden Klimowicz und den zumeist hinter den Spitzen agierenden Wühler Epallé zu bieten. Und seit kurzem auch eine neue Hoffnung: Zlatko Dedic, der aus der zweiten italienischen Liga kommt. Aber ich weiß nicht, ob die Hoffnung berechtigt ist. Denn die Statistik bei Transfermarkt.de weist für die letzten Jahre eine Torquote von 21 Treffern in 69 Serie-B-Spielen auf. Das ist nicht viel. Und wenn ich die Statistik richtig verstehe, entstanden 10 dieser Tore aus Elfmetern. Das lässt mich dann schon ein bisschen zweifeln, ob Dedic der gesuchte Knipser ist, auch wenn er gleich bei seinem Debüt getroffen hat.
Die Bochumer Gleichung lautet also wie im Vorjahr Sestak + X = Klassenerhalt, wobei X ein Mittelstürmer sein muss, der die Verteidiger so aufmischen bzw. anziehen muss, damit Sestak die Gelegenheit hat, sich in Szene zu setzen. Klimowicz hat dies in der vergangenen Rückrunde erfolgreich getan, aber er wird auch nicht jünger. Wenn er die Saison ohne Verletzung durchhält, kann er für ca. 7 Tore gut sein, wenn Sestak dann auch in Form ist und noch einmal 12 Tore beisteuert, könnte das zum Klassenerhalt reichen.
Daher will ich hier erstmal ein Unentschieden verkünden zwischen den Bewertungen "unteres Mittelfeld" und "Abstiegskampf"
Mutmaßliche Startaufstellung (Stand: 24.07.)
Fernandes – Fuchs, Maltritz, Yahia, Concha – Dabrowski, Johansson, Freier – Epallé – Klimowicz, Sestak
Elwin Treublatt
Werder Bremen
Für Werder Bremen soll es nach einer miserablen Saison, die nur durch den Gewinn des DFB-Pokals halbwegs versöhnlich beendet werden konnte, wieder aufwärts gehen. Aber die Mannschaft muss sich umstellen, denn wie soll der Verlust von Diego und Pizarro kompensiert werden?
Wird Bremen zu alter Stärke zurückfinden oder beginnt der langsame Abstieg in die Mittelmäßigkeit?
Saisonvorbereitung
Wie ich schon schrieb, Diego und Pizarro haben den Verein verlassen, ausgerechnet die beiden Spieler, die Bremen letzte Saison mit ihren Toren noch vor Schlimmerem bewahrt haben. Für Diego gab es wenigstens einen Haufen Geld, wenngleich nur etwa die Hälfte diese Saison. Bremen hatte also aus dem Diego-Geschäft rund 11 Millionen Euro auszugeben. Damit wurden der Gladbacher Marko Marin (8,2 Mio.), der Stürmer Marcelo Moreno (2 Mio.) und der Rückkehrer aus München Tim Borowski (geschätzt werden 750.000) verpflichtet.
Aber Bremen muss auch noch den Kapitän und Führungsspieler Frank Baumann ersetzen, der seine Karriere beendete. Mit Torsten Frings steht jedoch ein (bis auf die Stinkstiefeligkeit) sehr ähnlicher Spieler bereits als Nachfolger fest.
Werder absolviert einen wahren Marathon an Vorbereitungsspielen. Insgesamt standen 10 Partien auf dem Terminplan, eine davon fiel sprichwörtlich ins Wasser – ausgerechnet ein Härtetest gegen West Ham United. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind 6 Partien absolviert, drei stehen noch aus.
Die Gegner sind eine Bunte Mischung zwischen Härtetest und Aufwärmgegner. Zu Beginn der Vorbereitung traf man sich mit Rot-Weiß Essen (2:2), dann gegen eine Auswahl aus Germania Leer und Frisia Loga (5:0), im Trainingslager in Österreich kam es zu einem 0:0 gegen Sturm Graz und einem 5:2 gegen Jablonec. Das wichtigste Testspiel bislang war der 2:1-Sieg im inoffiziellen Superpokal gegen den Meister aus Wolfsburg. Ein Augenmerk sollte man auch auf das kommende Spiel gegen den FC Valencia legen.
Die Bilanz der Spiele liest sich ganz okay, 4 Siege, zwei Unentschieden, keine Niederlage. Es hätte natürlich besser laufen können, aber die Personalsituation für Werder war nicht einfach. Zu Beginn der Vorbereitung fehlten mit Marin, Özil und Boenisch drei U21-Europameister. Frings war noch gesperrt, Mertesacker verletzt und Borowski noch nicht verpflichtet. Also kamen sehr viele Spieler aus der zweiten Mannschaft zum Einsatz, von denen sich einige durchaus auch auszeichnen konnten (vor allem Bargfrede und Perthel). Aber Bremen hat immer noch große Probleme: Rosenberg und Jensen werden erst nach Saisonbeginn wieder zurückerwartet und bei Sebastian Prödl, bei dem eine Virusinfektion diagnostiziert wurde, kann man noch gar nicht absehen, wann er zurückkehrt. Das ist schon eine schwere Hypothek.
Torhüter
Auch wenn Bremen alle drei für den Profikader gemeldeten Torhüter und den neuen U23-Torwart in den Testspielen ausprobierte, kann man sicher davon ausgehen, dass Tim Wiese die unangefochtene Nummer 1 ist. Er hat sich in den letzten Jahren gewaltig verbessert, hat vor allem seinen Leichtsinn verloren. Von der Art her schlägt er ein bisschen nach Oliver Kahn, er hat durch Feindseligkeiten die Atmosphäre in den Spielen gegen den HSV ordentlich angeheizt, dann aber auf dem Platz hervorragende Leistungen gezeigt. So was motiviert ihn offenbar.
Mit Christian Vander, der Wiese letzte Saison ein paar Mal vertreten musste, hat Bremen einen anständigen Bundesligatorwart in der Hinterhand, der auch gegen internationale Gegner ordentliche Leistungen gezeigt hat. Sicherlich kein vollwertiger Ersatz für Wiese, aber Thomas Schaaf kann im Fall einer Verletzung Wieses recht ruhig schlafen.
Daher will ich in der Torwartfrage deutlich das Prädikat "Champions-League-tauglich" vergeben.
Abwehr
Die Verletzung Prödls reißt ein ziemliches Loch in die Werder-Defensive. Denn Prödl war es, der für den letzte Saison häufig ausgefallenen Mertesacker in die Bresche sprang (mehr schlecht als recht, aber immerhin mit einigem Potential). Ohne Prödl muss Bremen hoffen, dass der etablierten Innenverteidigung Naldo/Mertesacker nichts passiert, denn es steht nur Pasanen zur Verfügung.
Weil durch diese Entwicklung (Prödl verletzt, Pasanen für Innenverteidigung eingeplant) die Menge an Rechtsverteidigern sehr klein geworden ist, hat sich Thomas Schaaf etwas einfallen lassen: er hat konsequent den Österreicher Martin Harnik zum Rechtsverteidiger umgeschult. Jener nahm also fast den gleichen Weg, den Clemens Fritz gegangen ist, vom offensiven rechten Mittelfeld (bzw. der Außenstürmerrolle) in die Abwehr. Harnik ist läuferisch stark und hat zumindest in der Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft vor einem Jahr einige gute Flanken geschlagen, aber ich weiß nicht, ob er defensiv so stark ist. Jedenfalls wurde er in den Testspielen konsequent als Fritz' Ersatzmann aufgebaut.
Hinten links bieten sich Bremen erfreulicherweise mehrere Alternativen. Boenisch ist trotz seiner Flankenschwäche wohl gesetzt, denn er ist zweikampfstark, ausdauernd und flink. Dusko Tosic muss sich umschauen, wie viel Einsatzzeit er dann noch bekommt, denn aus der zweiten Mannschaft drängen der klassische Außenverteidiger Andersen und der flexibel einsetzbare Perthel nach, die beide weit mehr Einsatzzeit in den Vorbereitungsspielen erhalten haben (Andersen war Linksverteidiger der Startelf, solange Boenisch noch im Urlaub war).
Es kann sein, dass Bremen sich noch um einen Verteidiger bemüht, je nachdem, wie die Prognose für Prödls Heilung ausfällt. Denn gegenwärtig habe ich etwas von Januar 2010 gelesen und das würde definitiv noch eine Handlung erfordern. Vielleicht will man es auch intern auffangen, mit dem Innenverteidiger Dominik Schmidt oder einem defensiven Mittelfeldspieler, der zurückbeordert wird.
Derzeit schwanke ich bei der Einschätzung der Bremer Abwehr zwischen "Europa-League-tauglich" und "oberes Mittelfeld", aber wenn man noch einen guten dritten Innenverteidiger verpflichten kann (oder Prödl im Laufe des August/September zurück ins Mannschaftstraining kehren sollte), würde ich definitiv den höheren der beiden Werte annehmen. Bei einer guten Neuverpflichtung könnte man sogar an der Champions-League-Tauglichkeit kratzen.
Mittelfeld
Hier hat sich eine große Änderung ergeben. Bremen war traditionell auf die Mittelfeldraute eingestellt, schon zu Zeiten von Johan Micoud (zusammen mit Baumann, Borowski und Ernst), und mit Diegos Verpflichtung wurde dieses System beibehalten (in der letzten Saison vor allem mit Baumann, Frings und Özil). Aber Diego ist fort und ein neuer Regisseur soll nicht geholt werden. Bremen stellt seine Taktik um, auf eine Viererkette mit offensiven Außenpositionen und defensiv orientierten Zentralpositionen. Auf links war Bremen da nämlich schon ganz gut aufgestellt, mit Özil und Hunt. Für rechts wurde zuerst Marko Marin verpflichtet und nun auch noch Rückkehrer Tim Borowski. Auch das erscheint mir eine sehr gute Aufstellung. Eine zusätzliche Verstärkung stellen die vielseitigen Husejinovic und vor allem Bargfrede dar. Husejinovic könnte diese Saison endlich den Durchbruch schaffen, er hat als Einwechselspieler in den Testspielen durchaus Torgefahr und Offensivdrang unter Beweis gestellt. Und Bargfrede muss als großer Gewinner der Vorbereitung gelten. Die längste Spielzeit, alle sechs Spiele von Beginn an, dabei auch ein Tor erzielt. Natürlich profitierte er vom Personalmangel (kein Frings, Özil, Marin, Borowski), aber ich denke, er hat diese Zeit nutzen können für Werbung in eigener Sache. Ebenfalls als Option hat sich Peter Niemeyer erwiesen, der vermutlich den zweiten Platz neben Torsten Frings erhalten wird. Jurica Vranjes dagegen muss als Verlierer der Vorbereitung gelten. Im Spiel gegen Graz nahm ihn Schaaf nach einer halben Stunde vom Feld – aus Leistungsgründen, wie er später erklärte – und seitdem hat Vranjes kein Spiel mehr von Beginn an bestritten und kam nur zu Kurzeinsätzen. Auch Daniel Jensen, lange verletzt, muss sich wohl erst wieder an die Mannschaft heranarbeiten.
Trotz des Weggangs Diegos und Baumanns hat Bremen ein immer noch beeindruckendes Mittelfeld. Ich halte zwar den zweiten Platz im zentralen Mittelfeld für die kleine Schwachstelle, aber das Potential ist groß genug, dass dieser Platz intern zufriedenstellend besetzt werden kann. Daher möchte ich dem Mittelfeld die "Europa-League-Tauglichkeit" ausstellen.
Angriff
Es ist kein Geheimnis, dass sich Bremen noch um die feste Verpflichtung von Claudio Pizarro kümmert. Der Peruaner würde gerne nach Bremen zurückkehren, da er dort letzte Saison ein schönes Comeback feiern konnte. Aber sein Erfolg hat den FC Chelsea hellhörig gemacht und man will ihn derzeit wohl nicht abgeben. Bremen hat jedenfalls noch einige Millionen in der Hinterhand, da die bisherigen Transfergeschäfte ein Nullsummenspiel waren. Die Qualifikation zur Europa League ermöglicht den Bremern sicherlich noch einen Transfer von 5-8 Millionen, selbst mit der typischen hanseatischen Zurückhaltung.
Ohne Pizarro stellt sich der Angriff wie folgt dar: Neuzugang Marcelo Moreno hat noch einige Anpassungsschwierigkeiten und wird sich erst in der Bundesliga zurecht finden müssen. Hugo Almeida ist dagegen topfit, was er mit drei Toren auch nachweisen konnte. Rückkehrer Boubacar Sanogo bekam von Schaaf eine zweite Chance, die er aber nicht nutzen konnte (wie üblich gelang ihm nicht der entscheidende Torschuss bei seinen vier Einsätzen). Und Markus Rosenberg ist noch verletzt, was nun auch nicht zur Beseitigung seiner Formkrise beiträgt. Also konnten sich zwei Stürmer der zweiten Mannschaft in den Testspielen beweisen. Insbesondere Marko Futacs, der junge Ungar, der in der letzten Winterpause aus Nancy kam, konnte Werbung in eigener Sache betreiben und erzielte zwei Jokertore. Torsten Oehrl hat diese Chance leider nicht genutzt, er dürfte keine Alternative für die erste Mannschaft darstellen.
So leid es mir tut, zum derzeitigen Zeitpunkt scheint mir der Bremer Sturm nur "oberes Mittelfeld" zu sein. Almeida ist für 10-13 Tore die Saison gut (und besitzt auch die Qualität, in der Europa League Treffer zu erzielen) und mit Rosenberg und Moreno gibt es zwei, die das potentiell auch schaffen könnten. Aber Voraussetzung für eine erfolgreiche Saison sind zwei treffsichere und gut ins Spiel eingebundene Stürmer. Pizarro wäre eine echte Verstärkung, aber so muss man drauf hoffen, dass die aktuell unter Vertrag stehenden Spieler ihren Gordischen Knoten zerschlagen können.
Mutmaßliche Startaufstellung (Stand: 25.07.):
Wiese – Boenisch, Naldo, Mertesacker, Fritz – Özil, Niemeyer, Frings, Marin/Borowski – Moreno, Almeida
Elwin Treublatt
Borussia Dortmund
Ein weiterer Verein, der letztes Jahr einen ordentlichen Aufschwund erlebt hat, war Borussia Dortmund. Mit einigen finanziellen Mühen wurden mehrere neue Spieler verpflichtet und vor allem ein neuer Trainer: Jürgen Klopp. Fast hätte es zum Einzug in die Europa League gereicht, aber im letzten Spiel verspielte man den kleinen Vorteil, den man vor dem HSV hatte.
Die Hinrunde der Borussia war durchwachsen, sehr viele Unentschieden, aber in der Rückrunde hatte Dortmund einen Lauf und konnte kurzzeitig vom Europapokal träumen. Nur wird der BVB diesen Lauf wiederholen können? Und wer soll in Zukunft die Tore schießen, nachdem Alex Frei seinen Abschied vollzogen hat?
Saisonvorbereitung
In Puncto Transfers ist es in Dortmund ruhig geblieben. Mit Feulner, Rangelov, Sven Bender und Großkreutz vergrößert der BVB die Leistungsdichte im Kader, sie sind gewissermaßen Ersatz für die ausgemusterten Rukavina, Lee, Federico und Brzenska. Ein Paukenschlag war noch der Abschied von Alexander Frei, der in die Schweizer Heimat wechselt. Dortmund hat aber schon einen Nachfolger an der Angel: den Chilenen Lucas Barrios, über dessen Transfer in den letzten Tagen Einigung erzielt wurde. Finanziell ist das kein Problem, Barrios kostet nur rund 300.000 Euro mehr als Dortmund für Frei erhalten hat. Das Budget wird allerdings durch die Verpflichtung von Mats Hummels (4,2 Mio.) belastet, der bis dato nur Leihspieler war, so dass sich jetzt wohl nicht mehr viel tun wird.
Die Vorbereitungsspiele der Dortmunder waren eher ein lockerer Aufgalopp. Gegen eine Sauerland-Auswahl gelang ein 11:0, auch Eintracht Rheine (5:1), der Offenburger FV (8:1) und der FC Donaueschingen (10:0) waren keine Gegner. Im Trainingslager maß man sich schließlich mit dem 1.FC Nürnberg in einer 45-minütigen Partie, die der BVB 1:0 gewann und das anschließende 45-Minuten-Spiel gegen den Regionalligisten Pfullendorf endete remis 0:0. Der bislang letzte Test erfolgte gegen den Zweitliga-Aufsteiger Paderborn und endete 2:0. Heute findet noch ein Blitzturnier von 2x 45 Minuten gegen Valencia und Udinese Calcio statt und am Dienstag gegen Mainz über die volle Spiellänge. Das sind die wirklichen Tests, erst dann weiß Klopp, wo seine Mannschaft tatsächlich steht.
Torhüter
Roman Weidenfeller wird als Nummer Eins in die Saison gehen. Die Schwächephase vor zwei Jahren hat er letzte Saison eindrucksvoll beiseite gewischt und hat sich in den Kreis der Nationalmannschafts-Anwärter gespielt. Marc Ziegler und Nachwuchshoffnung Marcel Höttecke bleiben da nur die Ränge. Weidenfeller hat in der Vorbereitung bislang noch nicht viel Spielzeit bekommen, aber wird in den kommenden Spielen mit Sicherheit im Kasten stehen.
Generell waren die Dortmunder Torhüter sehr erfolgreich, nur zwei Gegentore in 540 Spielminuten, aber die Gegner haben sie auch nicht auf eine harte Probe gestellt.
Es gibt dennoch keinen Grund, an der Leistungsfähigkeit Weidenfellers zu zweifeln, so dass ich die Dortmunder Torhüter für "Europa-League-tauglich" halte.
Abwehr
Keine maßgebliche Veränderung in der Abwehr. In der Innenverteidigung konkurrieren drei annähernd gleichstarke Spieler – Subotic, Santana und Hummels – um die Plätze, mit Hünemeier und Bender, der in den Testspielen in der Innenverteidigung aushalf, gibt es weitere Alternativen. Ich glaube, Subotic dürfte gesetzt sein, aber ob Hummels oder eher Santana spielen wird, das wird eine Frage der konkreten Trainingseindrücke sein. Denn der Brasilianer hat letzte Saison sehr solide den verletzten Hummels vertreten.
Eine schlechte Meldung kam aus dem Trainingslager: Dédé hat sich abermals verletzt. Diesmal ist es jedoch "nur" ein Kieferbruch, der ihm wohl ermöglicht, im August wieder mitzutrainieren. Nichts richtig schlimmes also. Der Weggang des Südkoreaners Lee, der zuletzt den verletzten Dédé vertreten hatte, soll offenbar intern kompensiert werden. Marcel Schmelzer hat bei der U21-EM einige Spielpraxis sammeln können, außerdem rückt der große Talent Vrzogic nach. Und schließlich kann der vielseitige Florian Kringe auch zur Not dort aushelfen.
Auf der rechten Abwehrseite ist das Personal auch etwas dünn. Eigentlich war Blaszczykowski neben Owomoyela dort eingeplant, aber der Pole spielt oft vor Owo im rechten Mittelfeld, wo er seine Offensivstärke ausspielen kann (4 Tore in der Vorbereitung). Klopp hat daher in den Testspielen den jungen Öztekin rechts hinten aufgeboten – und zwar mit Beharrlichkeit, so dass jener wohl die erste Alternative bei einer Sperre oder Verletzung Owomoyelas darstellen wird. Der Allrounder Kringe könnte natürlich auch hier spielen.
Insgesamt ist die Personalsituation in der Abwehr etwas knapp und kann durch Verletzungen und Gelb- oder Rot-Sperren leicht in eine Notlage umschwanken. Daher verbietet sich eine bessere Bewertung als "oberes Mittelfeld".
Mittelfeld
Hier ist Dortmund recht breit aufgestellt, zumindest auf den meisten Positionen. Wenn Dortmund in einer Raute spielt – und das ist eigentlich immer der Fall, wenn Blaszczykowski fit ist – dann gibt es einen Platz für einen defensiven Spieler (Kehl oder Kringe, Tinga, Bender oder Hummels), einen Platz halblinks mit offensiver Ausrichtung (Sahin oder Feulner), einen Platz halbrechts (den hat Blaszczykowski nahezu konkurrenzfrei) und einen Platz für den Spielmacher, der von Hajnal belegt wird.
Das Problem ist: Was passiert, wenn Blaszczykowski verletzt sein sollte? Es gibt keinen adäquaten Ersatz für den Polen – klar könnte Tinga nach vorne rücken oder Feulner und Sahin gemeinsam auf dem Feld stehen, aber es hätte Einfluss auf die Spielstruktur.
Überraschend weniger abhängig ist Dortmund von Tamas Hajnal. Natürlich ist der Ungar der bestimmende Ballverteiler, aber in der Saisonvorbereitung hat Jürgen Klopp den aus Ahlen gekommenen Kevin Großkreutz mit einigem Erfolg als Ersatzlösung präsentieren können. Großkreutz hat – natürlich gegen die bislang eher unterklassigen Gegner – vier Tore erzielen können und zeigte keine Anpassungsschwierigkeiten an die Bedingungen bei einem Bundesligisten.
Noch ist zu früh, eine endgültige Prognose abzugeben, wer denn nun auf dem Feld stehen wird, da noch drei Testspiele anstehen. Aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt (Kehls Rekonvaleszenz berücksichtigend) scheint das Pendel eher zugunsten von Sahin und Tinga auszuschlagen und eher zulasten von Feulner, den Klopp in den letzten Spielen nicht von Beginn an brachte.
Wenn ich das so insgesamt betrachte, dann ist das Dortmunder Mittelfeld wirklich nicht schlecht, aber ich muss mir die Frage stellen: könnte man damit in der Europa League bestehen? Ich habe meine Zweifel. Daher muss es "oberes Mittelfeld" sein.
Angriff
Alexander Frei ist weg. Derjenige Stürmer, der für Dortmund in drei Saisons trotz Verletzungssorgen 34 Tore erzielte. Ein sicherer Toregarant, auch gerade nach seinem Comeback letzte Saison.
Ohne Frei sieht es ziemlich düster aus. Nelson Valdez wird zwar immer gelobt für seine Wühler-Qualitäten, aber in 85 Spielen für den BVB 11 Tore zu erzielen, zeugt nicht gerade von Torinstinkt (und 10 Vorlagen). Immerhin: die abgelaufene Saison war bislang seine beste im schwarz-gelben Dress. Mohamed Zidan ist gewissermaßen der Gegenentwurf, er gilt als ziemlich eigensinnig und hat in der ersten Saison beim BVB 7 Tore in 29 Spielen und 1 Vorlage erzielt. Beim Confed Cup im Sommer zeigte er zwar ein paar Knipser-Qualitäten, aber die muss er in der Liga erst wiederholen.
Daher ist es nur folgerichtig, dass sich Dortmund um einen neuen Stürmer bemüht hat: Lucas Barrios heißt er, soll in diesen Tagen in Deutschland eintreffen, und er kommt aus Chile mit der Referenz Welttorjäger 2008. Ob er sein Niveau auch in der Bundesliga unter Beweis stellen kann, bleibt noch offen, aber man kann sicherlich einige Treffer von ihm erwarten.
In den Vorbereitungsspielen kamen zwei weitere Spieler zum Einsatz, die normalerweise in der zweiten Mannschaft kicken: Bajram Sadrijaj (2 Tore) und Christopher Kullmann (satte 5 Treffer). Zur Referenz: Der verabschiedete Alex Frei schaffte in fünf Spielen 6 Tore, dann kommt bereits Kullmann und danach Großkreutz, Blaszczykowski und Rangelov, der sich auch in Torlaune zeigte. Valdez gelangen in 212 Minuten nur 2 Treffer (nur 10 Minuten mehr brauchten Frei für 6 und Kullmann für 5 Tore), Zidan kam nur im letzten Spiel ein paar Minuten zum Einsatz (wegen seines Confed-Cup-Einsatzes und der dort erlittenen Verletzung konnte er die Vorbereitung nicht mit voller Kraft absolvieren), aber traf wenigstens einmal.
Das Fazit: Dortmund hat einen sicheren Torschützen verloren, hat aber einen mutmaßlich sicheren Torschützen verpflichtet. Dimitar Rangelov hat sich bereits als deutliche Verstärkung erwiesen. Wenn Barrios einschlägt, dann kann ich "oberes Mittelfeld" wenn nicht sogar "Europa-League-Tauglichkeit" bestätigen, wenn er dagegen floppt, reicht die Qualität gerade mal für ein knappes "unteres Mittelfeld". Da ich zu einer Entscheidung kommen muss, will ich mal die Mitte annehmen. Es hat ein bisschen Ähnlichkeit zu Werder Bremen in der Stürmerstruktur.
Mutmaßliche Startaufstellung (Stand: 25.07.):
Weidenfeller – Schmelzer (später: Dédé), Subotic, Hummels, Owomoyela – Kehl – Sahin, Blaszczykowski – Hajnal – Rangelov, Barrios/Valdez
Elwin Treublatt
Eintracht Frankfurt
Man könnte Eintracht Frankfurt als die Seuchenmannschaft bezeichnen. Denn Verletzungen prägen das Bild der letzten Saisons mehr als bei jedem anderen Verein. Das geht schon bei den Torhütern los. Letzte Saison absolvierte Oldie Oka Nikolov, seit 1993 im Verein, 20 Spiele, Markus Pröll 18 und Jan Zimmermann 1. Die Saison zuvor kam Nikolov auf 12 Partien, Pröll – damals Stammkeeper – auf 25 und so ging das all die Jahre lang. Immer, wenn einer der beiden Rivalen zur Nummer 1 erkoren wurde, verletzte er sich und fiel länger aus. Aber die Verletzungsliste lässt sich beliebig weiterführen: Linksverteidiger Spycher fehlte zwischen dem 12. und 27. Spieltag, Innenverteidiger Vasoski ist seit 2007 regelmäßiger Patient mit vielen kleineren Sachen. Christoph Preuß, einst sogar ein Kandidat für Völlers Nationalmannschaft, absolvierte sein letztes Spiel im November 2007. Bajramovic, der eigentlich nur eine Kleinigkeit auszukurieren hatte, als Frankfurt ihn Anfang letzter Saison verpflichtete, machte nur sechs Kurzeinsätze zum Saisonende. Ümit Korkmaz, ebenfalls 2008 verpflichtet, brach sich im ersten Training für Frankfurt ein Bein und kurz nach seinem Comeback im November erneut. Auch Alexander Meier fehlte zwischen dem 6. und 17. Spieltag., ebenso wie Chris, und Ioannis Amanatidis brachte es wegen langwieriger Verletzungen nur auf 7 Saisoneinsätze. Das Trainingslager konnten Köhler und Fenin wegen Verletzungen nicht besuchen, auch Meier und Amanatidis mussten noch pausieren.
Man muss sich also die Frage stellen: Wird Frankfurt diese Saison den Verletzungssorgen trotzen können? Bringt der Trainerwechsel zu Michael Skibbe vielleicht den entscheidenden Vorteil?
Saisonvorbereitung
Es war schon ein schwerer Schlag als der Leistungsträger Michael Fink beschloss, ablösefrei zu Besiktas Istanbul zu wechseln. Auch der Weggang von Junichi Inamoto, der ebenso wie Fink im defensiven Mittelfeld spielt, war eine Schwächung des Kaders. Aber die Frankfurter haben ein ebenso gutes Gespür bewiesen, indem sie Selim Teber ablösefrei aus Hoffenheim holten, ebenso wie Ralf Fährmann aus Schalke. Auch Maik Franz (750.000) und Pirmin Schwegler (500.000) waren nicht teuer, so dass die Gesamt-Investitionen überschaubar sind. Möglich also, dass Frankfurt nochmal ein paar Millionen locker machen kann.
Die Vorbereitungsspiele waren zum großen Teil eine Katastrophe. So schlimm, dass der neue Trainer Michael Skibbe ganz offen den Eisenbesen herausgeholt hat und angekündigt hat, diejenigen Spieler auszusortieren, die die Vorbereitung schleifen lassen. Angesprochen fühlen mussten sich dabei wohl in erster Linie Mehdi Mahdavikia, der bei den beiden letzten Härtetests (gegen Austria Kärnten und den 1. FC Kaiserslautern) auf der Bank saß, vermutlich auch Habib Bellaid, der als Innenverteidiger letzte Saison mit einigem Lorbeer gekommen war und andere etablierte Spieler.
Die Vorbereitungsspiele verliefen nämlich sehr unbefriedigend. Die Eintracht verlor gegen so illustre Gegner wie Wattens und Timisoara, gut, auch gegen Dynamo Kiev, was nicht so dramatisch war. Dafür konnte nach zähem Ringen in der 90. Minute das international respektierte Team von Stadtallendorf mit 3:2 bezwungen werden. Gut, außerdem ein Sieg gegen FK Teplice, die zumindest einen kleinen Namen haben, Austria Kärnten (mit 5:0) und Kaiserslautern (2:0).
Für Michael Skibbe ist noch viel zu tun, zumal Fährmann und Chris sich im Trainingslager verletzten, viele Spieler wie Spycher, Korkmaz und Meier kurzzeitig pausieren mussten, Vasoski, Schwegler und Amanatidis erst die letzten Spiele absolvieren konnten und Fenin, Preuß und Bajramovic komplett ohne Spielpraxis sind.
Torhüter
Weil Nikolov und Pröll recht verletzungsanfällig waren, verpflichtete Eintracht den Schalker Ralf Fährmann als neue Nummer 1. Fährmann hatte sich in einer Handvoll Pflichtspielen für Schalke (Als Neuer und Schober verletzt waren) empfohlen, und bei den Knappen besaß er aufgrund Neuers Jugend keine Perspektive. Mit ihm sollte der ewige Wechsel im Tor ein Ende finden. Aber das Schicksal besitzt einen grausamen Zynismus: Fährmann brach sich in der Saisonvorbereitung die Hand. So wird es wieder zwischen Nikolov und Pröll entschieden, der Mazedonier scheint einen leichten Vorteil zu haben. Das hängt sicherlich mit den vielen Gegentoren zusammen, die Pröll in den Vorbereitungsspielen kassiert hatte (7 Stück in 270 Minuten, also ca. alle 40 Minuten eins), obwohl dies auch der Abwehr anzulasten wäre. Fährmann soll im September wieder ins Training einsteigen, ebenso wie Zimmermann und dann wird der Konkurrenzkampf neu eröffnet. Skibbe wird sich auf lange Sicht keine vier Torhüter leisten können, vermutlich wird im Laufe der Saison der Bannstrahl entweder Nikolov oder Pröll treffen.
Die Leistungsfähigkeit der Torhüter einzuschätzen, ist nicht ganz einfach, weil man nicht genau weiß, wer spielen wird. Aber derzeit dürfte es bei allen für das "obere Mittelfeld" reichen.
Abwehr
Die Abwehr war das Sorgenkind der Vorbereitung. Skibbe probierte alle vier Innenverteidiger – Russ, Bellaid, Franz und später Vasoski – zusammen aus und gerade der lange verletzte Mazedonier hat gegen Kaiserslautern sehr beeindruckt. Russ spielte die letzten beiden Spiele auch von Beginn an, so dass Skibbe wohl ihnen beiden vertraut. Franz muss sich steigern, er sollte eigentlich als Führungsspieler die Abwehr entscheidend verstärken. Von der Lautstärke her passte das zwar schon, aber er zeigte noch zu viele Stellungsfehler. Auf den Außenpositionen wurde ebenfalls viel durchgewechselt. Es wird vermutlich auf Ochs und Spycher hinaus laufen, die von Jung bzw. Petkovic abgesichert werden, sollte sich einer verletzen. Mahdavikia vergab die Chance, als Rechtsverteidiger aufzulaufen, da wird Skibbe vermutlich eher auf den jungen, vielseitigen Titsch-Rivero zurückgreifen, sollte es notwendig werden.
Tja, die Abwehr. So holperig, wie sie sich in der Vorbereitung präsentierte, wird sie die Problemzone sein. Vasoskis Comeback macht Mut, aber ob er eine Saison lang durchhält, bleibt fraglich. Ochs und Spycher sind eine sichere Bank, aber auch nicht herausragend. Ich will daher nur "Unteres Mittelfeld" vergeben.
Mittelfeld
Selim Teber hat sich vermutlich in die Mannschaft gespielt. Er ist routiniert, stellungssicher und erzielte zwei Tore in der Vorbereitung, eins davon durch einen sehenswerten Fernschuss. Schwegler hat erst zwei Spiele gemacht und muss sich sicherlich erst noch finden. Aber der Gesundheitszustand von Chris und Preuß dürfte ihn in die erste Mannschaft zu Saisonbeginn spülen. Bei Leverkusen hat er nicht so viel gespielt, aber Michael Skibbe hält große Stücke auf den Schweizer.
Wenn man die beiden letzten Testspiele zum Maßstab nimmt, könnte das Mittelfeld durch Köhler und Caio komplettiert werden. Der Brasilianer scheint endlich in Frankfurt angekommen zu sein und zu Köhler drängt sich derzeit keine Alternative auf. Am ehesten natürlich Alexander Meier, der sicherlich zu den Gewinnern der Vorbereitung zu zählen ist. Aber seine Statistik täuscht natürlich ein wenig, denn Skibbe bot ihn oft als zweite Sturmspitze auf, so dass er vier Treffer erzielen konnte. Die große Frage ist: Passt es im Frankfurter Mittelfeld, dass Caio und Meier zusammen auflaufen könnten? Prinzipiell wäre das keine schlechte Entscheidung, das würde viel Druck nach vorne bringen, aber defensiv steht Frankfurt dann eher schlecht da. Schwegler müsste die Hauptlast übernehmen und Teber müsste sich vermutlich offensiv auch ein bisschen beschränken – oder eben Meier etwas zurückgezogen spielen, was ihn jedoch seiner Stärke berauben würde.
Steinhöfer, Korkmaz und Toski scheinen derzeit außen vor zu sein und Bajramovic muss erstmal wieder mittrainieren.
Sollte Meier fit bleiben und sollte vor allem Schwegler die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen können, kann man sicherlich "oberes Mittelfeld" vergeben, aber bei den Unwägbarkeiten, setze ich Frankfurt genau auf die Mitte zum "unteren Mittelfeld"
Angriff
Die Vorbereitungsspiele haben eine Sache deutlich gemacht: Frankfurt hat ein Problem mit dem Toreschießen. Also die Frankfurter Stürmer, das Mittelfeld ist durchaus produktiv. Nikos Liberopoulos hat es geschafft, in 7 Spielen keinen einzigen Treffer zu erzielen (obwohl er letzte Saison für 9 Tore zuständig war). Für Tore war Alex Meier zuständig. Die Eintracht setzt auf die Rückkehr von Ioannis Amanatidis, der in gesundem Zustand für 10-15 Tore die Saison gut sein dürfte, außerdem erhofft man sich viel von Martin Fenin, der aus Verletzungsgründen keine einzige Minute gespielt hat (letzte Saison: 5 Tore, 10 Assists). Backup ist weiterhin Marcel Heller – auch er erst gerade wieder zurück im Training –, der aber kein Torjäger ist.
Mit einem gesunden Amanatidis und einem spielfreudigen Mittelfeld könnte es in Frankfurt was werden. Aber es sind viele Unwägbarkeiten dabei. Daher will ich mich einstweilen nicht zwischen "oberes" und "unteres Mittelfeld" entscheiden.
Mutmaßliche Startaufstellung (Stand: 28.07.):
Nikolov – Spycher, Russ, Vasoski, Ochs – Köhler/Caio, Teber, Schwegler, Meier – Amanatidis, Liberopoulos
Elwin Treublatt
Ein Wort vorweg: Der kicker gibt sich derzeit alle Mühe, rechtzeitig bis zum Wochenende sämtliche Testberichte online zu bekommen. Täglich drei Stück schaffe ich dagegen nicht, aber ich habe eh vor, das Pokalspiel am Wochenende in meine Betrachtungen noch einfließen zu lassen und meine Berichte dann zu ergänzen. Nächste Woche Donnerstag oder Freitag plane ich fertig zu sein.
SC Freiburg
Freiburg ist wieder in der Bundesliga. Recht souverän gewann man die Meisterschaft der zweiten Liga und Robin Dutt bewies, dass es auch ohne Volker Finke geht. Der Freiburger Weg ist aber immer noch die Ausbildung vieler junger Spieler, aber gerade das machen jetzt auch einige andere Bundesligisten ebenfalls.
Wird sich Freiburg aber in der Klasse halten können? Oder wird das nur ein kurzes Gastspiel in der Bundesliga? Ist der SC bundesligatauglich?
Saisonvorbereitung
Die Aufsteigermannschaft blieb größtenteils zusammen. Einzig Daniel Schwaab, der talentierte Rechtsverteidiger, wurde von Bayer Leverkusen abgeworben. Dafür hat sich Freiburg mit ein paar neuen Spielern für die erste Liga gerüstet. Manuel Salz soll neuer Ersatztorwart werden, Reisinger und Makiadi die Offensive beleben, Cha den Weggang Schwaabs kompensieren und an den Außenlinien wurde die Personalsituation mit Mujdza und Bastians verstärkt. Bis auf Salz können sich alle Spieler Hoffnungen auf anständige Einsatzzeiten machen.
Viele der Vorbereitungsspiele erfolgten gegen unterklassige Teams. Ernüchtend waren die Tests gegen Pfullendorf (2:2) und Karlsruhe (2:3), während das 1:2 gegen Leverkusen standesgemäß ausfiel. Der Kader ist recht schmal, aber alle gesunden Spieler wurden umfangreich eingesetzt. Besonders in der Offensive darf man vermutlich auch eine Art Rotationssystem erwarten.
Torhüter
Der Franzose Simon Pouplin, der aus Rennes kam, geht als unumstrittener Stammtorwart in die Saison. Pouplin ist für mich so etwas wie ein unbeschriebenes Blatt. Obwohl ich in vielen Jahren französische Teams im Football Manager gespielt habe, ist mir Pouplin nie aufgefallen. Er ist offenbar sehr talentiert und hat sich umgehend gegen den ein halbes Jahr vor ihm nach Freiburg gekommenen (und von mir aus Stuttgarter Manager-Zeiten hoch geschätzten) Michael Langer durchgesetzt. Aber seltsamerweise hat der kicker ihn nicht in din Torhüter-Rangliste der zweiten Liga aufgenommen, nicht einmal auf den hinteren Plätzen. Nach Freiburg ist er gekommen, nachdem er bei Rennes nach einer Verletzungspause seinen Stammplatz verloren hatte – er hatte ihn zuvor als Nachfolger des abgewanderten Andreas Isaksson erhalten.
Ja, wie schon geschrieben, Pouplin ist die Nummer 1, was durch seine Testspiel-Einsätze nur unterstrichen wird. Robin Dutt hat noch einen weiteren Torwart eingesetzt: Neuzugang Manuel Salz. Michael Langer ist offenbar auf Platz Nr. 3 abgerutscht.
Die Gefahr ist groß, dass ich mich bei meiner Bewertung der Torhüter-Situation grob verschätze. Es ist sicherlich nicht ausgeschlossen, dass Pouplin groß heraus kommt, aber wenn ich die Situation mit der bei der Konkurrenz vergleiche, dann würde ich hier zunächst ein "Abstiegskampf" vergeben. Also ungefähr Bochumer Verhältnisse.
Abwehr
Der beste Abwehrspieler der abgelaufenen Zweitligasaison war der erst gerade 20 Jahre alt gewordene Ömer Toprak. Der Name war auch kürzlich in allen Zeitungen, aber leider in einem sehr unschönen Zusammenhang: Toprak erlitt bei einem Freizeitunfall schwere Verbrennungen und konnte erst vor wenigen Tagen die Intensivstation verlassen. Wann er wiederkehrt – oder ob er überhaupt wiederkehrt – steht noch in den Sternen, ich halte die Angabe bei transfermarkt.de (Anfang September 2009) für zu optimistisch.
Dieser unvermittelte Ausfall eines großen Hoffnungsträgers hat Freiburg in Zugzwang gebracht. Derzeit sieht es danach aus, als ob Oliver Barth den Platz neben dem humorlosen Pavel Krmas einnehmen würde, aber auch Kapitän Heiko Butscher könnte dort spielen. Dann allerdings müsste Dutt die linke Abwehrseite neu besetzen und das wird schon schwieriger. Dort könnte sich vermutlich Neuzugang Felix Bastians (gilt als großes Talent) beweisen. Rechts gibt es einen Zweikampf zwischen den beiden Neuen Cha und Mujdza, offenbar hat derzeit der Koreaner die etwas besseren Chancen.
Tja, die Abwehr ist völlig neu zusammengesetzt und nur Butscher und Cha haben Bundesligaerfahrung. Ich prognostiziere daher nichts anders als "Abstiegskampf".
Mittelfeld
Das Mittelfeld ist sicherlich das Prunkstück des Sportclubs. Die Leistungsdichte im Kader ist hoch, und auch wenn viele der Spieler auch noch keine Bundesligaluft geschnuppert haben, so werden sicherlich unter den ganzen Spielern sicherlich welche sein, die die Herausforderung packen werden. Bemerkenswert ist vor allem die Vielseitigkeit der Akteure. So kann Robin Dutt, der vermutlich mit offensiven Außen spielen wird, auf diesen Positionen satte 7 Spieler aus dem Kader einsetzen. Auch die Zentrale kann er nach Belieben besetzen, entweder etwas offensiver mit Roth oder Abdessadki oder eher defensiv mit Schuster und Flum.
Beim letzten Härtetest gegen Leverkusen bestand das Mittelfeld aus Flum, Schuster, Makiadi und Bechmann. Dutt verzichtete zunächst auf Ivica Banovic, einen der erfahrensten Erstligaakteure des Kaders, der in der Vorbereitung gegen den tschechischen Meister Slavia Prag zwei Treffer erzielte. Bastians kam gar nicht zum Zug, weswegen ich die Aufstellung gegen Leverkusen mit etwas Skepsis sehe.
Ich persönlich halte Banovic für einen wichtigen Führungsspieler, der vermutlich durch Flum oder Schuster ergänzt werden wird (oder durch Uzoma, wenn er wieder gesund ist). Auf den Flanken dürfte groß durchgewechselt werden, Makiadi hat vielleicht einen kleinen Bonus, aber Abdessadki, Bechmann, Jäger oder den jungen Targamadze muss man auch auf der Rechnung haben.
Die Frage ist, wie der Schritt von der zweiten in die erste Liga klappt. Allein deswegen wären Makiadi und Banovic schon sehr hilfreich. Ich sehe hier einiges an Potential, aber kann mich nicht zwischen "oberes" und "unteres Mittelfeld" entscheiden.
Angriff
Freiburg war noch nie für eiskalte Torjäger bekannt. Diese Saison vermutlich auch nicht. Zwar haben die Badener mit der Verpflichtung von Makiadi (16 Tore) und Reisinger (12 Tore) zwei hochrangige Zweitliga-Torschützen verpflichtet, als Verstärkung des bestehenden Personals aus Idrissou (13 Tore), Jäger und Bechmann (je 7 Tore). Aber werden die auch in der ersten Liga treffen?
Die Hälfte der Freiburger Stürmer kann auch im Mittelfeld eingesetzt werden (im Grunde erwarte ich Makiadi eher auf der offensiven Außenbahn), reine Mittelstürmer sind nur Idrissou und Reisinger. Daher gibt es auch hier die Unwägbarkeit: geht das Freiburger Konzept auf?
Ich bin aber recht zuversichtlich, gerade wegen der zahlreichen Optionen, die eine Anpassung der Spielaufstellung auf ein 4-5-1 oder 4-3-3 ermöglichen. Daher sehe ich Freiburg im Sturm im "unteren Mittelfeld", denn irgendjemand trifft schon.
Mutmaßliche Startaufstellung (Stand: 28.07.):
Pouplin – Bastians, Butscher, Krmas, Cha – Schuster, Banovic – Bechmann, Makiadi – Idrissou, Jäger
Elwin Treublatt
Hamburger SV
Der HSV ist letzte Saison gegen Ende gehörig ins Schlingern geraten. Noch im Februar tanzte man auf drei Hochzeiten – Meisterschaft, UEFA-Pokal, DFB-Pokal. Im Mai war man dann sogar noch froh, den entscheidenden fünften Platz zur Europa League erreicht zu haben, wenngleich Mönchengladbach Schützenhilfe leisten musste.
Das ist nicht spurlos am HSV vorbei gegangen: Trainer Martin Jol verließ enttäuscht über die knauserige Art Beiersdorfers (rund 20 Millionen Gewinn durch die van-der-Vaart-/Kompany-/de-Jong-Transfers) eilig den Verein, kurz darauf kam es zum Krach zwischen Beiersdorfer und Hoffmann, der den Manager entmachten wollte. Beiersdorfer nahm seinen Hut, aber ihm wird von allen Seiten außer von Hoffmann nachgetrauert. Der neue Trainer Bruno Labbadia lobte Beiersdorfer, da er für die Neuverpflichtungen dieser Saison verantwortlich gewesen sei, der Aufsichtsrat beklagte auch Beiersdorfers Weggang und die Lücke, die er hinterließ, ist bislang noch nicht gefüllt worden.
Die Frage ist: wie wird sich der HSV diese Saison schlagen? Die 20 Millionen der letzten Saison sind komplett investiert worden, wird das den nötigen Schwung bringen, weiter in der Tabelle hoch zu klettern?
Saisonvorbereitung
Bereits im Winter gab es einen großen Rückschlag: Ivica Olic, aufgrund seiner Einsatzfreude der Publikumsliebung, unterschrieb einen Vertrag bei Bayern München und verließ den Verein ablösefrei. Nach Saisonende hemmte der Streit zwischen Hoffmann und Beiersdorfer und die Vakanz auf der Managerposition die Transfergeschäfte, aber inzwischen hat man sich aus diesen Fesseln befreit: Mit Zé Robertos ablösefreier Verpflichtung gelang ein großer Wurf, Tesche verdichtet den Kader und von Elia (immerhin 9 Mio.) verspricht man sich sehr viel. Die offene Planstelle im Sturm wurde erst vor kurzem geschlossen, der schwedische Stürmer Marcus Berg kam für 10 Mio. und in der Abwehr wurde auch nochmal nachgelegt: David Rozehnal, international erfahrener Innenverteidiger, soll das Loch stopfen, das seit Saisonende klafft (und von Leihspieler Gravgaard letzte Saison nicht behoben werden konnte).
In den Testspielen leistete sich der HSV gleich zu Beginn eine Pleite gegen Wacker Innsbruck (0:1), aber drehte dann auf. Bemerkenswert sicherlich der Erfolg beim Mini-Turnier gegen Bayern (1:0) und im Finale gegen Stuttgart (3:0). Aber auch das letzte Vorbereitungsspiel gegen den AZ Alkmaar, eine Größe auf Europa-League-Niveau war ein Erfolg.
Fazit der Vorbereitung ist: die Defensive steht offenbar sicher. Nur Innsbruck und Unterhaching (der Ehrentreffer beim 3:1-Sieg) vermochten den Ball im Hamburger Tor unterzubringen. Nichtsdestotrotz wurde in der Abwehr – wie im gesamten Team – oft rotiert. Die Stürmer jedenfalls taten in der Regel nicht viel mehr als unbedingt nötig, das 13:0 gegen Längenfeld schönt die Statistik ziemlich. Ohne diese 13 Treffer stehen für Petric nur zwei Tore auf dem Konto, für Guerrero gar keiner, auch das Mittelfeld (Jarolim, Elia, Trochowski) muss sich ein paar Tore abziehen.
Aufgrund der Verletzungen (Alex Silva, Elia), des späten Trainingseinstiegs der U21-Spieler Boateng, Aogo und Ben-Hatira und der recht späten Verpflichtung potentieller Leistungsträger wie Berg (nur 23 Spielminuten) und Rozehnal (keine einzige) – und beide lassen aufgrund des Trainingsrückstandes auch das Pokalspiel aus – muss Hamburg sicherlich noch ein paar Wochen warten, bis das Team voll eingespielt ist.
Torhüter
Die Hierarchie ist klar: Frank Rost ist der Platzhirsch in Hamburg. Auch wenn sein Stellvertreter Hesl mehr Spielpraxis erhielt als der Routinier, ist an dieser Wahl nichts zu deuten. Hesl – er wird im Januar 24 – konnte seine Bundesligatauglichkeit noch nicht unter Beweis stellen, gilt aber als talentiert. Als Alternative kam der 20-jährige Tom Mikkel ablösefrei aus Cottbus.
Sollte der Fall eintreten und sich Frank Rost länger verletzen, dürfte in Hamburg Betriebsamkeit ausbrechen – bereits letzte Saison verpflichtete man den 34-jährigen Marokkaner Khalid Sinouh, für den Fall des Falles, aber ließ ihn im Sommer wieder ziehen. Möglich also, dass der HSV im Falle einer Verletzung Rosts noch auf dem Torhütermarkt aktiv wird – immerhin sind derzeit mit Gerhard Tremmel und Markus Miller zwei erstligaerfahrene Leute auf dem Markt. Aber ich will den Teufel nicht an die Wand malen, lediglich darauf hinweisen, dass man ein bisschen knapp kalkuliert.
Rosts Klasse ist unbestritten, aber die letzte Saison war nicht seine beste. Er wird zudem nicht jünger. Ich denke, der HSV besitzt dennoch "Europa-League-Tauglichkeit", wenngleich ich aufgrund der personellen Situation eine leichte Abwertung in Richtung oberes Mittelfeld erwogen habe, aber bei Hertha hat mich das schließlich auch nicht gestört.
Abwehr
In der Abwehr gibt es trotz der Ausfälle von Alex Silva und Bastian Reinhardt, der erst nach Silvas Kreuzbandriss einen neuen Vertrag angeboten bekam und sich direkt nach der Unterschrift den Fuß brach, einige Alternativen. Der HSV verfügt nämlich über zahlreiche Spieler, die auf allen möglichen Positionen eingesetzt werden können, z.B. Demel, Benjamin, Aogo und Boateng.
Einen sicheren Stammplatz hat auf jeden Fall Joris Mathijsen, an seiner Seite könnte entweder Jerôme Boateng spielen, der bei der U21-EM als Innenverteidiger groß heraus kam, oder David Rozehnal. Als Rechtsverteidiger hatte in der Vorbereitung Guy Demel lange die Nase vorn, musste aber gegen Alkmaar mit einem Platzverweis vom Feld. Das könnte Benjamins Chance sein, der auch häufig eingesetzt wurde. Aogo dürfte zunächst als Backup für Marcell Jansen auf links eingeplant sein, aber er ist auch flexibel.
Diese Flexibilität ist zwar einerseits ein Segen, weil sie immer jede Position ausreichend besetzt ist, aber es kann auch die Abwehr stetig durcheinander wirbeln, so dass sie sich nicht einspielen kann.
Aufgrund des Ausfalls von Alex Silva und der leichten Schwäche der rechten Seite gegenüber der linken möchte ich den HSV hier nur für "Europa-League-tauglich" erachten. Mathijsen und Jansen bringen genügend Klasse mit, um auch auf internationalem Parkett zu bestehen, Rozehnal dürfte das auch schaffen und Boateng kann sich daran orientieren. Es fehlt also nicht viel bis zur höchsten Einstufung.
Mittelfeld
Die Verpflichtung von Elia war ein sehr sicheres Zeichen, wie die strategische Ausrichtung des Hamburger SVs aussehen wird: zwei leicht defensiv orientierte zentrale Mittelfeldspieler und offensiv nach vorne gerückte Außenpositionen. Für dieses System hat der HSV wahrlich ausreichend Spieler zur Verfügung:
Zentral kann man vermutlich Zé Roberto und Jarolim erwarten, Tesche bot sich in der Vorbereitung als Alternative an, bei Rincon bin ich mir noch unsicher. Tavares ist die defensivere Variante, aber die könnten auch Demel, Boateng, Aogo und Benjamin spielen.
Auf den Außenpositionen herrscht auch Flexibilität. Trochowski, Pitroipa und Ben-Hatira (sofern er beim HSV bleibt) können auf beiden Seiten spielen. Auf links hatte sich in der Vorbereitung Elia durch gute Leistungen festgesetzt, fällt aber bis mindestens Ende August jetzt aus. Positiv ist auch das Comeback von Romeo Castelen nach hartnäckiger Verletzung. Er hat anderthalb Jahre pausieren müssen und absolvierte die Vorbereitung zur Zufriedenheit aller. Mal sehen, ob er an seine guten Leistungen aus der Eredivisie anknüpfen kann, die ihm insgesamt 10 Länderspiele bescherten.
Neben dieser Aufstellung wurde auch eine offensivere Variante geprobt – mit einem defensiven Spieler zentral und einer offensiv agierenden Dreierreihe davor. Im Laufe der Testspiele ist Labbadia aber davon abgekommen, weil es bedeuten würde, auf entweder Zé Roberto oder Jarolim zu verzichten.
Es bleibt abzuwarten, ob Elia die gesuchte Verstärkung tatsächlich sein wird und ob Castelen auch den Anschluss an das internationale Niveau schafft, ob Pitroipa seine Schwäche beim Abschluss / finalen Pass bezwingt und ob Tavares, Tesche und Rincon mehr sind als nur Ersatzspieler. Mit der Kaderdichte jedenfalls sehe ich den HSV auf einem guten Weg und halte ihn für "Europa-League-tauglich".
Angriff
Mit Marcus Berg ist endlich der lang ersehnte Nachfolger für Ivica Olic gefunden, auch wenn der Schwede einen ganz anderen Spielstil pflegt. Berg hat jedenfalls bei der U21-EM einen gewaltigen Eindruck bei den gegnerischen Abwehrspielern und den versammelten Fachleuten hinterlassen. Ich traue ihm zu, dass er Guerrero auf die Bank verdrängt.
Der Peruaner hat sich in der Vorbereitung bislang nicht wirklich aufgedrängt. Die Form des letzten Jahres, insbesondere direkt nach der Winterpause, hat er noch nicht wieder gefunden. Weiter ist dagegen schon Mladen Petric, nach dem der VfL Wolfsburg seine Fühler ausgestreckt hatte. Der Kroate ist treffsicher, aber profitierte oft von der aufopfernden Spielart seines Kompagnons Olic. Mit Berg dürfte es für Petric anders laufen, aber der HSV will – das zeigt die Verpflichtung Elias ganz deutlich – verstärkt über die Flanken spielen, so dass nicht mehr Olic vorbereiten muss, sondern die Bälle direkt aus dem Mittelfeld kommen.
Aber allzu optimistisch darf man nicht sein: Berg hat in den Niederlanden, in Schweden und in der U21-Nationalmannschaft viele Tore erzielt, aber das Bundesliga-Niveau ist ein Stück höher – ganz zu schweigen von den späteren Stufen der Europa-League. Dass er dieses Niveau besitzt, muss er erst nachweisen (der späte Transfer, direkt vor dem ersten Pflichtspiel, und die dadurch verpasste Saisonvorbereitung, tun ihr übriges). Petric ist für 10 Tore gut, aber Guerrero nur, wenn er wieder ein Formhoch bekommt. Das könnte nicht reichen! Eigentlich müsste der HSV noch einen vierten Stürmer verpflichten, um sich wirklich abzusichern, aber derzeit sind Stürmer irre teuer, wo ja gerade Stuttgart und Wolfsburg noch suchen, Bremen, Hertha und Dortmund auch Plätze zu vergeben hatten und international durch die Transfers Eto'o, Ibrahimovic, Adebayor (der gescheiterte Dzeko-Transfer nach Mailand) auch einiges in Bewegung ist. Mit Choupo-Moting und Torun stehen zwar zwei Spieler auf der Schwelle zum Durchbruch, aber reichen tut das auch noch nicht.
Ohne vierten Stürmer gebe ich daher nur "oberes Mittelfeld", denn für mehr müssten alle drei etatmäßigen Stürmer fit bleiben und mindestens je 15-18 Tore (wettbewerbsübergreifend) erzielen. Das sehe ich derzeit aber noch nicht.
Mutmaßliche Startaufstellung (Stand: 30.07.):
Rost – Jansen, Mathijsen, Boateng (später evtl. Rozehnal), Demel – Zé Roberto, Jarolim – Pitroipa (später: Elia), Trochowski – Berg/Guerrero, Petric
Elwin Treublatt
Hannover 96
Mit einigen Ambitionen war Hannover in die letzte Saison gestartet – unter anderem durch die Verpflichtung von Eggimann, Forssell und Schlaudraff. Nach einem achten Platz im Vorjahr sollte der UEFA-Cup in Angriff genommen werden. Aber es kam ganz anders: In Hannover stand trotz Nationaltorwart Enke die Schießbude der Liga, und akute Abstiegsgefahr vermieden die Niedersachsen nur, weil stets (also ab dem 11. Spieltag) mindestens 5 Teams noch schlechter waren. Insofern war 96 mit Platz 11 am Ende sogar ganz gut bedient.
Angesichts der bisherigen Entwicklung muss man sich aber die Frage stellen: wo wollen die Verantwortlichen diese Saison hin? Reicht Platz 11 als Saisonziel?* Tun Trainer, Management und Spieler genügend dafür, höher zu kommen?
(* im kicker-Sonderheft wird Hecking wie folgt zitiert: "Ein einstelliger Tabellenplatz wäre für uns über der Norm.")
Saisonvorbereitung
Es gab kaum Änderungen bei Hannover. Tarnat und Ismael beendeten ihre Karriere, außerdem wechselten Fahrenhorst, Krebs, Yankov und Bastian Schulz zu Zweitligavereinen (wo sie vermutlich besser mithalten können). Da in der Abwehr ein bisschen was zu tun war, verpflichtete Hannover die beiden Leverkusener Karim Haggui (ablösefrei) und Constant Djakpa (Leihgebühr 400.000), außerdem Valdet Rama für die Außenbahnen im Mittelfeld von Zweitliga-Absteiger Ingolstadt.
Wenn man sich die Torstatistik der Stürmer in den Vorbereitungsspielen anschaut, käme man nicht auf die Idee, dass bei Hannover etwas im Argen läge. Hanke und Forssell jeweils 12 Treffer, Stajner 5 und Schlaudraff 4. Aber die Namen der Gegner verraten den Trick: Ramlingen/Ehlershausen, Under Armour (Hannovers Ausrüster) Allstars, HSC Hannover, VfV Hildesheim – das war Sparring. Drei ernste Tests hatte Hannover: 0:0 gegen Köln, 1:1 gegen Wigan Athletic und 0:1 gegen Arsenal London. Da sieht das Bild schon ganz anders aus. Das einzige Tor in diesen drei Spielen erzielte zudem Rosenthal. Und nicht unterschlagen darf ich eine 1:2 Niederlage gegen Anker Wismar, die Trainer Dieter Hecking auf die Palme gebracht hat. Dort war es Bruggink, der das Tor erzielte. Die Bilanz der vier Stürmer also: satte 0 Tore in vier Spielen. Auch wenn die knappe Niederlage gegen Arsenal London durchaus aller Ehren wert ist, richtig zufrieden kann man nicht sein bislang.
Torhüter
Robert Enke musste letzte Saison 10 Spieltage lang aussetzen. In jener Zeit durfte Florian Fromlowitz das Tor hüten – und das tat er mit regelmäßiger Wankelmütigkeit. Mal war er verdammt stark, dann unterlief ihm ein Fehler. Mit Enkes Rückkehr wurde es auch im Tor wieder ruhiger – man mag sich gar nicht vorstellen, wie viele Gegentore Hannover noch erhalten hätte, wenn Enke nicht so souverän gehalten hätte? Schon jetzt waren es 69, das muss man sich mal vorstellen!
Enke also ist gesetzt, auch Fromlowitz ist, den Wacklern der letzten Saison zum Trotz, in der Lage, auf Bundesliga-Niveau zu halten. Auf die Torhüter kann man sich bei Hannover verlassen.
Daher ganz kurz und schmerzlos die Bestnote: "Champions-League-tauglich".
Abwehr
Tja, wenn das mit der Abwehr ebenso einfach wäre. Aber nein, auf die Abwehr konnte 96 letzte Saison wirklich nicht stolz sein. Formschwäche (wie bei Eggimann, Cherundolo und Fahrenhorst) traf auf Verletzungsprobleme (Vinicius, ebenfalls Cherundolo, Tarnat, Ismael).
Karim Haggui soll die Abwehr stabilisieren. Er dürfte nach den Auftritten in der Vorbereitung gesetzt sein. Eggimann dürfte seine Schwierigkeiten haben, denn der zweite Platz in der Innenverteidigung wird vermutlich an Christian Schulz gehen, der den Anfang der Vorbereitung verletzungsbedingt verpasste. Der Schweizer – so wurde unlängst kolportiert – dürfe sich einen neuen Verein suchen. Vinicius bleibt wohl die Joker-Rolle, aber insgesamt bleibt leistungsmäßig Luft nach oben. Möglicherweise muss Leon Andreasen nach seiner Rückkehr hinten aushelfen.
Auch auf außen gibt es wenige Optionen. Links sitzt Djakpa Rausch im Nacken, da dürfte sich ein Konkurrenzkampf abzeichnen. Rechts dagegen hat Cherundolo mehrere Nasenlängen Vorsprung, selbst wenn er nicht in bester Verfassung sein sollte, denn Pinto hat sich eine Meniskus-Verletzung zugezogen und wird erstmal ein paar Wochen fehlen.
Wird es diese Saison entscheidend besser werden? Eher kaum. Haggui und Djakpa bringen zwar etwas Qualität ins Spiel, aber bei Leverkusen haben sich beide nicht durchsetzen können. Ich denke, mit dieser Abwehr kann Hannover nicht mehr als "Abstiegskampf" erwarten.
Mittelfeld
Im Mittelfeld dürften drei Plätze fest vergeben sein. Bruggink und Rosenthal haben einen regelrechten Vorbereitungsmarathon absolviert und befinden sich in ziemlich guter Form. Balitsch ist erst spät ins Training eingestiegen, aber an ihm dürfte auch kein Weg vorbei gehen, da sein Hauptkonkurrenz Lala physisch auch nur noch Teilzeit arbeiten kann. Youngster Chahed fällt mit einer Fraktur noch länger aus.
Bleibt noch ein Platz. Um den dürften sich Jacek Krzynowek und der recht überzeugende Neuzugang Valdet Rama streiten. Momentan sehe ich den erfahrenen Polen vorne. Weitere Spieler drängen sich einstweilen nicht auf oder sind verletzt. Das Personalkostüm ist sehr eng.
Meiner Meinung nach reicht die Dichte des Kaders nicht aus, um ernsthaft einen Platz in der oberen Tabellenhälfte anzustreben. Da reicht schon eine Gelb- oder Rot-Sperre oder eine mehrwöchige Verletzung und bei Hannover ist wieder Land unter. Die Frage ist: ist Hannover besser als Abstiegskampf oder nicht? Ich glaube – auch um einen Vergleich zu Bochum zu ziehen – ja. "Unteres Mittelfeld" ist die logische Konsequenz.
Angriff
Tja, als Hannover damals Mike Hanke verpflichtete, hoffte man auf einen Knipser. Aber für mehr als 10 Tore die Saison scheint es bei ihm nicht zu reichen. Auch bei der Verpflichtung von Mikael Forssell hoffte man auf einen Knipser, immerhin hatte der Finne in dem halben Jahr, in dem er bei Borussia Mönchengladbach unter Vertrag gestanden hatte (Januar bis Juni 2003!) 7 Tore in 16 Partien erzielt. Auch für Birmingham hat er einmal 17 und einmal 9 Tore erzielt, aber zwischendurch auch immer Schwächephasen. Man hatte sich offenbar verschätzt. Forssell erzielte auch nur 7 Tore in 30 Spielen. Und dann ist da noch Jan Schlaudraff. Bei Aachen der große Held, der von der halben Liga gejagt wurde, aber zu den Bayern ging (wo ihm wenige Wochen nach seiner Unterschrift Klose und Toni vor die Nase gesetzt wurden und er naturgemäß nicht Fuß fasste). Bei Hannover sollte es dann besser werden: 5 Tore in 22 Spielen.
Tja, und zuletzt gibt es noch Jiri Stajner, im Grunde auch schon ein Dauerbrenner bei Hannover. Er trifft zuverlässig, auch immer so 5-8 mal die Saison. Früher war er auch noch ein guter Vorbereiter, aber das ist ihm in den letzten zwei Jahren auch nicht mehr gelungen.
Wenn man also den Erwartungswert von 7 Toren für jeden der vier Stürmer annimmt, kommt man auf 28 – und letzte Saison gab es gleich drei Torjäger, die diesen Wert alleine erreicht oder knapp verpasst haben (Ibisevic wäre sicherlich Nr. 4 gewesen). Daher reicht es auch hier nur für das "untere Mittelfeld".
Mutmaßliche Startaufstellung (Stand: 30.07.):
Enke – Rausch, C. Schulz, Haggui, Cherundolo – Balitsch – Krzynowek, Rosenthal – Bruggink – Stajner, Hanke/Forssell
Elwin Treublatt
So, Halbzeit!
1899 Hoffenheim
Hoffenheim hat einigen Eindruck gemacht in seiner Premieren-Saison. Die Hinrunde war – das muss man fast schon sagen- ein Triumphmarsch. Herbstmeister als Aufsteiger, dazu mit fantastischem Offensivfußball. Aber jeder kennt das Ende des Liedes: Aus der Winterpause kam Hoffenheim arg verschnupft und konnte den Abstieg aus den UEFA-Cup-Rängen nicht verhindern. Ibisevic fehlte nach einem Kreuzbandriss die gesamte Rückrunde.
Nun geht es in die zweite Saison. Wird sie – wie bei anderen Aufsteigern üblich – die schwierigere? Rutscht Hoffenheim wieder in den Abstiegssumpf? Oder geht der Vormarsch weiter?
Saisonvorbereitung
Verloren hat Hoffenheim keinen Stammspieler. Teber und Janker hatten nur geringe Einsatzzeiten und dürften nicht vermisst werden. Hoffenheim hat mit rund 15 Millionen Euro ein paar neue Spieler verpflichtet. Von ihnen hat erstmal nur Josip Simunic einen bekannten Namen. Der routinierte Kroate soll Abwehrchef werden, nach einer hervorragenden Saison für Hertha. Für Maicosuel und den erst 18-jährigen Zuculini wurden jeweils über 4 Mio. ausgegeben, sie müssen sich aber erst in der Liga beweisen. Der Ghanaer Prince Tagoe kam ablösefrei, das Risiko für Hoffenheim, ob er den Sprung von Saudi-Arabien nach Deutschland schafft, ist daher überschaubar. Ebenfalls ablösefrei war Christian Eichner, der Linksverteidiger aus Karlsruhe.
Die Vorbereitungsspiele verliefen gemischt. Zu Beginn gab es gegen ein Kreisklasse-Team ein mehr als standesgemäßes 24:0. Obasi war mit 5 Toren bester Schütze, auch Rechtsverteidiger (!) Timo Hildebrand konnte sich in der Torstatistik verewigen. Der nächste Test gegen einen Dorfverein ging jedoch in die Hose, mit 0:1. Entschuldigt wurde die Niederlage mit dem harten Trainingsprogramm, das die Spieler in jenen Tagen zu absolvieren hatten. Später standen dann drei richtige Proben für die Mannschaft auf dem Programm: Panathinaikos Athen, Fenerbahce Istanbul und FC Getafe. Gegen Panathinaikos (1:0) zeigte Hoffenheim seine Stärken und gewann durch das Tor des zurückgekehrten Vedad Ibisevic. Der Sieg gegen Fenerbahce war etwas glücklich, die Nachwuchskräfte Groß und Terrazino entschieden das Spiel, während die erste Mannschaft etwas platt wirkte. Und gegen Getafe verlor man nach Führung durch Obasi noch 1:2, das entscheidende Tor fiel in der Schlussminute.
Torhüter
Auch wenn alle vier Torhüter Einsatzzeit erhielten, so ist Timo Hildebrand unbestrittene Nummer 1. Daniel Haas hatte bei seinen Einsätzen, als Hildebrand letzte Saison verletzt war, wenig Glück, der Österreicher Özcan ist derzeit wohl Nummer 3. Er könnte sich einen neuen Verein suchen, denn anlässlich der EM letztes Jahr war er bereits im Kader der Nationalmannschaft. Um vorwärts zu kommen, muss er spielen. Ein Ersatz steht schon bereit: Von Greuther Fürth kam der 20-jährige Jens Grahl.
Hildebrand hat zum Saisonende einige hervorragende Spiele abgeliefert, die an seine früheren Jahre erinnerten, zum Beispiel an die Meistersaison 2007. Er dürfte zwar bei der Nationalmannschaft außen vor sein, aber im Verein ist er gesetzt. Hildebrand gehört zum Mannschaftsrat, ist einer der Führungsspieler, auch durch seine langjährige Erfahrung auf Spitzenniveau. Haas ist immerhin ein brauchbarer Liga-Ersatz.
Ich denke, wenn es hart auf hart kommt, kann Hildebrand ein Faktor sein, Spiele zu gewinnen. Ich denke, auf dieser Position ist Hoffenheim "Champions-League-tauglich".
Abwehr
Mit Eichner und Simunic (wie zuvor auch schon mit Hildebrand) haben Trainer Rangnick und Manager Schindelmeister gegen ihr Prinzip verstoßen, nur U23-Spieler zu verpflichten. Sie alle drei sollen Routine und Stabilität in die Abwehr bringen. Simunic hat auch schon sehr deutlich seinen Platz im Abwehrzentrum reklamiert – Eichner ist noch nicht so weit. Denn auf der linken Seite hat Andreas Ibertsberger den Konkurrenzkampf aufgenommen, es ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Der Österreicher könnte möglicherweise auch für Andreas Beck einspringen, der auf der rechten Seite fest eingeplant ist und keinen direkten Rivalen hat (nicht, solange Jaissle noch verletzt ist). Der vierte Platz, in der Innenverteidigung neben Simunic, könnte Compper zufallen, dies ist sehr wahrscheinlich, weil Rangnick auf ihn schwört. Nun gibt es aber ein kleines Problem: Die Mannschaft hat kürzlich den Kapitän gewählt (ja, in Hoffenheim wählt sich die Mannschaft den Kapitän). Und dieser heißt: Per Nilsson. Dem Schweden, der ursprünglich als Abwehrchef vorgesehen war, aber in der Bundesliga Anpassungsschwierigkeiten zeigte und sich zumeist auf der Bank wiederfand, haben die Spieler mehrheitlich das Vertrauen ausgesprochen. Nun hat Hoffenheim ja durchaus Erfahrung damit, wenn der Kapitän nicht spielt (letzte Saison war es Selim Teber), aber möglich, dass Nilsson derart motiviert um seinen Platz kämpft.
Insgesamt ist die Abwehr auf zwei Positionen herausragend besetzt, die anderen beiden Positionen könnten noch wackeln. Ich schwanke daher zwischen "oberes Mittelfeld" und "Europa-League-tauglich".
Mittelfeld
Die spannende Frage ist: wird Hoffenheim das 4-3-3 der letzten Saison aufrecht erhalten oder auf ein 4-4-2 wechseln. Denn das Sturm-Triumvirat ist einstweilen gesprengt. Und im Mittelfeld ringen einige hoch talentierte Spieler um die Plätze. Insbesondere Salihovic, der letzte Saison oft als Joker fungierte, hat Werbung in eigener Sache gemacht, Luiz Gustavo und Carlos Eduardo können ebenfalls Ansprüche stellen. Und dann gibt es da noch Tobias Weis, der noch nicht wieder ganz auf der Höhe ist, sowie den jungen Zuculini, der sich erst anpassen muss. Ein Auge werfen muss man sicherlich auch auf Vukcevic und Groß, die mit der Profi-Mannschaft trainierten und in den Testspielen auf sich aufmerksam machten. Bei Vorsah bin ich skeptisch, er scheint derzeit nicht den nächsten Schritt zu schaffen, um Luiz Gustavo bzw. Weis gefährlich zu werden. Und Maicosuel kann ich noch nicht so richtig zwischen Mittelfeld und Angriff einordnen.
Nicht alle Positionen sind doppelt besetzt, es gibt Lücken, insbesondere Carlos Eduardo ist unersetzlich. Bei einigen anderen Spielern muss man wirklich gucken, ob ihre Leistungsfähigkeit zur "Europa-League-Tauglichkeit" reicht, daher stehe ich genau zwischen dieser Wertung und "oberes Mittelfeld".
Angriff
Ibisevic trifft wieder, das ist die aus Hoffenheimer Sicht beste Meldung der letzten Zeit. Aber auch Obasi hat in den Testspielen aufgetrumpft. Da Demba Ba (abgesehen von seinem Wechseltheater) derzeit verletzt ausfällt, hat Rangnick mehrere Optionen: Entweder er zieht Carlos Eduardo mit nach vorne in den Angriff oder er stellt Maicosuel auf oder er beschränkt sich auf zwei Stürmer. Wellington hat in den Testspielen noch nicht bewiesen, dass man ihm eine größere Rolle geben kann, Terrazino dagegen hat einige vielversprechende Ansätze gezeigt und dürfte Einwechselzeit bekommen. Tagoe ist noch keine Option.
Der Anfang wird noch etwas holperig, nehme ich an, aber mit Ibisevic, Obasi und Ba hat Hoffenheim einiges Potential, das vielversprechend erweitert werden kann. Ich würde dem Sturm daher zugestehen, "Europa-League-tauglich" zu sein
Mutmaßliche Startaufstellung (Stand: 30.07.):
Hildebrand – Eichner/Ibertsberger, Compper, Simunic, Beck – Salihovic, Luiz Gustavo, Maicosuel (später: Ba) – Carlos Eduardo, Ibisevic, Obasi
Myr-Varnion
Jaja, das Team mit den U23 Spielern - natürlich allesamt aus der Region. Hoffenheims diesjährige Transferpolitik ist ein klarer Schritt in Richtung Normalisierung zu einem gewöhnlichen Mäzenatenverein, wobei noch unklar ist, ob der Mäzen den Verein dauerhaft unterstützen will oder letztlich irgendwann auf eigenen Füssen stehen lassen will. Ich möchte das gar nicht kritisieren. Wenn internationale Beteiligung das Ziel ist, gibt es zu dem eingeschlagenen Kurs keine Alternative.
Die Transfers zeigen auch, dass Hoffenheim gewissermassen im Diego-Dilemma steckt. Wer zu oft gut scoutet, der kriegt keinen guten Preis mehr. Daher muss man zwangsläufig auch stärker auf bewährte Spieler setzen.
Die Saison wird für Hoffenheim mit der Abwehr stehen und fallen. Dass Rangnick die Vierer-Kette in der Theorie beherrscht, wissen wir. Bei Hoffenheim muss er sie noch in eine überzeugende Praxis umsetzen. Wenn Simunic seine Form fortsetzen kann, kann das gelingen. Simunic war allerdings in der Vergangenheit oft stark formschwankend und es stellt sich auch die Frage, ob es nicht gerade die Kombination Friedrich/Simunic war, die seine Leistung gefördert hat. Nun spielt neben ihm kein Routinier mehr, sondern Compper, der sein Stellungsspiel erst noch lernen muss.
Das Mittelfeld halte ich offensiv für mehr als nur europa-league-tauglich, defensiv aber nur für unteres Mittelfeld. Für mich drängt sich der Verdacht auf, dass Weiss nur wegen der Offensivüberlegenheit so gut aussah, aber unter Belastung doch nicht so stark ist.
Der Sturm ist Klasse. Ich bin gespannt, ob Ibisevic weiter zuschlägt, auch wenn der Ueberraschungseffekt jetzt nicht mehr gegeben ist. Mit Obasi und Demba Ba stehen aber zwei komplette Stürmer bereit, denen alles zuzutrauen ist.
Dajin
Oleeeee, Eintracht Trieeeeeer, Oleeee Oleeeeee
(Dajin im Ausnahmezustand. Hannover steigt ab.... )
Rondrian von Falde
Ich hatte eigentlich erwartet dich heute nicht vor 2 Uhr hier zu lesen.
Dajin
Ich musste ja schnell aus dem Stadion raus, um mir das nochmal im Fernsehn anzugucken.
El Vespertilio
So. Keine Stimme mehr. Die Footäääng ist schon ne geile Truppe. alle plattfüssig, jeder zwei linke Holzbeine und an jedem Fuß 5 Daumen. Aber schön beinah dem HSV die Tour versemmelt. Zimmert denen der Lumpi in der letzten Sekunde der Verlängerung den Schinken rein....
95 Olé!!!!