Freier Lanzer (Selbstständigkeit / Freiberufler)

Trollkongen
Wie im "bad day"-Thread schon erwähnt: Meinereiner macht sich demnächst selbstständig, jedenfalls vorübergehend, bis er einen tollen sozialversicherungspflichtigen und unbefristeten Job mit irrem Gehalt etc. gefunden hat.

Da das Ganze im redaktionellen Bereich stattfindet, bin ich dann also Freiberufler. Klingt super. Ahnung hab ich bislang aber wenig. Der erste Schock war ja schon, dass die (gesetzliche) Krankenversicherung unanständige Dinge mit mir vorhat.

Weil hier in Vinsalt aber bekanntlich die Intelligenzia und soziale Elite zu Hause ist, dachte ich, vielleicht kann mir jemand etwas Licht in das Dunkel meines Oberstübchens bringen.

Folgende Fragen:

- Wie sieht's mit privater Krankenversicherung aus? Gute Idee? Welche? Welche nicht? Bei geschätzten 1000 € Einkommen sind die gesetzlich abzuführenden 270 € (Berechnung nach fiktivem Mindesteinkommen von 1900 €. Witzbolde!) quasi nicht bezahlbar. Dann lieber hartzen ...
- Was muss ich in Sachen freiberuflicher Selbstständigkeit beachten? Thema Scheinselbstständigkeit. Ein bisschen hab ich mich informiert, aber so ganz leuchtet da noch nichts. Ist es sinnvoll, von selbst kein Statusfeststellungsverfahren anzuleiern? (Zumal die Selbstständigkeit nicht auf Dauer geplant ist.)
- Bezahlung: Da ich einige arbeiten fortführe, die ich jetzt (als Werksstudent) schon mache, kann ich wohl nicht plötzlich wesentlich mehr als die 9 € pro Stunde rausholen. Mehr muss es natürlich sein, schon allein wegen der Sozialversicherung, die der Verlag einspart und die ich übernehmen muss/kann, aber da ich den Job brauche ... Gibt es sonst noch was zu beachten?
- Anything else?

Merci beaucoup!
El Vespertilio
Krankenversicherung:

Mach nen Termin mit nem unabhängigen Versicherungsmakler und lass dich beraten. ich bin bei der DKV und bin ziemlich zufrieden.

Scheinselbstständigkeit:

Es reicht wenn du wen kennst dem du eine Rechnung stellst. Somit hat sich die Frage erledigt. Zumindest machen das die Herren und Damen aus der Modebranche in meinem Freundeskreis so.

Bezahlung:

9,-€?!!? Bist du verrückt? Du bezahlst auf einmal alles selber. 15 sollten es also schon sein.

Steuern:

Solltest du doch länger freischaffen, leg dir sofort nen Steuerberater zu.

Versicherung:

Je nach Größe von Aufträgen solltest du dich auch rechtlich absichern.

In welche Richtung redaktioneller Arbeit solls denn gehen?
karli
Was heißt denn "redaktioneller Bereich"?
Trollkongen
Zitat:
Original von El Vespertilio
Bezahlung:

9,-€?!!? Bist du verrückt? Du bezahlst auf einmal alles selber. 15 sollten es also schon sein.


Jaja. Das Problem ist, dass ich den Job brauche und in mancher Hinsicht eben kaum anderes tue als vorher bzw. andere Studenten. Und da sind's eben 9 €. Wesentlich mehr wird also schwierig herauszuhandeln, jedenfalls was diese Tätigkeiten angeht.

Und Abgaben habe ich ja eher wenige. Krankenversicherung eben, die musste ich aber vorher auch selbst bezahlen. Rentenversicherung werde ich mir vorläufig wohl sparen, so oder so wäre das aber nicht soviel. Oder übersehe ich da was?

Also ich denke, mehr als 12 € wird schwer zu vermitteln sein, mein derzeitiger Arbeitgeber bzw. zukünftiger Auftraggeber ist ja leider nicht doof. Augenzwinkern

Anders sieht es bei einem Projekt aus, dass ich von einer anderen Abteilung bekomme. Das ist schon etwas anspruchsvoller.

Zitat:
Steuern:

Solltest du doch länger freischaffen, leg dir sofort nen Steuerberater zu.


Jo. Wobei ich erstmal nicht denke, dass ich in den Bereich komme, in dem ich über Absetzungenmöglichkeiten groß rätseln muss.

Zitat:
Je nach Größe von Aufträgen solltest du dich auch rechtlich absichern.

In welche Richtung redaktioneller Arbeit solls denn gehen?


Das sind einerseits Sachen im Bereich von "Content Management", also Webseiten-Pflege. Anderseits kommt vermutlich noch dazu, die entsprechenden Inhalte von außen zu holen und die Texte zu redigieren.
Außerdem betreue ich auch für eine Freundin ihre (kommerzielle) Seite.

Wenn ich aber schon selbstständig bin, wollte ich gucken, ob ich nicht noch woanders alles Mögliche an Aufträgen bekomme, je nach Lust und Zeit.
oe-aus-o
Zitat:
Original von El Vespertilio
Scheinselbstständigkeit:

Es reicht wenn du wen kennst dem du eine Rechnung stellst. Somit hat sich die Frage erledigt. Zumindest machen das die Herren und Damen aus der Modebranche in meinem Freundeskreis so.


Ich bin sicher, dass El diese Anstiftung zum Betrug nur Scherzhaft gemeint hat, was er wahrscheinlich auch gleich nochmal bestätigt.

Die Scheinselbstständigkeit ist ja für den Fall, dass man nur EINEN Auftraggeber hat.
Wenn Du also für irgendwen anderes noch eine Tätigkeit ausübst, und sei es eine noch so kleine Recherche, ein noch so kurzer Text, bist Du nicht mehr Scheinsselbstständig.
Wichtig ist allerdings, dass ein Vertrag zustandekommt, idealerweise durch entsprechende Geldflüsse belegbar.

Bringe bei den Verhandlungen mit ein, dass Du das ja machen musst, also auch hin und wieder den zeitlichen Freiraum hast, für einen Zweiten zu arbeiten.

Wenn die Freiberuflerei nur kurzfristig angedacht ist, wäre das Fehlen weiterer Auftraggeber ein Grund, in das Angestelltenverhältnis zu wechseln, gegen den seitens des Finanzamts eigentlich nichts sprechen dürfte.

Dem TIp mit dem Steuerverr... ähh..BERATER kann ich mich nur anschließen und auch mit der DKV bin ich seit Jahren zufrieden.

Achte darauf, möglichst vollumfänglich die Haftung in Deinem Auftrag auszuschließen, dass ist die beste Versicherung von allen großes Grinsen

Bist Du noch Student? Ich zahle bei der DKV im Studententariv ca. 110 Euro ohne Selbstbeteiligung. Und dafür kriege ich einen Chefarzt!
El Vespertilio
Zitat:
Original von oe-aus-o
Zitat:
Original von El Vespertilio
Scheinselbstständigkeit:

Es reicht wenn du wen kennst dem du eine Rechnung stellst. Somit hat sich die Frage erledigt. Zumindest machen das die Herren und Damen aus der Modebranche in meinem Freundeskreis so.


Ich bin sicher, dass El diese Anstiftung zum Betrug nur Scherzhaft gemeint hat, was er wahrscheinlich auch gleich nochmal bestätigt.


Natürlich. *Hüstel*. Wobei so wie die es anstellen mWn legal ist. Immerhin buchen und bezahlen die sich gegenseitig für ein Shooting, eine Runde Schminken etc.

Gut. Alles unter 7664,- ist steuerlich frei. Ab dann fängt das Gerechne an - oder ab dem Punkt wo es sich für dich und den Berater (in spe) lohnt.

Frag doch deinen Arbeitgeber (a.d.), wie hoch in deinem Fall Lohnnebenkosten etc. sind. Vllt lässt sich ja eine Vergütung kurz darunter oder genau darauf finden. Fragen/verhandeln schadet in den wenigsten Fällen.
Drusus
Zitat:
Original von Trollkongen
- Wie sieht's mit privater Krankenversicherung aus? Gute Idee? Welche? Welche nicht? Bei geschätzten 1000 € Einkommen sind die gesetzlich abzuführenden 270 € (Berechnung nach fiktivem Mindesteinkommen von 1900 €. Witzbolde!) quasi nicht bezahlbar. Dann lieber hartzen ...


Tja ... über diese Frage kann man lange diskutieren.

- die niedrigen Beiträge werden nicht so bleiben, das wird später arg anziehen. Schon Viele haben im Alter das Kotzen gekriegt wegen der hohen Beiträge. Soll das langfristig so bleiben müssen unbedingt schon früh Rücklagen gebildet werden, um später die hohen Beiträge zahlen zu können. Gab letztens erst wieder eine Artikel auf SPON, dass schöne neue Privatversicherungswelt langfristig nicht so rosig aussieht. Hinzu kommt, daß Dank der Kostenexplosion die Privaten auch nicht mehr alles zahlen werden.

- ebenfalls für die strategische Planung zu berücksichtigen: es gibt keine Familienversicherung. Kinder oder ggf. der Ehepartner müssen im Zweifel extra zahlen.

- Vorerkrankungen sind immer schlecht. Je gesund beim Abschluß, desto besser.

- Wirst Du später normaler Angestellter mit normalem Gehalt musst Du vermutlich eh wieder in die Gesetzliche.

Grundsätzlich würde ich mir bei der Stiftung Warentest und beim Bund der Versicherten mal Infos besorgen und mich schlau machen.
Trollkongen
Zitat:
Original von oe-aus-o
Wenn Du also für irgendwen anderes noch eine Tätigkeit ausübst, und sei es eine noch so kleine Recherche, ein noch so kurzer Text, bist Du nicht mehr Scheinsselbstständig.
Wichtig ist allerdings, dass ein Vertrag zustandekommt, idealerweise durch entsprechende Geldflüsse belegbar.


Gut, das wäre schon erfüllt, eben weil ich der Freundin die Webseite gebaut habe und sie weiterhin betreue - gegen Umsatzbeteiligung. Das über eine Rechnung zu machen, sollte ja das geringste Problem sein - muss sie ohnehin, da sie Gewerbetreibende ist.

Zitat:
Bringe bei den Verhandlungen mit ein, dass Du das ja machen musst, also auch hin und wieder den zeitlichen Freiraum hast, für einen Zweiten zu arbeiten.


Äh, was machen muss?

Zitat:
Wenn die Freiberuflerei nur kurzfristig angedacht ist, wäre das Fehlen weiterer Auftraggeber ein Grund, in das Angestelltenverhältnis zu wechseln, gegen den seitens des Finanzamts eigentlich nichts sprechen dürfte.


Oh, ich hätte nichts gegen ein Angestelltenverhältnis. Geht aber seitens meines Arbeitgebers nicht (mehr), da ich ab April kein Student mehr bin. Ich weiß, moralisch nicht unbedingt sauber und auch arbeitsrechtlich nicht unproblematisch, aber c'est la vie ...

Zitat:
Bist Du noch Student? Ich zahle bei der DKV im Studententariv ca. 110 Euro ohne Selbstbeteiligung. Und dafür kriege ich einen Chefarzt!


Nein, leider ab April nicht mehr. Es gibt aber, hat eine kurze Recherche offenbart, recht preiswerte private Versicherungen. Ist bloß die Frage, wie schlau das ist ... es heißt ja: Einmal privat, immer privat. Da ich nicht ganz durchblicke, habe ich etwas Bammel, auf lange Sicht irgendwas blödes zu machen.
Drusus
Zitat:
Original von Trollkongen
Ist bloß die Frage, wie schlau das ist ... es heißt ja: Einmal privat, immer privat. Da ich nicht ganz durchblicke, habe ich etwas Bammel, auf lange Sicht irgendwas blödes zu machen.


Nö, als Angestellter hängt das vom Einkommen ab. Wenn Du nicht grade über die Grenze kommst musst Du Dich praktisch zwangsweise gesetzlich versichern.
El Vespertilio
Zitat:
Original von Trollkongen
es heißt ja: Einmal privat, immer privat. Da ich nicht ganz durchblicke, habe ich etwas Bammel, auf lange Sicht irgendwas blödes zu machen.


Das mag so heißen, stimmt aber nicht.
Drusus
Mal lesen:

http://www.bundderversicherten.de/

Berufsunfähigkeit ist auch ein wichtiges Thema!
Trollkongen
Zitat:
Original von El Vespertilio
Frag doch deinen Arbeitgeber (a.d.), wie hoch in deinem Fall Lohnnebenkosten etc. sind. Vllt lässt sich ja eine Vergütung kurz darunter oder genau darauf finden. Fragen/verhandeln schadet in den wenigsten Fällen.


Das weiß ich ja: Ist ein Midijob, kann man also (wenn auch recht kompliziert) ausrechnen. Im Höchstfall - also 800 € - bezahlt er die Hälfte des Rentenversicherungsbeitrags, also knapp 10%. Ich ebenso. Macht also 160 €, die ich jetzt mehr bekommen müsste, also 20%. Da wären wir bei um die 11 €.
oe-aus-o
Zitat:
Original von Trollkongen

Zitat:
Bringe bei den Verhandlungen mit ein, dass Du das ja machen musst, also auch hin und wieder den zeitlichen Freiraum hast, für einen Zweiten zu arbeiten.


Äh, was machen muss?



Für mindestens einen weiteren Auftraggeber arbeiten.
Trollkongen
Zitat:
Original von oe-aus-o
Zitat:
Original von Trollkongen

Zitat:
Bringe bei den Verhandlungen mit ein, dass Du das ja machen musst, also auch hin und wieder den zeitlichen Freiraum hast, für einen Zweiten zu arbeiten.


Äh, was machen muss?



Für mindestens einen weiteren Auftraggeber arbeiten.


Und was soll das bringen? Ich sehe nicht, wo das meine Verhandlungsposition stärken soll.

Das Problem ist, dass der Verlag ziemlich geizig bzw. gewinnorientiert ist. Ich weiß, dass man mich und meine Arbeit sehr schätzt, aber andererseits sind die sehr auf den Ausgabenpunkt bedacht ... da muss ich also aufpassen, nicht von einem Studenten ersetzt zu werden.
Nazir ibn Yussuf
Zitat:
Original von oe-aus-o
Für mindestens einen weiteren Auftraggeber arbeiten.

Aber das meinte Vespi doch die ganze Zeit: Arbeite (neben der eignetlichen Sache) für einen Freund (der dann Auftraggeber Nr. 2 ist)! Ich sehe keine Anstiftung zu 263ern.

Wobei ich eh k**ze, wenn ich das Wort nur höre.
oe-aus-o
Zitat:
Original von Trollkongen

Und was soll das bringen? Ich sehe nicht, wo das meine Verhandlungsposition stärken soll.


Es soll nicht Deine Verhandlungsposition stärken sondern ist schlicht eine Notwendigkeit.
Wenn ich nicht völlig falsch informiert bin, kriegen die ja auch Ärger (zumindest eine Sozialabgaben-Nachzahlung), wenn sie Dich in Scheinselbstständigkeit beschäftigen.

Es ist also in eurer beider Interesse, dass Du einen zweiten Auftraggeber hast. Wenn Du Dich um die Homepage am Wochenende kümmerst, stärkt DAS Deine Verhandlungsposition.
"Wenn ich hier die ganze Woche arbeiten soll, dann muss ich auch am Wochenende arbeiten, damit wir beide nicht Ärger mit dem Fiskus kriegen..."
Trollkongen
Zitat:
Original von oe-aus-o
Es soll nicht Deine Verhandlungsposition stärken sondern ist schlicht eine Notwendigkeit.
Wenn ich nicht völlig falsch informiert bin, kriegen die ja auch Ärger (zumindest eine Sozialabgaben-Nachzahlung), wenn sie Dich in Scheinselbstständigkeit beschäftigen.

Es ist also in eurer beider Interesse, dass Du einen zweiten Auftraggeber hast. Wenn Du Dich um die Homepage am Wochenende kümmerst, stärkt DAS Deine Verhandlungsposition.
"Wenn ich hier die ganze Woche arbeiten soll, dann muss ich auch am Wochenende arbeiten, damit wir beide nicht Ärger mit dem Fiskus kriegen..."


Achso. Naja, ist ja nicht der Fiskus, der auf's Dach steigt, sondern der Rentenversicherungsträger. Aber da bin ich guter Dinge, weil ich eben den zweiten Job habe. Hinzukommt, aber ich weiß nicht, inwieweit das ein Argument ist, dass ich für verschiedene Abteilungen bei uns arbeite, die teils auch eigene Budgets haben.

Danke jedenfalls schonmal!
oe-aus-o
Zitat:
Original von Trollkongen
Hinzukommt, aber ich weiß nicht, inwieweit das ein Argument ist, dass ich für verschiedene Abteilungen bei uns arbeite, die teils auch eigene Budgets haben.


Bringt leider nichts, ist aber für das interne Controlling natürlich eine schöne Sache.
Horasischer Stutzer
Ich bin selber als selbständiger Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberater tätig und zu meinem Aufgabenbereich gehört u.a. auch die Unterstützung von Existenzgründern.
Was ich in diesem Faden eben überflogen habe beinhaltet sehr viel Halbwissen und leider auch einige nicht korrekte Aussagen.
Ich würde dir gerne helfen, aber das ist schwer in ein paar Sätzen in einem DSA-Forum.
Deshalb einfach nur als 1. Tipp erkundge dich erstmal über Deine Möglichkeiten beim Arbeitsamt.
Wenn Du einen Versicherungsberater aufsuchst, denke daran, viele von denen leben nur von Provisionen und beraten nicht immer objektiv.
Überlege Dir langfristige Verträge (PKV, BU) ganz genau, es gibt auch in der GKV viel günstigere Versicherungsmöglichkeiten, in denen dein echtes und nicht ein Pauschaleinkommen die Grundlage ist.