Der Dorftempel 2

Suensir
Da mein erster Thread verschwunden ist, muss ich ihn nochmals eröffnen.

Die Frage, die sich mir gestellt hat, ist folgende:

Wie sieht die Ländliche Religionsausübung im 12-Götter-Aventurien aus?
In Europa stand in jedem Dorf eine Kapelle oder eine Kirche. Dort beteten alle zusammen zu einem einzigen Gott, der für alles zuständig ist. In Aventurien hat man deren 12, mit genau definierten Zuständigkeitsbereichen. Schon in einer kleinen Ortschaft, eigentlich schon die Belange und Sorgen eines einzelnen Menschen, fallen aber in den Bereich vieler Gottheiten. In einer Stadt gibt es aus diesem Grund Tempel für verschiedenen Gottheiten und das Problem ist deshalb dort nicht so akut. Im persönlichen Gebet ist es auch nicht problematisch - je nachdem kann man zum einen oder anderen Gott beten.
Beim Bau und "Betrieb" eines einzigen Dorftempels mit einem Geweihtem sieht die Sache aber anders aus. Zelebriert ein Traviageweihter auch mal einen Efferdsgottesdienst, wenn der Regen lang ausbleibt, oder lässt er zu Peraine beten, wenn die Felder bestellt werden?
Ausserdem muss sich ein Geweihter in seinen Predigten auch allgemein mit den übrigen 12-Göttern auseinandersetzen.
Wie sieht das konkret aus?
Der Maekkel
Ich denke der örtliche Perainegweihte wird ein Gebet immer mit der Nennung seiner Gottheit und es anderen Zwölfgottes der gerade "gebraucht" wird verbinden.

Ähnlich wie es bei den Liturgien angegeben ist, d.i. den 12 Segnungen: z.B. Glückssegen:
Im Namen von Travia, Aves & Phex segne ich Dich mit Glück auf deinen Reisen, so das du, mein lieber Bernfried alsbald sicher in deine Heimat zurückkehren kannst!

Auch kann ich es mir, gerade für einen Dörfler der halt nicht die "Dorfgottheit" als seinen Leitgott sieht, gut vorstellen - das dieser eventuell einmal im Leben davon träumt zu (Haupt-)Tempel seiner Gottheit zu pilgern.

Aber es ist auch eine Sache des Geweihten - wie sehen die Kapazitäten und der Willen aus die Dörfler über die anderen Zwölfe zu unterrichten.
z.B. kann man aus Praios auch eine prima "Ackergottheit" machen - immherin sind Zeitmessung/Kalenderrechnung sowie die Sonne seine Aspekte. Zwei Dinge die für Bauern recht wichtig sind.
oe-aus-o
Ich denke, dass es zudem eine recht hohe Anzahl wandernder Geweihter gibt, die in einer Region umherziehen und nicht immer in ihrer Hauptkapelle sitzen.

Wenn dann im Dorf ein kleiner Schrein (und sei es nur eine Niesche mit kleiner Ingerimmstatue in der Wand der Schmiede) vorhanden ist, wird dort eben gepredigt.
Mit manchem Rahjanischen Problem kann man ja auch ein Paar Wochen warten, bis der Geweihte vorbeikommt.

Dann noch ein Paar Laienprediger (Akoluthen) dazu und man hat eine recht hohe Abdeckung.
Die unausweichlichen Segnungen (Geburts-, Grab-, Eidsegen und Initiation) kann ja jeder Geweihte durchführen. Wenn dann einmal im Monat irgendein Geweihter vorbeischaut ist das nicht zu wenig und in der Gesamtheit der Zwölfe kämen wir auf einen Besuch pro Dorf und Jahr. Absolut schaffbar.

Außerdem denke ich, dass es erhebliche Unterschiede in der Häufigkeit der Geweihten, je nach Gottheit gibt. Die Perainekirche ist in meiner Vorstellung immer eine Massenkirche. Die halten nur deshalb nicht riesige Conventions ab, weil sie eigentlich immer was wichtigeres zu tun haben, als rumzusitzen und zu reden.

Zur Auseinandersetzung mit den anderen Zwölfen schließe ich mich Maekkels Meinung an. Die zwölf Segnungen machen's ja vor. Auch glaube ich, dass es recht viele "Mehrzweckkapellen" gibt, wo beispielsweise die drei gütigen Schwestern verehrt werden.
Das muss jetzt kein geweihter Boden sein. Vielleicht nur ein Raum, in dem drei (evtl.
objektgesegnete) Statuen stehen.

Wenn man in Bayern mit seinen Zahlreichen Kleinstkapellen und überall verstreuten Kruzifixen aufgewachsen ist, kann man sich sowas leicht vorstellen großes Grinsen
Poliziano
Ich denke es mir so, dass ein Geweihter der Zwölfgötter die jeweiligen anderen 11 ja nicht leugnet (unabhängig von der Frage, ob er über eine Systematik verfügt). Entweder ist er also gewissermaßen für alle zuständig, oder sie lassen sich analog zur Heiligenverehrung für eine besondere Fürbitte verwenden bzw. ganz separat für Bitten laufen lassen. Das dürfte dann doch auch im angestrebten irdisch-aventurischen Vergleich die erwünschte Grauzone zwischen Christentum und Polytheismus sein.