Wir sind Lena!

Der Maekkel
Puuhh... Endlich sind wir nicht mehr Papst!

Wurde ja auch Zeit.


Eure Meinung?
Rondrian von Falde
Ich sage dazu, dass ich am 11. Juli gerne sagen würde: Wir sind Weltmeister!
Trollkongen
Sie sieht immerhin besser aus als der Papst.

Kann ich also gut mit leben. großes Grinsen
Che-Gerrit
Der Blödsinn ist vorbei, können wir jetzt da bitte ganz schnell von dem Trip wieder runterkommen?

Da hat so nen lüttes Mädel mit einer zugegeben ganz netten Stimme ein belangloses Pop-Liedchen geträllert und die Republik versinkt mal wieder in der nationalen Psychose, inklusive der scheinbar unvermeidlichen antisemitischen Sprüche (http://marx-blog.de/2010/05/null-punkte-...1/#comment-1416).



Aber wenigstens sieht es so aus, als ob die Nationalmannschaft wenigstens dies Mal meinen Wunsch nach dem Vorrundenaus erfüllen würde.
Trollkongen
Zitat:
Original von Che-Gerrit
Da hat so nen lüttes Mädel mit einer zugegeben ganz netten Stimme ein belangloses Pop-Liedchen geträllert und die Republik versinkt mal wieder in der nationalen Psychose, inklusive der scheinbar unvermeidlichen antisemitischen Sprüche ( http://marx-blog.de/2010/05/null-punkte-aus-israel/comment-page-1/#comment-
1416
).


Ein bisschen verkrampft, hm? Von einer nationalen Psychose habe ich wenig mitbekommen, und der Beitrag bei marx-blog (äh) ist auch arg bemüht. Dass es Vollidioten gibt, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit ihre geistige Beschränktheit zur Schau stellen müssen, dürfte nichts neues sein. Das funktioniert auch so.

Übrigens lebt ein Hype davon, dass man ihn thematisiert. Ob positiv oder negativ, ist dabei nicht so wichtig. Glückwunsch also zum Dabeisein! Augenzwinkern
karli
Zitat:
Original von Trollkongen
Ein bisschen verkrampft, hm? Von einer nationalen Psychose habe ich wenig mitbekommen,


Dito, dabei habe ich wochenlang seitenweise die Leserkommentare der großen Zeitungen verfolgt, wo sich der bösartigere und mißgünstigere Teil der Bevölkerung tummelt. Man muss sicher suchen, um die antisemitischen Psychotiker zu finden. Dass man eventuell dann fündig wird, bleibt wohl nicht aus.

P.S.: Als sich die Sex Pistols konstituierten, waren sie auch nicht wesentlich älter. Nur hätte die damals keiner "lütte Jungs" genannt. smile
El Vespertilio
Ich find sie ja schrecklich nervig. Aber die Menge der Punkte sprechen wohl für sich. Also Hut ab.
Che-Gerrit
Zitat:
Original von Trollkongen

Ein bisschen verkrampft, hm?


I can't relax in Deutschland.

Ich wehre mich dagegen, dass ich von außen in eine konstruierte Kollektividentität als "Deutscher" gepackt werden soll. Ich bin ein Mensch, der zufälligerweise die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, ich fühle mich aber nicht als Teil eines irgendwie gearteten "Volks". Die breite Mehrheit der Gesellschaft sowohl in diesem wie auch jedem anderen Land der Erde ist zumindest latent rassistisch, antisemitisch und (hetero-)sexistisch.
Da will ich gar nicht "dazugehören".

Ich bin gegen jede Form von Patriotismus, da Patriotismus immer eine Abgrenzung gegen das "andere" ist und somit immer eine Wertung enthält, ganz egal, was die Verfechter_innen des Patriotismus behaupten.

Dementsprechend erschreckt es mich, wie aus einem (zu recht) belächelten Trällerwettbewerb eine solche schwarz-rot-goldene Identitätsorgie werden konnte.
Trollkongen
Zitat:
Original von Che-Gerrit
Ich wehre mich dagegen, dass ich von außen in eine konstruierte Kollektividentität als "Deutscher" gepackt werden soll.


Gut, das kann ich nachvollziehen. Ich mag Schubladen auch nicht, sei es diese oder eine andere. Ich bin Deutscher und empfinde mich aus verschiedenen Gründen auch so, allerdings möchte ich da bitte keine bestimmten Attribute zugeschrieben bekommen. Andererseits ist meine Erfahrung auch - das man das überhaupt nicht tut. Jedenfalls habe ich bislang davon wenig gemerkt.

Dann die Gruppenidentität. Hm. Das ist so eine Sache. Richtig ist: Eine Identifikation mit einer Gruppe bedingt zugleich die Abgrenzung nach außen. Und: Es gibt den sonderbaren Effekt, dass man stets dazu neigt, die Mitglieder der jeweiligen eigenen Gruppe zu bevorzugen, die der anderen zu benachteiligen. (Übrigens ist es ziemlich egal, wie man Teil so einer Gruppe wird. Wen's interessiert: Henri Tajfel, Theorie der sozialen Identität.) Dies ist übrigens immer so, scheint also elemanterer Bestandteil menschlichen Verhaltens zu sein.

Das ist natürlich aus einer gewissen Perspektive schon was bedenklich. Denn damit scheidet das Ideal des "alle Menschen sind gleich" faktisch irgendwie aus. Andererseits stellt sich die philosophische Frage, ob, wenn es denn zum menschlichen Handeln dazugehört, man nicht gut daran tut, es anzunehmen und entsprechend zu kanalisieren? Es ist ja eine Identitätsfrage, also letztlich eine Frage über das eigene Selbst.

Nun muss das natürlich nichts mit sowas wie Nation zu tun haben, auch wenn aus bestimmten Gründen ethnisch-kulturelle Identifikationen besonders stark sind. Aber zugleich ist es, bezogen auf einen Musikerwettbewerb oder eine Sportmeisterschaft, eine sehr harmlose Identifikation.

Wobei ich übrigens überhaupt nicht den Eindruck habe, dass es sich bei Lena um eine "Identitätsorgie" handelt. Natürlich spielt Deutschland dabei eine Rolle, das liegt aber eher am Wettbewerbsformat. Oder, um's auf den Fußball zu münzen: Es gibt eine EM oder WM, aber eben auch eine Champions League oder eine deutsche Meisterschaft. Und zumindest letzte zeigt, dass es oft wenig mit (Lokal-)Patriotismus zu tun hat: Die Fans kommen auch aus anderen Gegenden.

Nachtrag: Ich sehe gerade: "Tennis Borussia Berlin" ...großes Grinsen
Trollkongen
Eine Frage, die sich stellt, die ich hier aber nur anreiße, weil es schon so spät ist:

Mit der überwältigenden Beliebtheit, die Lena genießt, und die zu einem guten Teil wohl daraus resultiert, dass man sich mit ihr identifizieren kann bzw. sie zumindest als erstrebenswerten Typus von Mensch ansieht: Welchen Einfluss auf Rollenbilder wird dies haben? Wird es überhaupt einen haben?

Die Frage klingt vielleicht weit hergeholt, aber zwei Dinge fallen mir spontan dazu ein:

1) Die unsäglichen Casting-Shows (zu der ich Raabs nicht zähle) haben, so scheint mir, ein gewisses Modell vorgegeben, an dem sich viele Jugendliche und junge Leute zu orientieren versuchen. Immerhin hat allein DSDS viele tausend Bewerber, von denen "die besten" auch alle sehr austauschbar wirken. Auch dieses Top-Model-Dingens gibt einen Typen vor.

2) Der Erfolg von Lena ist ja weniger auf das großartige Lied zurückzuführen, sondern auf ihren Charakter. D. h. natürlich dem medial vermittelten, man ist bei sowas ja immer irgendwie Medienkonstrukt. (Was an der Stelle eine Feststellung, keine Kritik sein soll.) Aber: Lena bedeutet Natürlichkeit, Authentizität, Echtheit, Kantigkeit, Unverbogenheit - kurz: Genau das, was die anderen erwähnten Casting-Shows, ja große Teile der Pop- und Unterhaltungs-Branche, eben von vorneherein gar nicht mehr sein können und wollen.

Gute Nacht!
karli
Zitat:
Original von Che-Gerrit
Dementsprechend erschreckt es mich, wie aus einem (zu recht) belächelten Trällerwettbewerb eine solche schwarz-rot-goldene Identitätsorgie werden konnte.


Wenn du da mal nicht einen ganz schmalen Weg gehst. Zur Trivialität von (zu Recht oder Unrecht) belächelten Trailerwettbewerben (1) kann man nämlich eine ganze Menge schreiben. Ich etwa fand den serbischen Beitrag ziemlich enttäuschend. Nicht zu erahnen, dass Bregovic (der Komponist) einst eine richtige Pop-Perle wie "Cudesno jutro u krevetu gde Petrovic schuf. Gut, das ist jetzt lange her und damals war er vor allem Gitarrist von Bijelo Dugme und nicht Filmmusikkomponist, aber trotzdem...



(1) Wer lächelt da eigentlich? Nach meinen Studien der letzten Wochen habe ich den Eindruck, dass es primär Leute sind, die genau eine einzige Musikrichtung kennen (und die nicht allzu tiefschürfend) und sich einbilden, die Welt wäre hin und weg, schickte man nur Rammstein zum ESC.
karli
Zitat:
Original von Trollkongen
1) Die unsäglichen Casting-Shows (zu der ich Raabs nicht zähle) haben, so scheint mir, ein gewisses Modell vorgegeben, an dem sich viele Jugendliche und junge Leute zu orientieren versuchen.


Leider Gottes ja. Und daraus entwickeln sich richtige Glaubenskriege (z. B. zwischen DSDS und USFO) mit der Betonung auf "-kriege", bei denen plötzlich jedes Mittel der Diffamierung erlaubt scheint. Eine kleine Einführung findet man z.B. bei den Plattenkritiken von Amazon zu LMLs CD oder im völlig unlesbaren USFO-Forum. (Man kann sich allerdings genauso gut in den Foren von SPON, Bild, Welt, Stern, Focus, HAZ etc. pp. umschauen. Das ist Jacke wie Hose)

Zitat:
2) Der Erfolg von Lena ist ja weniger auf das großartige Lied zurückzuführen, sondern auf ihren Charakter.


Ganz so einfach ist das nicht, da ihre Fans seit USFo-Zeiten (was ja nun gar nicht so wenige sind), sich primär auf ihre damaligen und tatsächlich auch spannenderen Interpretationen beziehen, die - und das ist das wirklich Überraschende - auch noch mehrheitsfähig wurden.
Seither hat allerdings fast jede größere gesellschaftliche Gruppe (zumindest erweckt es den subjektiven Eindruck) versucht, sie für sich zu reklamieren, so dass sie zur Ikone des geplagten Bürgertums (und seiner vermeintlichen Werte) ebenso wurde wie zur Ikone des Christentums (und seiner vermeintlichen Werte). (Ironischer- , nein, bedrückenderweise ohne dass jemand wüsste, welche Positionen sie selbst vertritt.)
Ebeyon
Zitat:
Original von Trollkongen
Eine Frage, die sich stellt, die ich hier aber nur anreiße, weil es schon so spät ist:

Mit der überwältigenden Beliebtheit, die Lena genießt, und die zu einem guten Teil wohl daraus resultiert, dass man sich mit ihr identifizieren kann bzw. sie zumindest als erstrebenswerten Typus von Mensch ansieht: Welchen Einfluss auf Rollenbilder wird dies haben? Wird es überhaupt einen haben?

Die Frage klingt vielleicht weit hergeholt, aber zwei Dinge fallen mir spontan dazu ein:

1) Die unsäglichen Casting-Shows (zu der ich Raabs nicht zähle) haben, so scheint mir, ein gewisses Modell vorgegeben, an dem sich viele Jugendliche und junge Leute zu orientieren versuchen. Immerhin hat allein DSDS viele tausend Bewerber, von denen "die besten" auch alle sehr austauschbar wirken. Auch dieses Top-Model-Dingens gibt einen Typen vor.

2) Der Erfolg von Lena ist ja weniger auf das großartige Lied zurückzuführen, sondern auf ihren Charakter. D. h. natürlich dem medial vermittelten, man ist bei sowas ja immer irgendwie Medienkonstrukt. (Was an der Stelle eine Feststellung, keine Kritik sein soll.) Aber: Lena bedeutet Natürlichkeit, Authentizität, Echtheit, Kantigkeit, Unverbogenheit - kurz: Genau das, was die anderen erwähnten Casting-Shows, ja große Teile der Pop- und Unterhaltungs-Branche, eben von vorneherein gar nicht mehr sein können und wollen.

Gute Nacht!


Lieber Lena als Vorbild oder Rollenbild als Bushido.

Und ja, die bisherigen Castinggewinner waren sehr austauschbar und auch RuckZuck wieder vergessen. Traurig, daß trotzdem dutzende, wenn nicht hunderte junge Menschen zusammenbrechen wenn man ihnen sagt, sie können nicht singen, weil das für sie schon immer ihr absoluter und einziger Lebenstraum und Inhalt war.
Keine gute Vorbildfunktion, als unsozialer halbkrimineller Schulabbrecher als allerletzte Chance noch "Star" zu werden.

PS:
Ich mag Lenas Lied nicht, es nervt mich. Aber sie als Person kommt ja bisher ganz nett rüber.
Meine Favoriten wären Türkei und Belgien gewesen, evtl. noch Island.
Drei komplett unterschiedliche Stile.
Schatzkanzler
Ich glaube, es ist nichts Neues, dass bei den Menschen alles ankommt, was in dieser sehr stark von medialer Inszinierung geprägten Welt echt wirkt.

Und man kann Lena vieles vorwerfen, aber echt wirkt sie.

Die ganze art, wie sie singt, wie sie redet und sich bewegt ist nicht austauschbar, ziemlich anders und alles zusammengenommen herrlich. Dabei scheint sie nicht nur ungehöres Identifikationspotential zu haben, sondern auch, dass man sie einfach mag.

Ich identifiziere mich nämlich - aus vielerlei Gründen (Alter, Geschlecht, Beruf, schönere Singstimme Augenzwinkern ) kein bischen mit ihr. Ich mag sie aber trotzdem und zwar vom ersten Augenblick an.

Ich war sehr skeptisch, was Raabs Auswahlsendung USFO angeht. Zum einen dachte ich, es wird schon wieder so eine Casting-Kiste, wobei Raab auch früher schon bewiesen hat, dass er ein besseres Händchen hat als Bohlen, zum anderen bin ich eigentlich kein Freund davon Nobodys zum ESC zu schicken. Deswegen fand ich die No Angles grundsätzlich als auswahl gut. Dass man ihnen ein grottenschlechtes Lied mit auf den Weg gegebenhat, sei mal dahin gestellt.

Zurück zu USFO. Ich habe mir erstmal nur die erste Sendung angesehen, um zu schauen, wer überhaupt zur Auswahl steht. Als Lena fertig war, wusste ich sofort, wer gewinnt, denn vom ersten Augenblick war ich begeistert. Westernhagen hatte es damals schon so richtig auf den Punkt gebracht und deswegen darf er sich zurecht in diesen Tagen immer wieder zitieren lassen: "Bleib wie Du bist. Die Leute werden Dich lieben!"

Recht hat er behalten.

Das Lena nebenbei noch Abitur gemacht hat und ihr Opa als Chef des Präsidialamtes per Du mit Richard von Weizäcker und Gerhard Schröder ist, gibt dem ganzen noch eine zusätzlich interessante Note, ändern aber nichts daran, dass es hier nicht um Bürgertum gegen Knastis geht, wie es vielfach beschrieben worden ist, sondern schlichtweg darum, dass Lena einfach hinreißend mitreißend ist. Man kann ihr nicht zuhören oder zusehen, ohne dass man anfängt zu lächeln.

Ganz nebenbei: Wer hat bei DSDS bislang die beste Figur gemacht? Mark Medlock. Ebenfalls einer, der recht authentisch daherkommt.

Oder nehmen wir den Fußball: Phillip Lahm ist nicht umsonst einer der beliebtesten Fußballer, oder zu Guttenberg, Thomas Gottschalk und Günter Jauch.

Alles Leute, die ihr Ding durchziehen und sich weniger um das scheren, was andere von ihnen denken.
Feyamius
Zitat:
Original von karli
Nur hätte die damals keiner "lütte Jungs" genannt. smile

Heutzutage eigentlich auch nicht... Augenzwinkern
Kirgam
Zitat:
Original von Che-Gerrit
Ich bin gegen jede Form von Patriotismus, da Patriotismus immer eine Abgrenzung gegen das "andere" ist und somit immer eine Wertung enthält, ganz egal, was die Verfechter_innen des Patriotismus behaupten.


Dann verstehe ich dein Avatar-Bild nicht.
Drusus
Au Mann ... nu faseln sie auch noch vom Bundesverdienstkreuz Augen rollen

Irgendwie wird der Bardenwettstreit ein wenig überbewertet ... Augenzwinkern
karli
Zitat:
Original von Drusus
Irgendwie wird der Bardenwettstreit ein wenig überbewertet ... Augenzwinkern


Umgekehrt. Drei Leutchen wollen sich auf die plumpest denkbare Art ins Gespräch bringen. Andererseits haben wir im Gegensatz zum Letztplatzierten keinen Sir Pau, Sir Mick oder Sir Elton...
Trollkongen
Zitat:
Original von karli
Umgekehrt. Drei Leutchen wollen sich auf die plumpest denkbare Art ins Gespräch bringen. Andererseits haben wir im Gegensatz zum Letztplatzierten keinen Sir Pau, Sir Mick oder Sir Elton...


Jo, auch noch schnell ein Stück vom Kuchen sichern ...

Andererseits: Ralph Siegel hat damals (1982) auch ein Bundesverdienstkreuz bekommen. Wofür, weiß ich aber nicht.
karli
Ich nehme an für den Grand Prix, denn 98 hat er noch eins fürs Lebenswerk bekommen. U. Lindenberg, P. Maffay und M. Müller-Westernhagen haben übrigens auch eines. Überhaupt wurde das eine Viertelmillion mal verliehen. Scheint doch keine so wirre Idee zu sein, wie sich's anhört.