Arztserie als Gruppenthema?

Horatin
Ich hab Urlaub und hab grad im Bett Srubs geguckt. Schöne Grüße übrigens an die arbeitende Bevölkerung.... IHR SOLLT ARBEITEN UND NICHT IM FORUM RUMGURKEN! Augenzwinkern

Ansonsten kam mir mehr aus Jux und Dollerei die Idee einer Themengruppe ala Arztserie. Die gibt es ja wie Sand am Meer. Selbst Privatdetkivarbeit ala Quincy wäre möglich.

Macht sowas Sinn? Denn die Gruppe wäre defacto auf einen Ort, ja gar mehr oder minder auf einen Ort beschränkt. Kann man auf Dauer da ein Spiel interessant gestalten? Würde das Spaß machen? Würden sich die ähnlichen Charkonzepte auf den Sack gehen (ich meine von den Werten her wären die alle ähnlich, die ware Unterscheidung käme ja nur durch die Charakterdarstellung)

PS: Oder M*A*S*H. Das Feldlazarett in Ilsur als es noch belagert wurde Augenzwinkern
Sineijdan ar Asjawell
Coole Idee.

Man hat allerdings natürlich das Problem, dass die Helden individuell gespielt werden und sich an keinen Erzählplan halten, sondern diesen im Gegenteil eher unterlaufen. Ein abenteuerübergreifender Handlungskomplex wie die Romanze zwischen Elliot und J.D. wird also kaum funktionieren und auch die Pointen, die die Serie ja so nett machen, sind knallhart gescriptet. Das klappt so im Abenteuer nicht.
Horatin
Genau den Gedanken hatte ich auch, wenn aber sowas wegfällt, würde das Ganze dann noch funktionieren? Wenn ja wie?
Sineijdan ar Asjawell
Wenn man eine gute Gruppe hast, die zum Beispiel Spaß an solchen Redeschwällen wie die von Dr. Cox hat (und das nicht etwa als bösen Angriff versteht) und wenn sich die Spieler dazu bereit sind, z.B. in Tagträumereien zu verfallen, auch wenn es für sie in der Situation ungünstig ist, dann kann das schon klappen. Man muss es vermutlich vorher sehr deutlich aussprechen: "Wir versuchen, den Flair von Scrubs einzufangen, also verhaltet euch entsprechend". Mit Gamisten kannst du das vergessen.

Grundsätzlich ist die Medienlücke zwischen Dudelglotze und interaktivem Abenteuertext natürlich tief wie der Mariannengraben, da darf man sich nix vormachen.

Eine Variante wäre, dass man die hart konturierten Charaktere, wie etwa Cox und J.D. als NSCs laufen lässt und die weichgezeichneten und flexiblen Heldenpersonen bewegen sich im selbstgesteuerten Nebenraum, sind also vielleicht "andere" Hilfsärzte und Anfänger. Dadurch könnte man es vielleicht schaffen, dass einerseits Stimmung und Pointen gerettet werden, andererseits ein irgendwie natürliches, weil eigennutzenmaximierendes Spiel quasi parallel dazu laufen kann. Der besondere Witz der Situation wäre dann an den Stellen zu suchen, wo sich die beiden Personengruppen kreuzen, also wenn ein Held zufällig auch mal einen Anschiss bekommt oder so.
Ebeyon
Wenn man eine fahrende Medici-Gruppe daraus macht, dann erweitert man zumindest den regionalen Radius.
Naja, so ein paar (un)natürliche Todesarten aufklären, Giftanschläge, Verfluchungen,
so ein paar Abenteuer die einen medizinischen Hintergrund als Aufzieher haben sollten da wohl möglich sein.

Ob TV-Dramatik wie Todesfälle, unheilbare Krankheiten oder glückliche Geburten ins Rollenspiel rübergebracht werden können (und sollten) ist fraglich.

Naja, Humor und Slapstick funktionieren nur dann, wenn die Gruppe dafür geeignet ist (gleicher Humor, Schlagfertigkeit) bzw sich auch darauf einigt.
Und ständig nur Patienten veralbern könnte ins Auge gehen.

Prinzipiell sollte man aber schon den einen oder anderen Abend angenehm mit solch einer Themengruppe verbringen können.
Horatin
Hmmm Scrubs war eigentlich nur das Beispiel was mich zu der Überlegung führte. Es gibt ja noch ER, Chicago Hope, Quincy, Dr. House, M*A*S*H uvm.

Gut, man braucht passende Spieler. "Theaterschauspieler" die einfach Lust am Reden haben und nicht am Plot. Ich denke mal wenn man das wirklich hinkriegt (was ziemlich unmöglich sein dürfte) braucht man eigentlich nicht viel mehr. Die legen schon los wenn man ihnen einen Brocken hinwirft.

Man kann den Humor nicht übertragen, klar soweit, was wäre bei so einer Truppe Theaterspieler ein normaler Spielabend. Im Idealfall muss man denen ja nur den "Brocken" hinschmeissen und die legen los. Aber das Element brauchen sie. Beispielsweise "Erste Erfahrung mit dem Tod" weil ein Patient stirbt. Schöne Idee für tiefes Spiel, aber nach dem 5 Patienten der einem verreckt wird das auch langweilig. Was könnte man als Plot nehmen für eine Folge/Spielabend?
Ebeyon
Zitat:
Was könnte man als Plot nehmen für eine Folge/Spielabend?


Dramatik
Todesfall und Geburt sind schnell ausgereizt.

Die Suche nach einem bestimmten Heilkraut oder anderer Substanz unter Zeitdruck dürfte auch nur ab und zu taugen.

Kriminalistische Aufhänger, da kann man natürlich öfter was machen.

Vielleicht eine Flucht, weil die Dorfbewohner garnicht wollten, daß Jemand herausfindet daß der Gutshofbesitzer doch nicht vom Pferd gefallen ist, sondern ein Knüppel nachgeholfen hat.

Aufklärungsarbeit und Hygiene.
...esst nicht soviel schimlliges Brot, dann gehts dem Magen besser... nehmt nicht das Wasser aus dem Bach unterhalb der Mine, daher kommt der flinke Difar. Nehmt es von oberhalb...
Sineijdan ar Asjawell
Bei Scrubs wird meines Erachtens besonders schnell klar, dass das ganze Krankenhausgeschäft eine reine Kulisse für Zwischenmenschlichkeiten ist. Freilich eine schlaue, z.B. weil ständig neue Menschen in die Handlung gespült werden können (vergleichbar mit der Planetenkulisse in Star Trek). Um das Krankenhaus selbst geht es aber gar nicht.

Und dieser möchtegern-philosophische Subtext, quasi diese tiefschürfenden "Erkenntnisse" der einzelnen Folgen, sind schon sehr dick aufgetragener amerikanischer Scheiß und entsprechend vollkommen beliebig und dumm.

Meine Schlussfolgerung daraus lautet: Wenn ich eine Arztserie ins Rollenspiel übertragen würde, dann würde ich den Arztkomplex praktisch minimieren und auf Tod und Drama würde ich mich eigentlich auch nicht einlassen. Ein schönes Abenteuer hingegen wäre: "Wer kriegt Giftshop-Girl rum". Und das würde in der Rollenspielsituation dann auch funktionieren.
Nazir ibn Yussuf
Zitat:
Original von Horatin
Würden sich die ähnlichen Charkonzepte auf den Sack gehen (ich meine von den Werten her wären die alle ähnlich, die ware Unterscheidung käme ja nur durch die Charakterdarstellung)

Das sehe ich zB nicht als Problem. Immerhin reizt das ja grade, mal Varianten des stereotypen Feldschers zu spielen - oder ganz andere Professionen.
Sineijdan ar Asjawell
Wie gesagt: Es geht ja beim Wesen der Arztserie gar nicht um Pillen und Krankenkassenabrechnungen, oder höchstens sehr nachrangig.

Und als Charaktere unterscheiden sich Elliot, Carla, J.D. und Dr. Cox schon extrem, so dass jeder in einer Gruppe ganz prima eine Sparte füllt.
oe-aus-o
Den Hausmeister nicht vergessen!
Sineijdan ar Asjawell
Jan Itor? Der ist doch Dr.? smile
Irian
Graf Hardimund
Ich bin ein großer Freund von Kampagnen, bei dem die Helden ein gemeinsames Thema und einen gemeinsamen Ort haben, an dem sie sich regelmäßig aufhalten und der ihnen wichtig ist. Das kann gerne das Siechenhaus am Rande der Stadt sein, oder auch, mobil, ein Piratenschiff, oder auch nur eine gemeinsame Stammkneipe.

Meine Erfahrung ist, dass sich vieles, was für TV-Serien typisch ist, ganz automatisch ergibt, ohne das man es groß planen muss - und groß planen kann. Das erlebe ich gerade auch wieder in der Königsmacher-Kampagne.

Beziehungen, Freundschaften, Feindschaften der Charaktere untereinander und zu NSC und sich daraus ergebende Miniplots und Running Gags. Episoden

Die daraus entstehenden Dialoge und Pointen sind vielleicht nicht ganz so perfekt, wie gescriptete. Aber das ist eben Rollenspiel.

NSC, die einmal in die Kampagne eingebracht sind, tauchen ganz automatisch wieder auf: Wenn die Helden in der letzten "Folge" einen Einbrecher verarztet haben, werden sie an ihn denken, wenn sie irgendwo vor einer verschlossenen Tür stehen.

Der Wechsel zwischen gemeinsamen und eigenen Szenen, Plänen und Handlungen: Der Medicus hängt ja nicht nur im Krankenhaus rum, sondern hat vielleicht auch Familie und/oder eine Geliebte in der Stadt. Der "Geschäftsführer" möchte vielleicht in den Magistrat gewählt werden.

Vertrautheit mit dem Schauplatz: Die Spieler werden von sich aus ihren Schauplatz aufhübschen. Sei es, indem sie als Spieler Details "herbeierzählen", sei es, indem die Helden Veränderungen vornehmen.

Mein Vorschlag: plane keine Arztserie, plane eine Mini-Kampagne an einem festen Ort mit dem Thema "Siechenhaus". Spiel ein bisschen Idee-Ping-Pong mit den Spielern, um geeignete Charaktere zu finden. Plane ein paar Plots und Herausforderungen für einzelne Folgen. Ein Hauptgegner (muss in diesem Fall keine greifbare Person, sondern vllt. eine Seuche oder Not und Elend im Allgemeinen sein) kann auch nicht schaden. Lass die Spieler drauf los und guck, was sie draus machen. "Fernsehen" wird das dann von selbst.

Gruß
Graf Hardimund
Ebeyon
Ich denke, wenn man erstmal angefangen hat, wenn man erstmal eine Gruppe hat und alle damit einverstanden sind auch mal etwas rumzublödeln und rumzusticheln nebenbei, dann ergibt ich viel von selbst und viele "Abenteuer" ergeben sich dann einfach aus den vorherigen.
Vielleicht muß man ja mal den geheilten Einbrecher suchen, weil man seine Dienste braucht und er einem ja noch "einen Gefallen schuldet"....

Und schon hat man seine "Serie".
Horatin
Hmmm genau das was mich geistig bewegte. Danke smile
Feyamius
Keine Arztserie, aber ich werde mit ein paar Leuten bald über Skype eine Themengruppe inspiriert von einer TV-Serie starten. Ich bin schon sehr gespannt darauf, wie wir den Spagat zwischen augenzwinkernder Anlehnung und aventurisch plausiblem, einigermaßen ernsthaft-spannendem Spiel hinbekommen werden. Das wird super! großes Grinsen

Wer die Serie wissen möchte, werfe einen Blick in meine Signatur. Augen rollen


Bye, Feyamius.