Frage: Player Empowerment

Sineijdan ar Asjawell
Nur eine ganz kurze Frage, die aber für mein Gefühl keinen Thread wert ist. Ich bitte alle Rollotheoretiker um möglichst tiefschürfende Auskunft mit der geballten Kraft Tanelorns (oder so).

Was mache ich in einem sehr spielergesteuerten Spiel, wenn es die Spieler von sich aus mordsungünstig versauen?

Beispiel: Ein größeres Szenario handelt davon, eine Person zu finden (oder etwas in der Art).

Das Abenteuer beginnt um 19:00 Uhr Echtweltzeit. Um 19:30 Uhr legen sich die Helden an einer falschen Stelle auf die Lauer und warten, dass besagte Person vorbeireitet, um sie zu fangen. Da die Helden alle vorangegangenen Informationen falsch zusammengeschraubt haben, liegen sie an der falschen Stelle. Dort vertrödeln sie massig viel Zeit. Die gesuchte Person ist mittlerweile über alle Berge und objektiv nicht mehr einholbar. Das Abenteuer ist jetzt aus.

Als normaler Meister würde ich wohl irgendwas zusammenmogeln, illusionieren, handwedeln, drehen und bescheißen, damit der Spielabend weiter gehen kann. Was macht man denn nun aber nach der reinen Lehre? Schickt man die Spieler um 20:45 nach Hause?

(Die Frage ist kein Witz oder so.)
Isnogud
Warum sollte nicht einmal etwas schief gehen?
Ich finde die Situation interessant. Gerade dann entwickelt das Rollenspiel eine Eigendynamik. Die Spieler wundern sich, was wohl passiert ist und versuchen dies aufzubereiten und der Spielleiter hat sein nächstes Abenteuer Augenzwinkern
Und wenn das nicht reicht pflegt er einfach schon ein weiteres nebenbei ein, auch wenn er dabei improvisieren muss. Häufig entstehen daraus nette Abende und darum geht es ja schließlich auch großes Grinsen
Jens_85
Sehr spielergesteuert? Das hat jetzt wenig mit Player Empowerment zu tun, finde ich - meinst du etwa dieses simulatiofastische "Ich stelle nur die Welt dar"? Das wäre kein PE, mit PE sind alle mehr oder weniger in der Schuld, wenn ein Abend danebengeht (sind es sowieso immer, aber hier hatten die Spieler sogar Gestaltungshoheit).

Abend geht mit PE in die Hose: liegt an der Form der Leute oder so. PE braucht relativ hohe Performanz, Leute die sich gern in die Couch kuscheln und zuhören, sind da falsch. Es reicht im Normalfall wenn einer wirklich zieht, aber macht mehr Spaß wenn alle was machen und etwa auf derselben Linie liegen.

Abend geht mit Simulation in die Hose: liegt an der "Doofheit" der Spieler, man löst nicht jedes Rätsel und daher gehts danach irgendwie weiter. Simulationistisch hat man ja eh immer irgendwas zu tun.

In beiden Fällen würde ich aggressives Scene Framing anwenden: nachdenken, was ist die Folge/könnte die Folge sein und welches interessante Szenario ergibt sich daraus? Dann direkt dahin weiterspringen ("Ihr findet euch im Thronsaal des finster blickenden Königs wieder. 'Ihr wisst, was ihr da vermasselt habt?' donnert er euch entgegen. 'Das wird Folgen haben. Der Krieg ist nun unvermeidlich. Und ich habe da schon eine Idee welches eure Rolle dabei sein wird!'"). Mit PE wird das eben gemeinschaftlich ausbaldowert.

Ich würde mich in keinem Fall mehr als 5 Minuten mit "Warten an der falschen Stelle" aufhalten.
Sineijdan ar Asjawell
Zitat:
Original von Jens_85
mit PE sind alle mehr oder weniger in der Schuld, wenn ein Abend danebengeht

Ja, in diese Richtung ging ja mein Beispiel. Man könnte sich noch andere Sachen vorstellen. Gehen wir einfach davon aus, dass das Szenario von den Spielern unrettbar versaut wurde, aber es ist erst Viertel nach acht. Oder noch blöder: neun Uhr.

Und dann wird einfach wild improvisiert, oder alle gehen heim?

Ist übrigens keine Protzelfrage, ich will nur wissen (bzw. aus dem Mund eines anderen hören), was die Theorie für den Fall vorsieht. Du brauchst nix verteidigen.
Norman Mauder
Hm, ich verstehe das Problem nicht so ganz. Was du beschreibst ist ein verlorener Konflikt, nichts weiter. Deswegen ist doch die Geschichte - wenn sie nicht vorgefertigt, sondern von allen entwickelt wird, was beim PE ja der Fall wäre - ja noch nicht zu Ende, und damit auch nicht der Abend. Wie Jens schon beschreibt, gibt's dann eben einen Szenenwechsel und die Geschichte nimmt einen anderen Verlauf.
Der Abend ist zu Ende, wenn den Leuten nix mehr einfällt ... dann können sie die Maumaukarten rausholen ...