Aventurien Zum Aventurischen Boten 109

Lares ya Korigan
Geneigte Leser,

wiederum äußere ich mich später als beabsichtigt zur der gar nicht mehr so jungen Ausgabe des Aventurischen Boten 109.



1) Die Westflotte (de facto das Neue Reich) zerfällt

Man hört dieser Tage nur sorgenvolles von unserem Nachbarreich im Norden. Nun soll auch noch die Westflotte zerfallen sein, die Schiffe mit Deserteuren bemannt teils auf Plünderfahrt.
Ihnen sollen ja bereits erste Handelsschiffe zum Opfer gefallen sein. Unsere Comodore sollten gewappnet sein und diesem Treiben vor unseren Küsten sowie auf unseren Handelsrouten ein rasches Ende bereiten.

Dies nur, weil es dem fernen Gareth nicht länger möglich war, ausreichend Sold auszuzahlen. Zu nennen ist aber auch ein entschlafender Großadmiral, der es nach all den ruhmreichen Jahren nicht länger vermochte, die Moral aufrechtzuerhalten und die Versorgung seiner Flotte zu gewährleisten.
Unser Nachbarreich steht zweifellos kurz vor dem Kollaps. In mancher Vinsalter Loge werden auf den genauen Zeitpunkt bereits hohe Wettbeträge gesetzt – ich halte dies für kurzsichtig und zudem gänzlich unangebracht. In diesen Zeiten nützt uns kein schwacher Verbündeter. Zudem haben wir doch einen gemeinsamen Feind.

Einzelne Provinzen kehren hingegen dem Greifenthron seit längerem den Rücken und wollen wie jüngst in Albernia ihrer Lehnsherrin und Schwester (!) die eigenen Truppen nicht mehr zur Verfügung stellen. Zum anderen ist man auch noch untereinander zerstritten.
Auf dem Reichskongreß in Nordmarken möchte die tapfere Regentin Emer einen letzten verzweifelten Versuch wagen, sich die Gefolgschaft ihrer Provinzfürsten zu sichern – doch wie sollte ihr das in der Höhle des Löwen wohl gelingen ?!
Nein, in Elenvina wird sich der Einfluß Gareths weiter verringern und die Macht der Landesfürsten zunehmen.

Ob dieser Kongreß angesichts der jüngsten Berichte von der Trollpforte überhaupt noch stattfinden wird, ist indes eine ganz andere Frage.
Es bedarf meiner Ansicht nach gar keines Reichskongresses mehr um vollendete Fakten zu schaffen. Entweder die westlichen Provinzen stehen ihrer Lehnsherrin gegen den herannahenden Feind ohne Wenn und Aber in Treue bei oder Gareth ist dem Untergang geweiht. Denn die Provinzen Darpatien und Weiden allein werden diesem Ansturm der Schwarzen Horden jedenfalls nicht Einhalt gebieten können.


2) Nichts ist so wie es scheint

Nun soll eine Redakteurin des Boten hinter den abscheulichen Taten innerhalb der Rondrakirche stecken. Es ist erfreulich dass die Wahrheit ans Licht gekommen ist und dazu auch der Bote über die Missetaten seiner ehemaligen Schreiberin so offen berichtet.
Auch wurde deutlich, daß bestimmte Teile der Kirche den moderaten Kurs - was den Umgang mit Zauberkundigen betrifft - Ihrer Erhabenheit nicht so ganz teilen mögen.
Aber nichts desto trotz kann sich das Schwert der Schwerter der Gefolgschaft und Loyalität auch dieser kritischen Geweihten sicher sein. Einen Umstand um den sie die Regentin Emer nur beneiden kann.


3) Belhanka kürt neues Stadtoberhaupt

Hierzu möchte ich nur kurz anmerken, daß eine Dame die lange Zeit im Dienste der horaskaiserlichen Marine stand und einige Zeit Richterin war, eine ideale Besetzung als Bürgermeisterin ist. Dem geneigten Leser darf ich eine Reise in jene Stadt nur wärmstens empfehlen.


4) Thorwaler überfallen Küstenkloster

Offenbar schrecken Teile jenes Volkes nicht einmal mehr vor einem Frevel wider dem Herrn BORon zurück! Dies mag bei den meisten von uns helle Empörung hervorrufen, aber doch kein rechtes Erstaunen. Immerhin hat sich jenes Volk vor geraumer Zeit in großen Zahlen von den Zwölfen abgewendet, so dass ein Verbrechen wie dieses nur die zu erwartenden Folge sein konnte.
Hier handelt es sich nicht mehr um einen einzelnen Angriff sogenannter Außenseiter auf ein Schiff der Rahjakirche, sondern um einen konzentrierten Angriff, ja die geplante und kaltblütige Schändung eines Borontempels durch drei ketzerische Schiffsbesatzungen!
Nostria ist derzeit nicht in der Lage solche Raubzüge abzuwenden, ebenso wenig wie das taumelnde Mittelreich. Unsere Flotte sollte daher gewarnt sein und im Grenzgebiet Schützenhilfe leisten um weitere frevelhafte Plünderungen anderer Klöster zu verhindern.
Ich bin schon gespannt, wie man in Thorwal auf diesen unglaublichen Akt reagieren wird.
Nichts desto trotz sollte dies nichts an dem von uns geschlossenen Frieden mit dem Thorwalern ändern. Mit Blick auf die Ereignisse im Osten wäre ein neuerlicher Konflikt derzeit nicht zu verantworten.


5) Der endlose Heerwurm marschiert!

Die Zeit der trügerischen Ruhe ist vorbei. Erneut steht mehr auf dem Spiel als der Greifenthron. Hatten wir noch den eindrucksvollen Speerwurf Emers vor Augen und die hoffnungsstimmende Untätigkeit des Schwarzen Drachen, so scheint er nun doch einem Paukenschlag gleich geantwortet zu haben.
Zahllose untote Horden sollen die Grenze überschritten, die tapferen Rondrianer niedergemacht und aller Wahrscheinlichkeit das Heiligtum Boronia in ihre Gewalt gebracht haben! Die Grenztruppen haben klug gehandelt und den rechtzeitigen Rückzug angetreten.
Ob der Marschall von Berg noch ausreichend Truppen zur Abwehr wird sammeln können, wage ich zu bezweifeln. Hinzu droht wohl weiter Gefahr durch die Orken.
Welch eine aussichtslose Lage für die Neureicher!
Ich rufe meine werten Freunde in der Heimat auf, gemeinsam einen zweiten „Zug der Edlen“ auszuheben und um sich an der kommenden Schlacht zu beteiligen. Es liegt in unserem eigenen Interesse, daß diesem unheiligen Ansturm an Ort und Stelle Einhalt geboten wird.
Unsere Gesandten sollten derweil Gareth umgehende Hilfe in der einen oder anderen Form anbieten, wie es der Vertrag zwischen unseren Reichen bestimmt. Die Provinz Almada sollte zudem unseren Streitkräften freien Zugang ins Kampfgebiet gewähren, sofern Gareth – was ihr zu raten wäre – noch rechtzeitig um Waffenhilfe bittet. Dieser muß entsprochen werden.

Das Neue Reich steht am Scheideweg und ein jeder ist von den kommenden Ereignissen betroffen. Es wird daher mehr und mehr auf die Standfestigkeit und Entschlußkraft des Horasreiches und den Adlerthron ankommen und damit auf die Führung unserer weisen Regentin Armene Horas.


Mögen die allmächtigen Zwölfe uns alle in diesen Zeiten leiten und beschützen!
Kajani Rieinanjailäki
Nun, zur gar manchem bin ich Eurer Meinung, bei anderem hingegen eher wenig. Laßt mich das ausführen...

Was die Westflotte angeht, bin ich geneigt Euch voll und ganz zuzustimmen. Wenn auch die Verbitterung der Soldaten vielleicht verständlich seien mag (und mir angesichts solcher Vorfälle das Gefeilsche einiger Barone um Steuern geradezu verbrecherisch vorkommen will), ein Recht auf Plünderung und Meuterei kann dies mitnichten je bedeuten! Dafür kann es nur harte und entschlossene Gegenantwort geben - allein, das Reich hat dazu wohl kaum die Frauen und Männer in der Gegend parat. Albernia ist wieder einmal wenig hilfreich, wie es scheint.
Ich verstehe nicht, warum die Führerinnen der Flotte ihre Soldaten nicht unter Kontrolle halten konnten. Gab es den in einem solchen Hafen keine Geweihten, die den Kämpfern ihre Pflicht in Erinnerung rufen können? Und konnte man die Soldaten nicht zum Teil als Arbeiter, auf dem Feld oder beim Fischfang oder bei Handelsfahrten einsetzen? Alles besser, als Faulheit und Meuterei aufkommen zu lassen.
Gewiß könnte frau sagen, leicht ist es, jetzt im Nachhinein guten Rat zu geben. Allein, mir will doch scheinen, die Führerinnen und Führer der Flotte sollten befähigt sein, weit besser IHRE Arbeit zu tun, als ICH es denken kann. Schließlich sind SIE dafür ausgebildet.

In dem Zusammenhang kann ich nur sagen, daß ich aus meinem Herzen den Schiffen des Lieblichen Feldes Glück wünsche, die Piraten abzuwehren. Ebenso wie der jungen Königin Nostrias.
Ich denke aber, Ihr seht es zu schwarz, und tut damit keinen guten Dienst. Das Reich ist in Gefahr, ohne Zweifel - und das muß jede aufrechte Frau und jeden Mann bekümmern. Ob sie nun der Neutralität verbunden oder einem anderen Reich angehört, das macht keinen Unterschied. Denn ohne eine einige Gewalt in Gareth, was mag da geschehen? Das Gezänk auf dem letzten Grafentreffen, wo die Adligen sich zum Teil wie tolldreiste Narren gebärdeten - wie können sie eine Krise leugnen, wo die Zeichen des Schwarzen Ansturms schon übderdeutlich waren? Und einige waren sie sich natürlich auch mal wieder nicht, nicht mal in eigenen Dingen, noch waren sie fähig, die EInigung dort zu erzielen - hat dies wohl angedeutet. Und Kunde von der Gefahr internen Blutvergießens, sei es in Garetien oder anderswo, macht ja auch die Runde. Und dies JETZT!

Meiner Ansicht nach darf es in dieser Stunde kein Zögern, Zagen oder Warten geben. JEDE politischer Erwägung hat hintenan zu stehen! Es geht um das Seelenheil hundertausender, am Ende um die Schöpfung selbst. Denn fällt das Reich, so habe ich große Zweifel, daß der Hunger der jenseitigen Heerscharen damit gesättigt ist. Dann werden sie in ein paar Jahren, getrieben vom Haß ihrer Herren in den Niederhöllen, weitermarschieren. So lange, bis von Meer zu Meer nur noch Blut und Schatten, Rot und Schwarz, die Lande beherrscht.
Denn so groß die Stärke des Horasreiches auch sei - zerfällt das Mittelreich, so fürchte ich eine Vision von Untotenlegionen, Heere von wandelnden Leichnamen, gemordet und eingereiht, die in endlosen Scharen Aventurien überfluten. Und wer soll ihnen dann noch Einhalt gebieten, außer den Göttern? Doch darauf zu vertrauen, daß SIE uns bei der Hand nehmen, würde ich nicht. SIE helfen denen, die sich würdig erweisen. Und schwer ist dies - wie die geringe aber hochheilige Schar der Heiligen beweist.

Ich würde deshalb sagen, jede Hilfe des Horasreiches wäre nicht nur segensreich, sondern auch in dessen ureigenstem Interesse. Wie dies für jedes frei Reich gilt.

Zu den Morden in der Kirche: Mir selber ist der Gedanke von Magierinnen in Orden der LEUIN herzlich zuwider. Gewiß sind Magierinnen gute Mitstreiterinnen, doch das sind ja viele, und deshalb nehmen wie sie nicht in den Schaoß der Kirche auf. Die Wege der Schlange und die der LEUIN laufen in vielem Seite an Seite, und wir können treffliche Kameradinnen sein. Ich selber habe manches Mal eine Magerin herausgehauen, und andersherum war es nicht minder oft der Fall.
Aber das heißt nicht das wir EINEN Weg gehen. Die HERRIN, so will mir scheinen, hat uns IHRE Gebote nicht zum Spaß gegeben. Und Magie ist nicht unbedingt eine "rechte Waffe"...
Die Morde aber lehne ich entschiedenst ab. Mit dem Handeln haben die Schuldigen - alle die am Komplott mitwirkten oder es deckten - ihre Ehre in unfassbarer Weise besudelt! Gerade WEIL sie den Traditionen der HERRIN schützen vorgeben, haben sie diese schändlichst mit Schimpf bedeckt! Mich ekelt bei dem Gedanken über solchen Verrat! Und ich empfinde Schande, gewiß. Solches darf nimmermehr geschehen.

Eure Worte zu dem Thorwalerzug scheinen mir jedoch widersprüchlich. Ihr zeiht das ganze Volk - mehr oder weniger - des Frevels und sagt doch, Ihr wolltet am Frieden nichts ändern? Dies scheint mir widersprüchlich. Ich bin geneigt, zu glauben, daß es sich um Gesetzlose handelte - der Griff der Hetfrau der Hetleute ist nicht mit der einer echten Monarchin zu vergleichen, weit undisziplinierter und ungeordneter ist der Thorwaler"staat". So mag es seien. Doch sollte sie dergleichen verurteilen, denke ich...

Ich danke Euch für Euren Aufruf, dem, Reich zu helfen, und hoffe, in dieser Lage würden alle im Reich so klug handeln wie Ihr. Ich habe aber - RONDRA verzeih mir - meine Zweifel. Zu groß scheint mir bei manchen Eingennutz, Machtgier und Dummheit.
Ich hoffe Eure Landsleute schließen sich dem an. Ihr und ich sind in vielem hart aneinander geraten, Ihr als Patriot, und ich als aufrechte - und immer zuerst - RONDRAgläubige, die die Gebote der HERRIN immer als erstes sieht, vor anderen göttlichen und mehr noch weltlichen Geboten. Aber hier sind wir einer Meinung, und unsere Klingen gelten dem gleichen Feind.

Möge RONDRA Euren Schwertarm stärken, und das Licht PRAios über Euch nie verlöschen!

Kajani Rieinanjailäki von Vallusa, Ritterin der Göttin